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Betrugs-Versuch

Pfänden darf nur der Gerichtsvollzieher

21.01.2015 | 20:00 Uhr
Pfänden darf nur der Gerichtsvollzieher
Schön vorsichtig: Geldübergaben sollte man nicht an der Haustür zustimmen und lieber die Türkette vorlassen – wie in dieser gestellten Szene. Außerdem zeigen echte Gerichtsvollzieher stets ihren Dienstausweis.Foto: Knut Vahlensieck

Heiligenhaus.   Anrufer kündigt bei Seniorin telefonisch eine „Pfändung“ über 243 Euro an. Im Polizeipräsidium ist von einer neuen Betrugs-Masche nichts bekannt.

Eine neue Betrugs-Masche? Die Pressesprecherin der Polizei zeigt sich ebenso überrascht vom Vorgehen wie die Heiligenhauser Bürgerin, der am Telefon eine Pfändung über 243 Euro angekündigt wurde.

„Der Enkeltrick ist ja bekannt“, sagt Claudia Partha im Polizeipräsidium Mettmann „und davor warnen wir ja auch immer wieder“. Ein vermeintlicher Verwandter aus der Ferne war’s aber nicht, der überraschend in der Vorwoche bei Rita W. in Heiligenhaus anrief.

„Der Anrufer hat sich ganz zivil mit Bäcker gemeldet“, berichtet die Seniorin. „Eine angenehme Stimme“ hat sie in Erinnerung. Erst kam der tröstlich klingende Satz: „Sie hatten ja noch nie eine Pfändung.“ Um dann eine Pfändung über 243 Euro anzukündigen. Rita W. widersprach mehrmals entschieden: Sie habe keine Schulden und werde an der Tür kein Geld aushändigen. Der Anrufer drang bei ihr nicht durch. „Ich habe dann direkt die Polizei angerufen.“ Der vermeintliche Herr Bäcker meldete sich nicht wieder.

Gerichtsvollzieher
Beamte mit Büro und Angestellten

Namentlich genannt sind die niederbergischen Gerichtsvollzieher im Internetportal www.ag-velbert.nrw.de des Amtsgerichts. Außerdem gibt’s dort einen Link zum Justizportal des Landes – für alle, die sich genau über Verfahren der Pfändung und Zwangsvollstreckung informieren wollen.

Gerichtsvollzieher sind Beamte im mittleren Justizvollzugsdienst. Ihnen steht ein Teil der eingenommenen Gebühren sowohl als Vergütung zu – als auch für den Unterhalt eines Geschäftszimmers und die Bezahlung eigener Angestellter.

Innenpolitiker diskutieren, Gerichtsvollzieher in Zukunft nicht mehr als Beamte, sondern als „staatlich Beliehene“ wirken zu lassen – ähnlich der Stellung, die Notare schon heute in der Rechtspflege einnehmen. Man könnte so an Beamtenbesoldung und Pensionen sparen.

Rita W. hatte zwar bei der Polizei um Rat gefragt – aber keine Anzeige erstattet. „Irritierend“ nennt Polizeisprecherin Claudia Partha „die relativ geringe Summe“, um die es dem Anrufer gegangen sei. Ältere Menschen bewahren oft – gegen den Rat der Polizei – weit höhere Bargeld-Beträge im Haus auf. Betrügerische Anrufer „pokern“ also nach Erfahrung der Beamten meist um vier- oder sogar fünfstellige Beträge. Fazit einer kurzen Nachfrage der Polizeisprecherin bei Kollegen: Die Vorgehensweise als falscher Gerichtsvollzieher sei „ungewöhnlich“. Davon hatten die Beamten noch nicht gehört.

Tatsächlich sind für Heiligenhaus zwei Gerichtsvollzieherinnen zuständig – jedenfalls kein „Herr Bäcker“. Und nur Gerichtsvollzieher dürfen Pfändungen vornehmen. Zwar gibt es seit 2013, gesetzlich geregelt, eine neue Verfahrensordnung für die Gerichtsvollzieher, erläutert Wolf-Dieter Herrmann, der Dienstälteste unter seinen Standeskollegen in der Zuständigkeit des Velberter Amtsgerichts. Doch ein Vorgehen wie bei der Heiligenhauser Bürgerin? „Das können wir niemals gewesen sein“, betont Herrmann.

Wenn nämlich eine Pfändung ansteht, kündigt sich der Gerichtsvollzieher nicht vorher an. Sollte er vergeblich klingeln, hinterlässt er eine Benachrichtigung im Briefkasten des Schuldners, sich zu melden. Nur wenn auch dies erfolglos bleibt, folgt ein Brief „mit Terminsetzung“, wie Wolf-Dieter Herrmann erläutert. Außerdem habe jeder Gerichtsvollzieher einen Dienstausweis. „Und den müssen wir vorzeigen.“

Ralph Wilms

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2015-01-21 20:00
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