Panoramaradweg in Heiligenhaus als Langlauf-Loipe
06.01.2012 | 13:55 Uhr 2012-01-06T13:55:00+0100
Heiligenhaus. Der Bahndamm könnte noch diesen Winter zur Langlauf-Loipe werden. Die Stadt will bei Schnee schnell reagieren: Zwei Spuren soll es geben für Skiverkehr in beide Richtungen. Auch der Kreis und die übrigen Kommunen haben Pläne in der Schublade.
Skibrille statt Fahrradhelm könnten auf dem Panoramaradweg bald zur Grundausstattung gehören. Sobald die Wolken ihre Ladung nicht mehr in flüssiger, sondern in kristalliner Form über Heiligenhaus entladen – sprich: als Schnee – könnte die ehemalige Bahntrasse zur Langlauf -Loipe umgewandelt werden. So stellt es sich jedenfalls Bürgermeister Dr. Jan Heinisch vor.
Zwei Spuren soll es geben für Skiverkehr in beide Richtungen. Dafür bedürfte es noch nicht einmal eines derart harschen Winters wie des letztjährigen. „15 Zentimeter Schnee würden wir brauchen“, schätzt Heinisch. Sowie ein Loipenspurgerät, das die Fahrrillen in den Schnee fräst. Nach dem Preis hat er sich schon erkundigt. Mit 10 000 Euro sei das aber für die Stadt „zu teuer“.
Trotzdem wird das Vorhaben nicht auf Eis gelegt. „Mit mehreren Kommunen zusammen“, so die Überlegung des Bürgermeisters, könnte man diese Summe stemmen. „Wir wollen das schon angehen“, betont er und schwärmt: „Das wäre eine Attraktion.“
Kostenloses Vergnügen
Eine Attraktion, die noch diesen Winter für Aufsehen sorgen könnte: „Nicht ausgeschlossen“ sei es, dass die ersten Langläufer noch 2012 über die Panoramaloipe fahren – übrigens kostenlos. Dieses Vergnügen würde sich auch Heinisch nicht nehmen lassen, der selbst Langlauf-Skier besitzt. In der Loipe, vermutet er, wäre er einer von ebenso vielen Skifahrern, wie sich in den wärmeren Monaten Radfahrer auf dem Bahndamm tummeln. Konkrete Vorbereitungen hat die Stadt allerdings noch nicht getroffen; damit will sie Flocken und Wetterprognosen abwarten.
Weiter sind die Planungen in Velbert gediehen: „Die Sache wäre startbereit, wenn denn der Schnee käme“, sagt Gisbert Böker von den dortigen Technischen Betrieben. Für den Schnee-Fall hat sich die Stadt bereits beim Kommunalen Schadensausgleich, bei dem die Städte versichert sind, erkundigt, ob sie den Panoramaradweg zur Langlaufloipe zweckentfremden darf. Der habe „schriftlich versichert, dass keine Räumpflicht besteht“ – damit ist die rechtliche Hürde überwunden.
Fehlt nur noch Schnee und die Aussicht, dass die weiße Pracht nicht binnen kürzester Frist wieder wegtaut. Denn der Aufwand für die Verwandlung vom Radweg zur Loipe sei „nicht unbeträchtlich“, gibt Böker zu bedenken. Damit die Ski nicht einfach in den Flocken versacken, muss der Schnee verdichtet werden; entweder mittels eines Spurgerätes gezielt in den so entstehenden Loipen oder auf der gesamten Fläche. Letztere Variante würde aber nicht den normalen Langlauf ermöglichen, sondern nur die sogenannte Skatertechnik.
Kommunen könnten kooperieren
So konkret sind die Ski-Ideen der übrigen am Panoramaradweg beteiligten Kommunen noch nicht. Aus dem Essener Presseamt heißt es kurz und bündig: „Wir prüfen das“, in Wülfrath ist die Option Langlauf immerhin „schon öfter diskutiert worden“, so Anja Haas, Koordinatorin des Wülfrather Stadtmarketings. Immerhin findet sie, der Radweg sei wegen seiner Breite „gut geeignet“ für eine Verwendung als Loipe. Allerdings schließt Haas aus, dass die Stadt sich den Ski-Spaß ein Loipengerät kosten lassen würde. „Wir würden keins kaufen, sondern uns mit den anderen Städten zusammen setzen.“ Gemeinsam würden die Kosten pro Stadt sinken, so dass der einzelne Haushalt nicht zu stark belastet würde.
