Schmetterlinge im Winter

Der Zitronenfalter lässt sich eine Menge einfallen, um im Winter überleben zu können.
Der Zitronenfalter lässt sich eine Menge einfallen, um im Winter überleben zu können.
Foto: Frank Laumer
Was wir bereits wissen
Ein wahrer Überlebenskünstler kann der Zitronenfalter sein. Aber wer genau hunguckt, kann ihn auch im Winter entdecken.

Heiligenhaus.. Gibt es Schmetterlinge nur im Sommer? Nein, auch im Winter, wenn es schneit! Diesen Falter mitten im Winter dürften wohl die wenigsten bisher gesehen haben, und doch gehört es zum normalen Verhalten des Zitronenfalters. Dem gezielt suchenden Naturbeobachter schaffen solche Momente ein besonderes Erlebnis. Um die winterliche Jahreszeit bei uns zu überleben, müssen Tiere verschiedene Strategien entwickeln.

Im Gegensatz zu warmblütigen Säugetieren und Vögeln, die sich äußerlich durch Fell und Federn gegen Kälte schützen können, vermindern Insekten ihre Temperatur und passen sich schon insofern der Außenwelt an. Man spricht von wechselwarmen Tieren. Flüssige Nahrung in Form von Nektar finden die Falter jetzt ja nicht. Sie können in wärmere Gegenden als Wanderfalter ziehen oder aber sich in Scheunen, Dachböden, Höhlen oder anderen sicheren Verstecken zurückziehen. Viele jedoch überwintern als Ei oder Raupe im Schutz von Baumritzen, an Sträuchern oder im Unterholz. Während die meisten Falter nur wenige Wochen leben, ist der Zitronenfalter der Falter mit der längsten Lebenserwartung bei uns. Zehn Monate sind für ihn normal.

Die Beobachtungsdaten zeigen zwar, dass er im Niederbergischen Land in den letzten zehn Jahren noch häufig in allen Gebieten anzutreffen ist. Jedoch sind Feld- und Wirtschaftsmaßnahmen, die artenreiche Hecken zur besseren landwirtschaftlichen Nutzung verschwinden lassen, nicht förderlich, da sie seine Lebensräume vermindern. Wie schafft er es aber, die bei uns oft unwirtlichen Temperaturen zu überstehen? Zunächst einmal sucht er geschützte Stellen an Waldrändern auf. Mit gefalteten Flügeln setzt bzw. hängt er sich bevorzugt an Zweige von meist immergrünen Pflanzen wie Stechpalmen(Ilex) oder Efeu in Bodennähe und verharrt dort in einer Winterstarre. Er vermindert seine eigene Körperflüssigkeit, denn diese könnte ja gefrieren und damit das Zellgewebe zerstören, was den sicheren Tod bedeuten würde. Zusätzlich erzeugt er mit dem Rest aus einer Mischung von Glycerin, Salzen und Eiweißen eine Art Frostschutz, die zusätzlich ein Einfrieren des Körpers verhindert und das Überleben bei Temperaturen von weit unter -10° C problemlos ermöglicht. Alle Körperfunktionen, wie zum Beispiel die Atmung, werden auf ein absolutes Minimum zurückgefahren.

Sobald im Frühjahr dann die ersten Sonnenstrahlen für Wärme sorgen, ist der Zitronenfalter einer der ersten Frühlingsboten, der sie sich zunutze macht und unstet herumfliegt. Nach der Paarung sucht er Knospen an einem Faulbaum oder Kreuzdorn auf und legt dort seine Eier einzeln ab. So erhalten die Raupen, die wunderbar getarnt sind, im Mai ihre erste Nahrung von den neu sprießenden Blättern. Schon nach mehreren Wochen entsteht dann ab Juni eine neue Generation von Zitronenfaltern.