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Sicherheit ist zu teuer

27.06.2012 | 08:00 Uhr
Sicherheit ist zu teuer
Die Gitter am Spielhaus Oberilp müssen weg. Der Grund: Brandschutzrichtlinien.

Heiligenhaus.   Nach einer Einbruchserie in städtischen Gebäuden sollen Alarmanlagen her, doch die Stadtfinanzen lassen nur eine zu. Es drohen erhöhte Versicherungsbeiträge.

53 000 Euro für jeweils eine Alarmanlage in der Gesamtschule, im Spielhaus Oberilp und im Stadtteilbüro auszugeben, könnte die Stadt langfristig billiger zu stehen kommen, als kein Geld auszugeben. Denn der Gemeindeversicherungsverband (GVV), bei dem die Kommune versichert ist, droht mit einer Anhebung der Beiträge. Beugt Heiligenhaus nicht besser gegen Einbrüche in den genannten Gebäuden vor, könnte es teuer werden.

Wie teuer, will Reinhold Schmidt, als Leiter des Fachbereichs Verwaltung zuständig für Versicherungen, nicht verraten – Vertragsinhalte darf er nicht preisgeben. Allerdings erklärt er den Hintergrund: Fallen zu hohe Schäden an, kann die Versicherung höhere Beiträge erheben – und Schäden sind in den vergangenen Jahren einige angefallen. „Einmal war der Fall mit der Versicherung noch nicht abgewickelt, da ist schon das zweite Mal eingebrochen worden“, erinnert sich Schmidt.

Gesamtschule

23 Computer mit den dazugehörigen Bildschirmen wurden im ersten Quartal 2010 aus den EDV-Räumen gestohlen. „Regelmäßig kamen die von außen rein, haben alle Rechner mitgenommen und sind wieder raus“, beschreibt Volker Hoven, Leiter des Immobilienservice der Stadt, das Vorgehen der Täter. Die Folge: „Die Versicherung ist uns schon aufs Dach gestiegen.“ Entschärft wurde die Situation dank der Polizei: Die konnte die Täter, eine Gruppe Heiligenhauser Jugendlicher, ermitteln. „Seitdem ist nichts mehr passiert“, kann Hoven vermelden.

Damit es dabei bleibt, sollen die EDV-Räume durch eine Einbruchmeldeanlage für 30 000 Euro gesichert werden. Allerdings beschloss der Verwaltungsausschuss kürzlich Priorität zwei für diese Maßnahme – das bedeutet im Klartext: Im Rahmen des kommenden Doppelhaushalts wird sie nicht umgesetzt.

Spielhaus Oberilp

Ein LCD-Fernseher, mehrere PCs und Monitore, eine Spielekonsole – die Beute aus dem Spielhaus liest sich wie eine Einkaufsliste für Mediamarkt und Co. Der ortskundige, jugendliche Einzeltäter vom September 2010 wurde zwar ermittelt, trotzdem gab es im April 2011 erneut einen Einbruch. Dagegen halfen auch die Gitter nicht, die 2002 vor den Fenstern von zwei Büroräumen und des Internetcafés angebracht worden waren. Sie wurden aufgebrochen. Trotzdem: Sie stellen ein Hindernis für potenzielle Einbrecher dar. Die Gitter aber sollen jetzt weg.

Denn sie versperren einen Fluchtweg im doppelten Sinne: nicht nur für etwaige Einbrecher, sondern auch für eventuelle Brandopfer. Im Fall eines Feuers können Menschen aus den Räumen nur durch die jeweilige Tür entkommen. Dieser Sachverhalt entspricht nicht der geltenden Brandschutzverordnung. Folge­richtig ergab eine Begehung mit dem Brandschutz 2011: Die Gitter müssen weg. Das sorgt bei Volker Hoven für Sorgenfalten: „Wenn wir die Gitter weg machen, können wir direkt alles auf die Straße stellen.“

Eine Alarmanlage für 13 000 Euro soll verhindern, dass Einbrecher ohne Gitter wieder elektronische Beute machen können. Sie ist mit der Priorität eins versehen; könnte also noch im kommenden Haushalt eingebaut werden. Der Leiter des Spielhauses, Christoph Meschede, sieht das allerdings kritisch: „Hier im Stadtteil kommen die Leute nicht angelaufen, nur weil eine Alarmanlage geht. Ich bin eher dafür, dass die Gitter bleiben“, sagt er.

Stadtteilbüro

Hier ist die Situation nicht ganz so brenzlig. Vor etwa anderthalb Jahren, erinnert sich Hoven, seien mehrere Laptops entwendet worden. Um solche Diebstähle in Zukunft zu vermeiden, will die Stadt für 10 000 Euro eine Alarmanlage installieren. Im Ausschuss gab es dafür die Priorität drei. Damit dürfte es nicht vor 2014 soweit kommen.

Dabei könnte die Stadt durch die Mehrausgaben langfristig sparen. Obendrein könnte es für den Einbau der Alarmanlagen Zuschüsse vom GVV geben. „Das wird zurzeit geprüft“, sagt Schmidt. Abgesehen davon würden ohne weitere Diebstähle Kosten und Aufwand für Wiederbeschaffung und die damit verbundenen Ausschreibungen entfallen.

Die Einbruchmeldeanlagen sollen nicht nur lautstark Alarm schlagen, sondern gleichzeitig eine Meldung an den Wachschutz absetzen. Der entscheidet vor Ort, ob er die Polizei hinzu ruft. Denn schrillende Alarmglocken allein verschrecken keine Diebe. Aber, so hofft Hoven: „Wenn man weiß, da kommt einer, ist so eine Anlage effektiv.“

Das will sich die Verwaltung pro Anlage 140 Euro pro Quartal kosten lassen – plus Einsatzkosten. Laut Hoven sollen die an Versicherungsgebühren erzielten Einsparungen größer sein als die für den Wachschutz entstehenden neuen Zahlungen.

Warum greift ein Ausschuss Mitte des Jahres 2012 Einbrüche auf, die sich teilweise schon 2010 ereignet haben? Hoven wirbt mit Hinblick auf die städtischen Doppelhaushalte um Verständnis: „Das kann man nur im Rahmen der Haushaltsplanberatungen einbringen. Dann läuft es im Zweifelsfall zwei Jahre verzögert“ – so wie jetzt.

Monique de Cleur



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