Stolzes Stück Kirchenbau-Historie

Die Ausstellung zur Kathedrale St. Etienne präsentiert auch Steinmetz-Werkzeuge, die sich hier Manfred Wevers anschaut.Foto:Fritz Baum
Die Ausstellung zur Kathedrale St. Etienne präsentiert auch Steinmetz-Werkzeuge, die sich hier Manfred Wevers anschaut.Foto:Fritz Baum
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im Museum Abtsküche eröffnete die Ausstellung „Ansichten der Kathedrale Saint Etienne“ mit Exponaten aus der Partnerstadt Meaux – zu sehen bis April.

Wer am Sonntag pünktlich vor elf im Museum Abtsküche erschien, den empfing neben einem voll besetzten Raum pompöse Orgelmusik. Sofort wird klar: Es geht um eine Kirche. Und was für eine.

Die Bilder in den frisch bestückten Vitrinen zeigen an, dass sie mit ihrem 60 Meter hohen Nordturm (der Südturm wurde nie fertig) das Bild ihrer Stadt dominiert. Auf einer alten Ansichtskarte prangt sie im M der Stadt „Meaux“ bei Paris, seit 1970 französische Partnerstadt von Heiligenhaus. Sie ist ihr Wahrzeichen: die Kathedrale St. Stephan, französisch St. Etienne.

Engel und Fabeltiere speien Wasser

Bis 19. April ist sie in einer kleinen Ausstellung im Museum Abtsküche zu sehen, in verschiedenen Zeiten und Details: Tiere und Heilige, Engel und Fabeltiere als Wasserspeier, die Orgel auf einer städtischen Erinnerungsmedaille an den Besuch der Heiligenhauser 1985, außerdem Zeichnungen und Erläuterungen zu den Herausforderungen der Bauweise.

Die Bilder wurden von einigen Einwohnern von Meaux (Meldoiser genannt) beigesteuert, den Rest hat Museums-Kustos Reinhard Schneider zusammengetragen, darunter die Abteilung zur Steinmetz-Kunst der Zeit, von seinem Sohn Philipp. Der arbeitet nämlich selber als Steinmetz an einer anderen Kathedrale, die dem heiligen Stephan geweiht ist, in Wien.

Seinen Beitrag zur fachkundigen Einführung leistete übrigens auch Bürgermeister Dr. Jan Heinisch in Vertretung des verhinderten Geschichtsvereins-Vorsitzenden Peter Ihle. Am Donnerstag noch als Panzerknacker verkleidet (damit erklärte er den für ihn unüblichen Dreitagebart), ging er am Sonntag als Kirchenbau-Historiker. Anschaulich erläuterte er die Bauphasen und die Besonderheit das Meldoiser Dombaus im Kontext seiner Zeit: Herrschte zuvor die romanische Bauweise, waren die Kirchen aus Gründen der Statik massiv, gedrungen und dunkel, herrschte im gotischen Stil das, was auch Heinisch während seines Vortrags ins Gesicht schien: Licht.

Hoch im überirdischen Licht

Mit statischen Kühnheiten wie Spitzbögen und der Auslagerung des Dachdrucks auf Außenpfeiler wurden erst die organisch wirkenden Gewölbe und die riesigen Glasfenster möglich. Kirchen wurden so hoch, dass sie die umstehenden Gebäude überragten, ihr Innenraum wurde „in ein überirdisches Licht getaucht“.

Nach dieser beachtlichen Einführung deutete der promovierte Jurist die gemeinschaftlich zusammengetragene Ausstellung nicht nur als „ein Stückchen Liebe zu unserer Partnerstadt“, sondern „auch ein Stück Kirchen-Baugeschichte“. Und vielleicht, fügte er hinzu, diene die Schau ja auch „als Motivation, unsere Partnerstadt mal zu besuchen“.