Sich Zeit nehmen für Heiligenhauser Senioren

Reinhold Keppeler von der Fachberatung Gemeindecaritas stellt die Aktion „Augenblick mal“ vor.
Reinhold Keppeler von der Fachberatung Gemeindecaritas stellt die Aktion „Augenblick mal“ vor.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Pflegekräfte haben nicht immer die Möglichkeit, sich soviel Zeit für die Patienten zu nehmen, wie sie gerne möchten. Ehrenamtler werden nun gesucht.

Heiligenhaus..  „82-jähriger, geistig aktiver Herr aus Heiligenhaus wünscht sich regelmäßige Gesprächskontakte. “ Das, was sich im ersten Moment wie eine Kontaktanzeige liest, ist auch eine – im weiteren Sinne jedenfalls. Der Caritasverband des Kreises hat eine Initiative „Augenblick mal“ ins Leben gerufen, um einsamen Patienten über die Pflege hinaus wieder Lebensqualität zu geben. Gesucht werden engagierte Freiwillige, die etwas von ihrer Zeit verschenken, um eben einen dieser kostbaren Augenblicke mit den Älteren zu teilen.

Mit Freunden spontan ein Eis essen gehen, stundenlang klönen oder die Sonne bei einem gemeinsamen Spaziergang genießen. All diese Bedürfnisse legt der Mensch nicht etwa mit dem Alter ab, sie lassen sich nur nicht mehr so leicht befriedigen. Sobald sich der Freundeskreis lichtet, ziehen sich viele Senioren immer mehr zurück. Oftmals sind die einzigen Besucher das tägliche Pflegepersonal.

Für stundenlange Gespräche fehlt den Fachkräften jedoch die Zeit. „Der Mensch steht für uns im Fokus und wir nehmen uns immer extra Zeit. Aber so lange wie es Ehrenamtler könnten, können wir das jedoch nicht“, weiß Pflegedienstleiterin Bettina Kassubek-Businski. Für den Caritasverband war deshalb klar: Die Pflege sollte nicht an dieser Stelle aufhören.

„In den Zeiten des Internets ist es deutlich einfacher geworden, individuelle Ehrenamtler zu finden“, freut sich Reinhold Keppeler, Fachberatung Gemeindecaritas. Heute können sich potenzielle Interessenten die Profile der Senioren im Internet ansehen und nach gemeinsamen Hobbies Ausschau halten. „Wir wollen in einem Gespräch mit dem Ehrenamtler klären, ob es passt. Dieses Angebot soll beide Seiten bereichern“, findet Keppeler. Wenn das der Fall ist, können sich beide Seiten bei einem ersten Treffen vorsichtig beschnuppern.

Altersgrenzen sind nicht gesetzt

Es können sich auch gern jüngere Freiwillige oder rüstige Rentner für das Ehrenamt melden. Zudem können sich die Helfer ihre Zeit nach belieben selbst einteilen. „Die Menschen verschenken ihre Zeit. Da wollen wir sie nicht eingrenzen. Ob einmal im Monat oder dreimal die Woche, das bleibt ihnen selbst überlassen“, so Kassubek-Businski. Neben Zeit brauchen die Interessenten ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis (Kosten werden erstattet) und ein offenes Ohr zum Zuhören.

Seit April gibt es nun schon die ehrenamtliche Initiative. Bisher sind im ganzen Nordkreis rund acht Freizeitfreundschaften entstanden. „Wir wollen es langsam angehen, um für jeden auch einen passenden Partner finden zu können. Keiner soll lange auf ein Pendant warten“, erklärt Keppeler. Falls sich potenzielle Freiwillige melden, für die es noch keinen passenden Senioren im Caritasverband gibt, werden sie weitergeleitet. „In der Pfarrgemeinde gibt es vielleicht jemanden, der passt. Wir sind nicht die einzige Anlaufstelle für einsame Menschen“, weiß Keppeler und hofft auf viel Resonanz.