Pistolen und Munition im Haus

Das Justizzentrum Eiland: Bis weit in den Sommer wird hier gegen den 51-jährigen Heiligenhauser verhandelt.Foto:H.-W. RIECK
Das Justizzentrum Eiland: Bis weit in den Sommer wird hier gegen den 51-jährigen Heiligenhauser verhandelt.Foto:H.-W. RIECK
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Was wir bereits wissen
Ein 51-jähriger Heiligenhäuser soll seine Stieftochter über Jahre missbraucht haben. Nun gibt’s auch Ärger um seine Waffensammlung.

Wuppertal / Heiligenhaus / Velbert..  Eigentlich sollten die Vorwürfe inzwischen aufgeklärt sein, jetzt aber geht ein seit zwei Wochen laufender Strafprozess gegen einen 51-jährigen Heiligenhauser wegen schweren Missbrauchs an seiner Stieftochter massiv in die Verlängerung. Das Landgericht Wuppertal lädt weitere Zeugen, die zum Hintergrund der mutmaßlichen Taten Angaben machen sollen.

Laut Anklage soll der Mann sich über Jahre an der heute 22-Jährigen vergangen haben, seitdem sie zehn Jahre alt war. Mutmaßlicher Tatort war eine Wohnung in Velbert-Birth; dann, nach einem Umzug, Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer an einer gemeinsamen Adresse der Familie in Velbert-Mitte. Die Staatsanwaltschaft hat aus dem Geschehen acht Ereignisse als wohl nachweisbar herausgegriffen. Darunter sind drei Fälle mit mindestens beischlafähnlichen Handlungen, bei denen die Mindeststrafe jeweils zwei Jahre Gefängnis beträgt.

Mutter hatte wohl nichts geahnt

Laut Angeklagtem sind die Vorwürfe sämtlich falsch und nur Folge eines angeblichen „Rosenkriegs“ mit seiner Ex-Freundin. Das Paar hatte sich den Aussagen zufolge um den Jahreswechsel 2012/13 endgültig getrennt.

Als besonders heikel für den Angeklagten, einen Jäger, dürfte sich herausstellen, dass es dabei auch um seine Waffensammlung ging. Seine frühere Freundin hatte die Polizei auf Pistolen, Gewehre und Munition im Haus hingewiesen; die Kreisverwaltung schritt daraufhin innerhalb von wenigen Stunden ein. Ein Beamter erklärte in dieser Woche den Richtern: „Nach unserer Information war der Angeklagte ausgezogen und hatte die Waffen zurückgelassen.“ Das wäre womöglich ein Verstoß gegen das Waffengesetz, ebenso wie der Besitz eines unregistrierten Revolvers, der bei dem Ortstermin der Experten festgestellt wurde. Der Angeklagte allerdings erklärt, er sei zu diesem Zeitpunkt lediglich auf Montage im Ausland gewesen.

Die Waffensammlung liegt auf Eis, weil die Missbrauchsvorwürfe gegen den 51-Jährigen bestehen.

Was die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe angeht, so ist inzwischen klar, dass die Mutter des Opfers davon wohl nichts mitbekommen hat: Die Taten sollen sich ereignet haben, während sie jeweils arbeiten war oder schlief. Nur einmal soll es ein kurzes „Was macht Ihr denn da?“ gegeben haben, als der Mann und das Mädchen im Familienkreis auf dem Sofa kuschelten, eine Decke über beide gebreitet war und Bewegungen darunter zu sehen gewesen sein sollen.

Gefolgt war aus dieser Bemerkung zunächst nichts. Laut der ermittelnden Polizistin hatte sich die junge Frau erst nach der Trennung der Erwachsenen ihrer Mutter anvertraut: „Mama, setz Dich, ich muss Dir was sagen. Der Papa hat mich angefasst.“ Vorher habe sie sich nicht getraut, etwas zu sagen. Sie sei davon ausgegangen, dass ihre Mutter den Angeklagten liebte. Der Prozess wird fortgesetzt.