Stadt will Vereine zur Kasse bitten
21.02.2012 | 18:05 Uhr 2012-02-21T18:05:00+0100
Heiligenhaus. Die Trainingsstunden in kommunalen Gebäuden sollen ab 2013 anteilig bezahlt werden. Der Rat wird darüber im Mai entscheiden.
Dieses Jahr könnte das letzte sein, in dem die Heiligenhauser Sportvereine ihre Trainingsorte kostenlos nutzen können. Ab 2013 sollen sie bezahlen, wenn sie in einer städtischen Sporthalle Tischtennis, Basketball und Co. spielen. Auf die Vereine kommen Mehrausgaben in sechsstelliger Höhe zu.
100 000 Euro pro Jahr sollen ab 2013 aus dem Schweiß der Sportler ins Stadtsäckel fließen, so sieht es das Haushaltssicherungskonzept vor. Aufbringen müssen diese Summe acht Vereine, die die – ebenfalls acht – städtischen Sporthallen bisher kostenfrei nutzen durften. Das entspricht für jeden dieser Vereine durchschnittlich 12 500 Euro Mehrkosten im Jahr. Allerdings dürfte der Turnverein Heiligenhaus den Löwenanteil stemmen müssen; er ist nach Angaben der Verwaltung der größte Hallensportverein der Stadt.
Dessen erster Vorsitzender Michael Nink, gleichzeitig Mitglied des Stadtsportverbandes, sieht die sportliche Arbeit in der Stadt durch die Pläne der Verwaltung bedroht: „Für manche Vereine wäre es der glatte Ruin.“ Diejenigen, die durch eine zusätzliche Abgabe nicht k.o. gehen würden, würden seiner Ansicht nach zumindest angezählt: „Es würde deutlich weniger Arbeit geleistet werden können.“ Dass die Stadt angesichts der maroden Haushaltslage auf die Suche nach neuen Einnahmequellen geht, versteht Nink. Er gibt aber zu bedenken: „Die finanziellen Probleme haben die Vereine genauso wie die Stadt.“ Es gelte, Kosten und Nutzen der Vereine für die Stadt zusammen zu betrachten.
13 000 Vereinsstunden pro Jahr in den Sporthallen
Kämmerer Michael Beck sieht vor allem die Kosten. „In allen Sporthallen zusammen haben wir fast 13 000 Vereinsstunden pro Jahr“, bilanziert er. In jeder dieser Stunden tickt der Stromzähler, wird Gas für die Heizung verbrannt; am Ende muss die Halle gereinigt werden. „Verbrauchsgebühren“ nennt Beck die so entstehenden Kosten, an denen er die Vereine beteiligen will. Beziehungsweise muss, wie er argumentiert: Da Heiligenhaus einem Haushaltssicherungskonzept unterliegt, müsse die Stadt „ihre Einnahmemöglichkeiten nutzen“. Tut sie das nach Ansicht der Bezirksregierung nicht, kann diese dem Konzept ihre Genehmigung verweigern und die Stadt unter Nothaushaltsrecht stellen – ein Schicksal, das im Kreis Mettmann bereits Velbert, Haan und Monheim teilen. Diese Kommunen dürfen nur noch Ausgaben leisten, zu denen sie rechtlich verpflichtet sind.
Das zu verhindern, sollen die Sportvereine helfen. 100 000 Euro entsprächen pro Hallenstunde maximal fünf Euro, rechnet der Kämmerer vor; da die Vereine Hallenstunden erst ab einer zweistelligen Teilnehmerzahl buchen würden, beliefen sich die Kosten daher auf „25 bis 50 Cent pro Person“. Eine Summer, die Beck für verschmerzbar hält. Zumal die tatsächliche Belastung der Stadt höher ausfalle als der Betrag, den sie den Vereinen in Rechnung stellen will. „Es ist eine zusätzliche Belastung, aber eine mit Augenmaß“, findet Beck.
Vereine befürchten Mitgliederschwund
Karl-Heinrich Schniewind sieht das anders. Der 1. Vorsitzende des TuS Hetterscheidt hält die Pläne der Stadt für „wirtschaftlich nicht tragbar“. Die Verwaltung müsse unterscheiden zwischen Leistungssportvereinen, die durch die Erfolge ihrer Aktiven auch Einnahmen erzielten, und Breitensportvereinen. „Wir sind ein reiner Breitensportverein und leisten einen Teil Sozialarbeit. Wir holen Kinder von der Straße“, betont er den – auch finanziellen – Nutzen des Vereins für die Stadt. Der könnte künftig kleiner ausfallen, müsste der Verein aufgrund von Nutzungsgebühren für die Sporthalle die Beiträge erhöhen. 1020 Hallenstunden bucht der TuS Hetterscheidt jedes Jahr, bei 470 Mitgliedern und fünf Euro pro Stunde würde das zehn Euro Jahresbeitrag mehr pro Mitglied bedeuten. Schniewind befürchtet: „Ein Zehner mehr würde dafür sorgen, dass wir zehn Prozent unserer Mitglieder verlieren.“
Noch ist die Sporthallengebühr nicht beschlossen. Am 9. Mai wird der Rat über ihre Einführung entscheiden.
Nicht als Sporthalle im städtischen Portfolio gilt übrigens das Heljens Bad. Vereine, deren Gruppen dort ins Wasser springen, müssen also erst einmal keine höheren Kosten befürchten. Denn das Bad gehört den Stadtwerken. Die sind zwar eine 100-prozentige Tochter der Stadt, aber unternehmerisch eigenständig. Im Haushalt ist vorgesehen, dass sie zukünftig mehr von ihrem Gewinn abführen. Wie sie für diese Summe aufkommen, bleibt der Rechnung der Stadtwerke überlassen.
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