Selbstbestimmtes Wohnen für Behinderte

Kreis Mettmann..  „Wir fühlen uns hier richtig wohl“, schwärmt der 23-jährige Dennis und lächelt seine Mitbewohner Dominik und Jürgen an. Durch große Wohnzimmerfenster hat man einen schönen Blick über Ratingen. Draußen geht die Sonne unter und in der Wohnung verbreitet sich der Duft von Kaffee und Keksen. Seit knapp zwei Jahren leben die drei Erwachsenen als Wohngemeinschaft. Die Männer-WG erfüllte sich den Wunsch nach selbstbestimmtem Leben in den „eigenen vier Wänden“ – trotz geistiger Behinderung.

Für junge Menschen ist die erste „eigene Bude“ ein wichtiger Schritt im Erwachsenwerden. Dies gilt auch für Menschen mit Behinderung. „Zum ersten Mal in der eigenen Wohnung aufzuwachen, fühlte sich gut an“, erinnert sich Dennis. So wie ihm war es auch dem 20-jährigen Dominik wichtig, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dank der Unterstützung der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle im Kreis Mettmann (KoKoBe) für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung fand sich schnell eine optimale Wohnform: eine WG mit ambulanter Betreuung. „Mit Jürgen verstand ich mich beim ersten Kennenlernen auf Anhieb. Da wusste ich: Hier möchte ich einziehen“, erzählt Dennis. Ein Jahr später machte Dominik die Männer-WG pünktlich zu seinem 18. Geburtstag komplett.

Im Zusammenleben sind einige Regeln gefragt. „Wir managen uns selbst gut“, sagt der 59-jährige Jürgen stolz. In hauswirtschaftlichen Fragen stehen ihnen Betreuer vom Wohnverbund des Kreises zur Seite. Beratung und Hilfestellung gibt auch die KoKoBe. „Mit der WG bin ich in engem Kontakt“, sagt Daniela Schlößer von der KoKoBe. „Sie bewältigen den Alltag wirklich gut.“

Zum WG-Gelingen tragen die Talente und Stärken jedes einzelnen bei: Jürgen ist handwerklich begabt, Dominik kennt sich bestens mit PC und Internet aus. Dennis überwacht die Haushaltskasse. Große Anerkennung der Nachbarn erntete Dennis, als er einen neuen Putzplan für die ganze Etage entwickelte.

Dominik und Jürgen arbeiten bei den Werkstätten des Kreises, Dennis ist fest angestellt bei einem Ratinger Unternehmen für Mess- und Regeltechnik. „Wir sind mittlerweile gute Freunde geworden“, lächelt Dennis. Der Zusammenhalt und die Gewissheit, sich aufeinander verlassen zu können seien die größten WG-Vorteile; „gemeinsam eigenständig“.