Rüstzeug für Angehörige von Demenzkranken in Heiligenhaus
14.02.2012 | 17:55 Uhr 2012-02-14T17:55:00+0100
Heiligenhaus. Die VHS möchte bei der Betreuung von Demenzkranken Hilfestellung geben. Im Fokus stehen pflegende Angehörige.
Schalke-Legende Rudi Assauer hat seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht, doch die meisten Betroffenen scheuen sich vor einem solchen Schritt – und geraten mehr und mehr in die Isolation. Pflegende Angehörige dort wieder herauszuholen und ihnen Rüstzeug zur Bewältigung ihrer schwierigen Aufgabe an die Hand zu geben, ist das Ziel des neuen VHS-Qualifizierungskurses zur Betreuung von Menschen mit Demenzerkrankungen, der in Zusammenarbeit mit dem Demenznetz Heiligenhaus am 29. Februar startet.
„Es ist beunruhigend, dass wir zwar immer älter werden, aber gleichzeitig zunehmend von Demenzerkrankungen betroffen sind“, sagt VHS-Leiter Rüdiger Henseling. Jörg Saborni, Leiter des Fachbereichs Soziales der Stadt, nennt Zahlen für Heiligenhaus: „450 Personen über 65 Jahren leiden hier an Demenz. Eine imposante Zahl – und umso froher bin ich, dass es diesen Kurs gibt.“ Kreisweit sind es rund 7000 Menschen, die an Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen leiden. „In Zeiten mangelnder Gelder sind bei deren Betreuung vor allem Angehörige und Ehrenamtliche gefragt“, ergänzt Henseling. Eine 24-Stunden-Aufgabe: „Das kann diese Menschen schnell an ihre Grenzen bringen.“
Qualifizierungskurs umfasst 31 Unterrichtsstunden
Angehörige und Ehrenamtliche sind Zielgruppen des Qualifizierungskurses, der neun Veranstaltungen und insgesamt 31 Unterrichtsstunden umfasst. Die Teilnehmer haben dabei die Möglichkeit, sich umfassend über die Demenz-Erkrankung zu informieren und die Betreuung zu erlernen. Im Vordergrund steht der Umgang mit herausforderndem Verhalten und der situativen Reaktion.
„Wir fühlen uns als Weiterbildungseinrichtung verpflichtet und legen Wert darauf, dass die Kurse vor Ort stattfinden“, betont Rolf Lenicker, Leiter des VHS-Fachbereichs Gesundheit. „Alle Referenten machen das mit sehr viel Engagement, teilweise auch mit einem Schuss an Betroffenheit.“
Eine von ihnen ist Kursbegleiterin Jutta Stürck. Die Krankenschwester hat einen Demenzfall in der eigenen Familie, war vor drei Jahren selbst Teilnehmerin des Qualifizierungskurses. „Der Kurs hat mir sehr geholfen“, erklärt die Frau, die seitdem in den Kursen die Brücke zwischen Teilnehmern und Referenten schlägt. „Und am Ende stellt man immer wieder fest, dass sich die Teilnehmer auch anschließend gerne weitertreffen wollen.“
Abschied und Trauer sind auch ein Thema
Auch Rolf Lenicker hat festgestellt, dass „die Leute sehr viel Kraft aus dem Kurs holen“. Kein Wunder: Neben Grundkenntnissen über Krankheitsbilder, Diagnose und Behandlung, Umgang und Kommunikation und Betreuungsrecht geht es in en Kurs auch um Abschied und Trauer sowie das Erkennen eigener Grenzen.
Die Notwendigkeit des Seminars steht für Jörg Saborni außer Frage: „Wir haben hier in Heiligenhaus alle vierzehn Tage Demenz-Sprechzeit, aber die Leute kommen auch außerhalb – immer dann, wenn die Not am größten ist, wenn alles um sie zusammenbricht.“ Und es werden immer mehr. Saborni: „Wir gehen von 120 Neuerkrankungen in Heiligenhaus pro Jahr aus. Das heißt: Wir schulen immer wieder neue Angehörige.“
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