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Weihnachten feiern I

Nicht alles geht in Erfüllung

23.12.2009 | 17:21 Uhr

Heiligenhaus. Valérie Katzwinkel ist auf Madagaskar geboren. Die Weihnachtszeit dort beschränkt sich auf die Feiertage.

Als Valérie Katzwinkel zum ersten Mal nach Deutschland kam, war es Januar. „Alles war weiß und es war bitter kalt”, erinnert sich die 27-Jährige. Geboren ist sie auf Madagaskar, der viertgrößten Insel der Welt, vor der Südostküste Afrikas gelegen. „Dort ist es selbst im Winter nicht kälter als 14, 15 Grad”, erzählt sie. Trotzdem freue sie sich über weiße Weihnachten: „Das sieht schön aus und die Kinder freuen sich so.”

Eine Krippe aus Madagaskar. Auf der afrikanischen Insel ist das Weihnachtsfest stark von der Armut des Landes geprägt. Nicht jede Familie kann sich zum Fest ihre Wünsche erfüllen.

Doch nicht nur die Kälte und das Wetter sind in Heiligenhaus anders als auf Madagaskar: „Dort gibt es keine Adventszeit. Auch den Nikolaustag feiern wir nicht”, erzählt Valérie Katzwinkel. Zwar wissen die christlichen Kinder in der Regel, dass der heilige Nikolaus ein Bischof gewesen ist. „Geschenke oder Süßigkeiten gibt es an dem Tag aber nicht.”

Dafür ist Weihnachten wie beinahe überall auf der Welt das Fest der Familie. „Wir treffen uns an Heiligabend und gehen gemeinsam in die Kirche. Dort führen die Kinder dann die Weihnachtsgeschichte als Theaterstück auf.” Ein wenig traurig sei sie zu Weihnachten schon, sagt Valérie Katzwinkel, dass sie nun so weit weg von Madagaskar lebe und die Familie nur selten zu Gesicht bekomme.

„Manchmal erhalten die Kinder der sehr armen Familien kleine Geschenke von der Gemeinde oder von der Kirche, damit die nicht ganz leer ausgehen”, fährt sie in ihrer Schilderung fort. Überhaupt sei das Weihnachtsfest stark von der Armut des Landes geprägt, berichtet Valérie Katzwinkel. „Normalerweise wird am ersten Weihnachtstag groß gefeiert”, erzählt sie. Die Familie kommt, es gibt Geschenke und gutes Essen. „So sollte es sein. Aber meistens gibt es nur Reis und Schweinefleisch. Ab und zu, wenn sich eine Familie das leisten kann, gibt es auch mal Gans oder Pute.” Die werde dann aber nicht – wie in Deutschland – gefüllt und im Ofen zubereitet, sondern mit Gemüse und Schweinefleisch „ganz normal” serviert.

Auch einen Tannenbaum gebe es nicht in jeder Familie. „Alle dort unten wünschen sich einen schönen Baum im Zimmer”, weiß Valérie Katzwinkel. „Aber es gibt viele Familien, die einfach nicht genug Geld haben, um einen zu kaufen.” Dann falle der Schmuck zu Weihnachten sehr einfach aus.

Ihre beiden Kinder sind schon in Deutschland geboren worden und kennen diese Zustände nicht aus eigener Erfahrung. „Hier schmücke ich die Wohnung mit Lichterketten und Tannengrün, so wie alle unsere Nachbarn”, sagt die 27-Jährige. Ihre Familie habe sich den deutschen Gewohnheiten, Traditionen und Bräuchen angepasst. Dennoch erzähle sie ihrem Nachwuchs oft von früher, von Weihnachten auf Madagaskar. Zum einen sollen die Kinder so etwas über die Heimat der Mutter erfahren, zum anderen „möchte ich, dass sie auch etwas aus den Geschichten lernen: Man kann nicht immer alles bekommen, was man sich wünscht. Aber man muss das Beste aus dem machen, was man hat.”

Sascha Döring

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