Sehen die Situation ganzheitlich

Zum Kommentar „Beschämend“ Herr Wilms versteigt sich in seinem Beitrag, das von mir benutzte Wort Durchgangslager als Nazibegriff zu bezeichnen, um mir damit Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen. Dabei bezieht er sich darauf, dass Lager in der NS-Zeit als Durchgangslager bezeichnet wurden, weil von dort Menschen in Konzentrationslager deportiert worden sind.

Ich bin in der Bundesrepublik Deutschland geboren und aufgewachsen und habe in dieser Zeit die Begriffe Durchgangslager und Auffanglager im Zusammenhang mit Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtungen (wie sie z.Z. bezeichnet werden) kennengelernt. Als Beispiel seien hier genannt: das Grenzdurchgangslager Friedland, Zentrales Flüchtlingsdurchgangslager Gießen und Flüchtlingsdurchgangslager Uelzen.

Später wurden sie dann meist in Notaufnahmelager oder Flüchtlingsheime umbenannt und sind heute eben Erstaufnahmeeinrichtungen. Immer wenn ein Begriff sich abgenutzt hat bzw. durch schlimme Ereignisse negativ besetzt ist, wird ein neuer erfunden. Dies führt dazu, dass immer mehr eindeutige Begriffe und Worte nicht mehr gebraucht werden. Ich weise die unsäglichen Vorwürfe von Herrn Wilms ausdrücklich zurück. Seine Interpretation ist nicht die meine und er sollte sich erst einmal informieren, wie viele Gedenkstätten ich auf meinen zahlreichen Reisen mit dem Fahrrad schon besucht habe, bevor er in seinem Kommentar meine Ausdrucksweise als beschämend bezeichnet. Bei seinem belehrenden und herabwürdigenden Kommentar ist es wohl mit ihm „durchgegangen“. Sachlichkeit hilft da.

Beim heutigen Verfahren des Landes NRW verbleiben Flüchtlinge nach Angaben der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg für wenige Tage in den Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) und dann für einige Wochen in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) des Landes, bevor sie den Kommunen zugewiesen werden.

Für mich ist deshalb eine hergerichtete Schule wie die Sportfeldschule, in der bis zu 200 Personen untergebracht werden, eine Station, die Flüchtlinge kurzzeitig durchlaufen, also ein Gebäude, das als Durchgang im gängigen Flüchtlingsaufnahmeverfahren dient. Durchgangslager ist für mich ein eindeutiger Begriff, den der Redakteur böswillig interpretiert hat, um in seinen weiteren Ausführungen die Grünen in Heiligenhaus und mich als Person zu diskreditieren. Obwohl wir diejenigen sind, die sich in der Vergangenheit eindeutig zum Wohle aller Flüchtlinge, egal warum sie sich zu uns geflüchtet haben, geäußert haben.

Weil wir nicht danach schauen, ob sich durch bestimmte Unterbringungsmaßnahmen Geld zu Lasten von Flüchtlingen sparen bzw. sogar verdienen lässt, sondern danach trachten, dass sie menschengerecht im Sinne unserer eigenen Standards untergebracht werden. Wir betrachten die Situation ganzheitlich.

Was bedeutet, dass die Akzeptanz im Umfeld von Flüchtlingen im Rahmen einer Willkommenskultur aufrecht erhalten werden muss und nicht durch die massive Zentralisierung von Unterkünften an einem bestimmten Ort gefährdet wird. Dazu gehört auch, dass die Verantwortlichen in der Stadtspitze frühzeitig kommunizieren, was sie planen und nicht Kommunalpolitiker und betroffene Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellt.