Plötzlich Fußgängerzone

Kinderärztin Dr. Heidemarie Pankow-Culot muss nun dafür zahlen, dass sie ab und zu mal vor ihrer Praxis halten will.
Kinderärztin Dr. Heidemarie Pankow-Culot muss nun dafür zahlen, dass sie ab und zu mal vor ihrer Praxis halten will.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Möchte die Heiligenhauser Kinderärztin Dr. Heidemarie Pankow-Culot zum Be- oder Entladen vor ihre Praxis fahren, muss sie nun 100 Euro Nutzungsgebühr zahlen.

Dr. Heidemarie Pankow-Culot traut ihren Ohren nicht: Möchte sie eine Nutzungsgebühr beantragen, um mit dem Auto wenn nötig mal kurz vor ihrer Praxis zu halten, kostet sie das nun 100 Euro jährlich, hört sie von der Stadtverwaltung. Denn nach dem Umbau der Innenstadt liegt ihr Praxiseingang nun mit der Hefelmanngasse in einer Fußgängerzone.

„Es kommt mir nicht auf die 100 Euro an, sondern es geht mir ums Prinzip“, berichtet die Kinderärztin. Schon seit 1999 hat sie ihre große Praxis im Rathauscenter, liebevoll eingerichtet mit Kuschelbereich für Patienten, die liegen müssen und farblich gestalteten Behandlungszimmern. „Ich habe hier viel Arbeit investiert, denn eigentlich bin ich ja gerne hier, ich habe tolle Patienten. Aber von der Stadt bin ich schon enttäuscht.“

Denn nicht gerade einfache Jahre liegen hinter ihr. Als sie 1999 einzog, da war vor dem Praxiseingang eine Einbahnstraße. „Eine hochschwangere Mutter konnte dann schon mal direkt vor der Tür herausgelassen werden. Patienten konnten kurz anhalten, wenn sie ein krankes Kind tragen mussten. Doch dann kam der Umbau des Basildonplatzes und nichts ging mehr“, berichtet die Kinderärztin. Eltern beklagen nun den für sie oftmals mühevolleren Weg vom Basildonplatz hoch zur Praxis. Pankow-Culot: „Das scheint ein kurzer Weg zu sein – aber nicht, wenn man voll beladen ist und noch ein krankes Kind tragen muss.“

Selber nutzt sie das Vorfahren nur selten, aber eben dann, wenn es nötig ist: „Wenn mal eine große Anschaffung ansteht oder ich Notdienst und dementsprechend viel zu tragen habe“, berichtet Dr. Pankow-Culot. „Dafür habe ich ja auch die letzten zwei Jahre die Genehmigung kostenfrei erhalten.“

Dass das so war, berichtet Michael Krahl vom Fachbereich Straßenbau der Stadt Heiligenhaus, war dem Umbau geschuldet. „Wir haben ja früher eine Durchfahrtsstraße an der Stelle gehabt, nun ist die Hefelmanngasse aber eine Fußgängerzone. Anlieger, die einen besonderen Grund vorweisen können, erhalten auch eine Nutzungserlaubnis, aber die kostet nun einmal 100 Euro jährlich. Das sind keine 8,50 im Monat, ich denke, dass ist zu vertreten“, erklärt Krahl.

„Es ist im Sinne der Fußgänger, dass wir das auch nicht aufweichen“, führt Krahl weiter aus. Die Sondernutzung und dementsprechend auch die Gebühren müsse auch beispielsweise die Post bezahlen und andere Anwohner und Unternehmer, die diese hier haben. Das Problem, das Patienten nicht mehr bis vor die Tür gefahren werden können, sieht er hier nicht. Krahl weiter: „Wir haben bislang aus Kulanz die Sondernutzung nicht in Rechnung gestellt, aber diese ist eben laut Vorgabe kostenpflichtig.“

Doch die Patienten von Dr. Heidemarie Pankow-Culot sehen das anders und haben deswegen eine Online-Petition gestartet. Mehrere 100 Heiligenhauser haben sich hier im Internet schon dafür eingesetzt, dass die Kinderärztin eine kostenlose Sondernutzung erhält. Für Dr. Pankow-Culot bleibt ein fader Nachgeschmack nach dem ganzen Innenstadtumbau: „Die Situation für mich hat sich dadurch nicht verbessert. Und meine Beziehung zur Stadt ist mittlerweile leider eher kritisch.“