Auch Dr. Jürgen Simon vom Amt für Wirtschaftsförderung in Haan hält eine Kooperation der betroffenen Kommunen für sinnvoll, und zwar unter Federführung des Kreises Mettmann. „Es ergibt keinen Sinn, dass jede Stadt einzeln ihre zehn Kilometer Panoramaradweg bewirbt“, unterstreicht er. „Es wäre Aufgabe des Kreises, das zu koordinieren.“
Kreis wird sich an den Kosten beteiligen
Genau das wird dort derzeit geplant, verrät Kreissprecherin Daniela Hitzemann. Noch im Januar solle es auf Einladung des Kreises ein Gespräch zwischen Mettmann und den beteiligten Kommunen geben. „Dann wird man sich aufstellen und einigen müssen.“ Bei dieser Einigung dürfte es hauptsächlich um die Verteilung der anstehenden Kosten gehen: Wer soll das Spurengerät bezahlen? Hitzemann verweist zunächst auf die Städte, sagt aber zu: „Der Kreis wird sich auch einbringen.“ Im Übrigen gebe es ja auch gebrauchte Geräte, und: „Selbst die Düsseldorfer lassen sich ihre Loipe von der Skihalle Neuss ziehen.“
Bis die Landschaft unter einer weißen Decke liegt, hätte die Kreissprecherin gerne Konkreteres zu verkünden: „Es wäre schön, wenn man vorbereitet wäre, wenn der Schnee kommt.“
17:22
Was soll die Loipe kosten? Ca. 10.000 €? Wie oft sollte diese denn bei den hiesigen Schneeverhältnissen gezogen werden? Immer nach erneutem Schneefall, wenn der alte Schnee abgetaut oder die gezogene Loipe zugeschneit ist? Und wie viele Nutzer wird es denn geben? 100 -200 Langläufer? Das wären pro Läufer mal eben 50 bis 100 € aus Steuergeldern. Lasst den Quatsch: Wenn die Langläufer laufen wollen, dann können die das ja wie früher machen und ihre Loipe selber ziehen. Das geht immer kostenlos, ist gut für die Gesundheit, und immer passend, wenn Schnee genug da ist.
Im Übrigen plädiere ich für eine Namensänderung in "Panoramaweg", um deutlich zu machen, dass dieser Weg nicht nur von Radfahrern genutzt wird.
19:58
ADFC fordert Winterdienst statt Wintersport auf dem Panoramaradweg
Radwege werden oft als letztes geräumt, obwohl Städte und Gemeinden nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs dazu verpflichtet sind, "verkehrswichtige" innerörtliche Radwege zu räumen und zu streuen. Die Wichtigkeit für den innerörtlichen Radverkehr ist beim PanoramaRadweg Niederbergbahn (PRN) für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) eindeutig gegeben und er fordert, die im Winterdienst zu betreuenden Radwege nach Dringlichkeitsstufen einzuteilen. Priorität hat für den ADFC die möglichst restlose Entfernung des Schnees von den Radwegen oder den vom Radverkehr genutzten Straßen. Radwege dürfen vor allem nicht zur Ablagerung des Schnees missbraucht werden, so wie es vielerorts leider übliche Praxis ist.
Zur Erinnerung: Der PRN ist mit Mitteln des Landes NRW aus dem Alleenradwegprogramm finanziert. Die Idee ist, etwa 600 Kilometer des hoch verdichteten Streckennetzes des Landes, die nicht mehr für den Schienenverkehr genutzt werden und überwiegend der Natur überlassen sind, für den Radverkehr frei zugeben. Die BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW (BEG) hat einen Weg entwickelt, um einem großen Teil davon systematisch neues Leben einzuhauchen. Ziel ist es, die Bahntrassen wieder befahrbar zu machen: mit dem Rad.
Radwege auf ehemaligen Bahntrassen können eine sichere Alternative zu stark befahrenen Straßen sein, Schulwege verbessern, Stadtteile aufwerten und verbinden, den Tourismus zu fördern und das vorhandene Radwegenetz hochwertig zu verdichten. Es gibt keine Störungen durch motorisierte Nutzer, keine Ein- und Ausfahrten, keinen Wirtschaftsverkehr, selten höhengleiche Kreuzungen, wenig Verkehrslärm und kaum Steigungen. Bisher nicht zugängliche Landschaftsräume werden für alle Generationen zu einem Erlebnisangebot.
Mit diesen Argumenten forderte der Landtag die Landesregierung im Oktober 2007 auf, ein konkretes Handlungs- und Maßnahmenkonzept vorzulegen. Bereits im Juni 2008 stellte das Ministerium für Bauen und Verkehr der Öffentlichkeit das Handlungsprogramm „Alleenradwege auf stillgelegten Bahnstrecken“ vor, mit einheitlichen Entwicklungsstandards für alle Strecken.
Der PRN ist das beste Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung des Programms zur Förderung des Radverkehrs und dies gilt nicht nur für den Sommer, sondern für das ganze Jahr. Bürgermeister Dr. Heinisch und die Ratsfraktionen von CDU, FDP und SPD haben beschlossen, diesen für den Radverkehr wichtigen Winterdienst gesetzeswidrig nicht durchzuführen und führen dafür Kostengründe an. Gleichzeitig überlegen sie als Kommune im Konsolidisierungshaushalt Finanzmittel einzusetzen, um einen mit Steuermitteln erstellten Radweg in eine Loipe umzufunktionieren. Vielleicht sollten sie dann gleich die Fördermittel an das Land zurück überweisen, weil sie den damit gebauten Radweg nicht nur zweckentfremden, sondern absichtlich seiner eigentlichen Nutzung entziehen. Die Neujahrsansprachen des Bürgermeisters in denen er vom „Fahrradparadies“ Heiligenhaus spricht, sind als genau das zu bewerten, als reine „Neujahrsansprachen“! Es wird immer deutlicher, Fahrradverkehr wurde und wird von den meisten Politikern dieser Stadt nie ernst genommen und der PanoramaRadweg Niederbergbahn wird immer deutlicher zum reinen Prestigeobjekt, mit dem man vermeintlich den Fahrradverkehr fördert, aber eigentlich ganz Anderes vorhat.