Plädoyer für Menschlichkeit

Gute Stimmung im Lesecafé der Stadtbücherei: Adnan Maral plauderte über Persönliches und Politisches.
Gute Stimmung im Lesecafé der Stadtbücherei: Adnan Maral plauderte über Persönliches und Politisches.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim zweiten Anlauf klappte es: Adnan Maral stellte sein Buch „Mein Deutschland heißt Almanya“ in der Heiligenhauser Stadtbücherei vor. Guter Draht zum Publikum.

Heiligenhaus..  Fangen wir mal am Ende an: Da standen die Besucher der Lesung von Adnan Maral um selbigen herum, um Selfies mit dem Autor und Schauspieler zu schießen. Zückten die Smartphones und machten ein Bild, noch eins, und dann zur Sicherheit noch eins. Nahmen Autogrammkarten mit nach Hause, ließen sich Bücher signieren. Und alle Beteiligten sahen sichtlich zufrieden aus.

Denn: Gut Ding will Weile haben. Die ursprünglich geplante Lesung vor einem Monat war aufgrund des Bahnstreiks und der damit verbundenen Anreiseprobleme von Maral wie berichtet ausgefallen. Was der augenzwinkernd noch einmal aufgriff: „Das war ja ein Drama auf den Straßen. Zwischendurch hatte ich eine Standleitung in die Bücherei und hab’ Sie im Hintergrund gehört. Das klang nach guter Stimmung und ich dachte, Mensch, da entgeht mir ein toller Abend.“

Auf Lese-Passagen folgten Anekdoten

Eine Besucherin freute sich sogar über die Verlegung – vor vier Wochen war sie verhindert, nun kam sie doch noch in den Genuss der Lesung. Die Stimmung war von Beginn an gut, Adnan Maral schaffte sich scherzend und mit direkter Ansprache einen guten Draht zum Publikum.

Gelesen hatte sein Buch „Mein Deutschland heißt Almanya“ zwar noch niemand, aber die allermeisten zumeist weiblichen Besucher kannten die Fernsehserie „Türkisch für Anfänger“. Stures Vorlesen gab es nicht, auf Passagen aus dem Buch folgten Anekdoten: „Ich war mir vor etlichen Jahren nicht sicher, ob ich von Frankfurt nach Berlin ziehen sollte. Ist ja schon ein Stück. Da hab’ ich meinen Vater gefragt. Und der hat gesagt ‘Mensch Junge, ich bin von Ostanatolien nach Deutschland gezogen!’. Da hab’ ich’s gemacht.“

Und dann auch wieder Gedanken zur politischen Diskussion um Integration oder die doppelte Staatsbürgerschaft. Der deutsche Pass fehlt Maral nach wie vor, denn „dafür den türkischen hergeben möchte ich nicht. Schade, dass es nicht möglich ist, beide parallel zu besitzen.“ Dann gab es wieder Lustiges zu hören: von seiner ersten Türkei-Reise mit Frank-Walter Steinmeier im Flugzeug ohne DVD-Player, von den Erlebnissen beim türkischen Militär („Ich hatte Muskelkater. Aber nicht die Beine taten mir weh, sondern die Lachmuskeln“ und „Das Schönste war das Bäumepflanzen“) und der Fahrt im Reisebus zu Abitur-Zeiten, bei der die Fahrgäste irgendwann sogar beim Anschieben helfen durften bzw. mussten.

Charmant, unterhaltsam, so gab er sich bei seinem Besuch in der Stadtbücherei – Adnan Maral ist der Typ, den man ohne Zögern zur nächsten heimischen Grillparty einladen würde. Und der es auf humorige Weise schafft, ein Plädoyer für das zu halten, was ihm wichtig erscheint: für Menschlichkeit und einen offenen Umgang mit allen Mitmenschen egal welcher Herkunft.