Per Pedelec durch den Nonnenbruch

Wenn 200 Kilo ins Rutschen kommen ist ein Sturz vorprogrammiert. Auch Postbotin Inge Klockow lag schon unter dem E-Bike. Ernsthaft verletzt war sie dank Helm nie.
Wenn 200 Kilo ins Rutschen kommen ist ein Sturz vorprogrammiert. Auch Postbotin Inge Klockow lag schon unter dem E-Bike. Ernsthaft verletzt war sie dank Helm nie.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Knapp zehn Kilometer radelt Inge Klockow als Postbotin durch den Nonnenbruch. 50 Kilo Post kann das E-Bike laden.

Heiligenhaus.. Surrend rollt das E-Bike von Inge Klockow um die Kurve. Knapp zehn Kilometer hat sie heute schon auf dem motorisierten Drahtesel hinter sich gebracht – einmal quer durch den Nonnenbruch. „Bei den Bergen ist das E-Bike schon eine Erleichterung“, findet Klockow und stellt ihr Arbeitsrad am Straßenrand ab. Mit Muskelschmalz sorgt sie täglich dafür, dass die Nonnenbrucher Briefkästen was zu futtern kriegen.

Allein das Tragen der beiden Akkus gleicht schon einem leichten Hanteltraining im Fitness-Studio. Jeden Morgen nimmt Inge Klockow sie aus der Ladestation und haucht ihrem E-Bike Leben ein. Dann wird das gute Stück beladen. „Jedes Pedelec hat einen verstärkten Rahmen und kann 50 Kilo Post transportieren“, weiß Britta Töllner, Pressesprecherin Deutsche Post DHL Group. Dazu kommt noch die zierliche Postbotin und das Eigengewicht von Rad und Akkus. „Da ist man schnell bei 200 Kilo“, überschlägt Inge Klockow. Sie ist eine von drei E-Bike Zustellern in Heiligenhaus. Ohne den Elektromotor würde sie bei diesem Gewicht wohl schon nach der ersten Bergeshöhe schlapp machen.

Sind die Kisten nach ein paar Straßenzügen leer, heißt es Nachschub holen. Die grauen Kästen am Straßenrand dienen oftmals nämlich nicht der Heiligenhauser Stromversorgung, sondern schützen Briefe und Päckchen vor Wind und Wetter. Zwischen sieben und acht dieser Ablagekästen säumen Klockows Weg von der Dresdener bis zur Ratinger Straße.

Auch privat passionierte Radlerin

Nach über fünf Stunden im Sattel endet ihre Tour heute an der Bergischen Straße. Feierabend. Jedenfalls für das knallgelbe E-Bike. Inge Klockows Oberschenkelmuskeln können noch lange nicht verschnaufen. Denn: „Ich fahre auch privat liebend gerne Rad und werde damit gleich den Heimweg antreten.“ Einen Motor hat ihr privates Velo allerdings nicht. Und das macht sich schnell bemerkbar. „Wenn ich nach einem Arbeitstag umsteige, fühlt es sich so an, als könnte ich mit meinem Rad nicht mehr fahren. So ein E-Bike ist schon was Feines“, findet die Postzustellerin. Missen möchte sie das Pedelec nicht mehr, immerhin radelt sie damit schon seit 15 Jahren durchs Stadtgebiet.

Arbeitserleichterung im Bergischen

Eine Schwäche haben die motorisierten Räder jedoch – sie sind sehr kälteanfällig. Bei winterlichen Temperaturen streiken schon mal die Akkus. Für Inge Klockow heißt es dann schieben. Ein Gashebel am Lenker sorgt in dem Fall dafür, dass sie auch zu Fuß bequem mit dem Rad voran kommt, ohne in die Pedale treten zu müssen.

Bevor die Post im Jahre 2000 auf Pedelecs umstellte, durften die Zusteller Probe fahren. „Das Fahrverhalten bei Schnee sollte eigentlich in Bayern getestet werden, doch da hatte es nicht geschneit. Deshalb haben wir die Räder mit in die Neusser Skihalle genommen“, erklärt Britta Töllner. Wenn die Stahlrösser derart pistentauglich sind, dürfte auch ein verschneiter Nonnenbruch also kein Problem sein.