Stacheliger Untermieter
25.11.2009 | 15:25 Uhr 2009-11-25T15:25:00+0100
Heiligenhaus. Beim Wippen auf dem Spielplatz hat Jacqueline Beyer Igel „Henry” gefunden. Er war ein echtes Leichtgewicht, wog nur 156 Gramm. Jetzt päppelt ihn Familie Beyer für den Winterschlaf auf und versucht ihn stubenrein zu bekommen.
Dass jemand „auf den Hund kommt”, kennt man ja. Doch „auf den Igel zu kommen” ist neu und kam für Familie Beyer auch ziemlich überraschend. „Ich war mit meiner Freundin Louisa auf dem Spielplatz. Dann haben wir beim Wippen den Igel entdeckt”, erzählt Jacqueline Beyer stolz. Die beiden Mädchen haben nicht lange überlegt, sondern gleich gehandelt: „Wir haben ihn in einem Tuch mit nach Hause genommen.” Damals wog „Henry”, wie der kleine Kerl später getauft wurde, nur 156 Gramm und war ein echtes Igel-Leichtgewicht. Sie beschlossen ihn aufzupäppeln – auch wenn Mutter Anke nicht so richtig von der Idee begeistert war: „Ich wurde einfach überredet”, gesteht sie.
Zudem passte der stachelige Fund so gar nicht in den Ferienplan der Familie, die gleich an der Stadtgrenze, in Ratingen-Homberg, wohnt. „Einen Tag später sind wir in Urlaub gefahren”, berichtet Michael Beyer, der von Anfang an genauso begeistert von dem Igel war wie seine Kinder Jaqueline (9) und Florian (6). Kurzerhand wurde Henry für die Zwischenzeit bei den Großeltern einquartiert – und hat gleich in der ersten Woche 200 Gramm zugenommen.
Einmal am Tag sauber machen
„Er muss mindestens einmal am Tag sauber gemacht werden. Am besten zweimal”, so Michael Beyer, an dem diese Arbeit zumeist hängenbleibt. Ein Igel ist eben kein stubenreines Haustier. Und trotzdem: „Ich denke, er fühlt sich hier sehr wohl”, sagt Michael Beyer.
„Die Igel, die jetzt noch draußen sind, sind meistens zu klein”, erklärt Nabu-Ehrenvorsitzender Dr. Helmut Beine. „Die größeren sind jetzt schon vollgefressen und müde in ihrem Versteck.” Der Tierliebhaber kennt seine stacheligen Pappenheimer gut, hat selbst schon 30 von ihnen sicher über den Winter gebracht. „Bis 800 Gramm nehme ich sie immer mit und lasse sie bei mir überwintern”,erklärt Beine.
Wenn man einen kleinen Igel
gefunden hat, ist es ratsam, mit ihm zum Tierarzt zu gehen. „Er könnte Lungenwürmer und Zecken haben”, erklärt Dr. Helmut Beine. Man sollte vorher nur nachfragen, ob der Tierarzt den Findling auch kostenlos behandelt. „Bei Wildtieren machen die meisten das.” So muss man nur die Spritzen zahlen, die das unter Naturschutz stehende Tierchen vielleicht bekommt.
Ist der stachlige Untermieter erstmal eingezogen, braucht er natürlich auch was zu futtern – denn er muss ja noch ordentlich an Gewicht zulegen. „Sie dürfen keine Milch haben”, zerstört der Nabu-Ehrenvorsitzende erst mal eines der härtnäckigsten Vorurteile. Denn: Davon bekommen die Laubbewohner Durchfall. Er freut sich viel mehr über ein Schälchen Katzenfutter. „Es gibt auch extra Igel-Trockenfutter mit getrockneten Insekten, dass kann man ihm auch hinstellen.”
Winterspeck anfressen
Dann tritt auch schnell der Effekt ein, vor dem sich viele Frauen fürchten und zähneknirschend vor dem Spiegel drehen: Der Igel nimmt ziemlich rasch an Gewicht zu. Muss er ja auch. „Bis er in den Winterschlaf geht, sollte der Igel ungefähr 1000 Gramm wiegen.” Denn während er schläft, verliert er wieder rund die Hälfte seines Gewichtes. Zwischendurch sollte man ihm eine Schale mit Futter reinstellen und ab und an nach dem Untermieter sehen, denn es kann immer mal sein, dass er aufwacht und frisst oder trinkt.
Nach drei bis vier Monaten blinzeln zwei dunkle Augen wieder aus der Kugel hervor und er wird wach. „Wir füttern ihm wieder Gewicht an und setzten ihn Anfang Mai raus”, beschreibt Beine. Sofort stecke der Igel dann seine Nase unter das nächstbeste Blatt und suche bereits wieder nach Futter, um sich dann hoffentlich genug Speck für den nächsten Winter anzufressen.
Eine Behausung muss her
Einen Igel bei sich aufzunehmen, ist allemal aufwändiger, als es sich die meisten Leute vorstellen. Der stachelige Untermieter ist nämlich nicht mit einem Meerschweinchen zu vergleichen – Igel sind und bleiben Wildtiere.
Zu allererst muss eine Behausung für den stacheligen Untermieter her. Wie die aussehen sollte, erklärt Dr. Helmut Beine vom Nabu: „Ich nehme zunächst einen großen Pappkarton. So wie die, in denen Fernseher verpackt sind.” In den kann man noch mal eine Schicht Pappe auf den Boden legen. So ist das Gehege später besser sauberzuhalten. „Dann kommt Kleintierstreu hinein. Man kann aber auch aus Zeitungen kleine Kügelchen machen und die reinstreuen”, verrät Dr. Beine die preiswertere Alternative. Dann fehlt bloß noch ein gemütliches Schlafzimmer für den Igel. Dazu braucht man noch einen Karton, etwas größer als eine Schuhschatel. Den stellt man mit dem Deckel nach unten ins Gehege und schneidet ein Loch als Eingang hinein. „Wenn der Igel sich mal eingeengt fühlt, kann er ihn einfach umschmeißen.” Auch hier kommt wieder etwas Einstreu hinein – fertig ist das Igel-Penthouse. Das Ganze kommt dann in den Keller. Aber: „Es darf kein Heizungskeller sein!” Überhaupt sollte der Karton weit weg von der Heizung stehen.
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