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Mut zeigen – nicht wegsehen

25.01.2012 | 07:13 Uhr
Mut zeigen – nicht wegsehen
In Rollenspielen wird in der 10. Klasse richtiges Eingreifen bei einem Konflikt geübt. Daniel Lafond (links) versucht, den Streit seiner Mitschüler Adrian Schürhoff (Mitte) und Fabian Sailer zu schlichten. Foto: H. W. Rieck WAZ FotoPool

Heiligenhaus.   Schüler sollen mit allen Sinnen beobachten und die Regeln des Einmischens lernen. Mut zeigen, nicht wegsehen, ist eine Devise.

„Ihr geht ganz normal, dann kommt plötzlich der Angriff von hinten. – Die wollen die Handys klauen. – Und dann greift ihr beiden anderen ein!“ Eine Sechstklässlerin der Realschule gibt ihren Schulkameraden knappe Anweisungen. Noch will es nicht so recht klappen, muss die Szene oft wiederholt werden. Doch am Ende wird die neunköpfige Gruppe das Video fertig haben zum Thema „Zivilcourage“.

Einen ganzen Tag lang beschäftigen sich die Realschüler mit dem „Bürgermut“, so die Übersetzung aus dem Französischen. Sie lernen die Regeln. Zum Beispiel: „Ich schaue hin und sehe nicht weg!“, „Ich hole Hilfe!“ und „Ich suche Mitstreiter!“ In Rollenspielen werden diese verfestigt. Anschließend können sich die Mädchen und Jungen in Gruppen weiter mit dem Thema auseinandersetzen – ein Video drehen, eine Fotostory kreieren, ein Graffito sprayen und vieles mehr.

„Der Wunsch kam zum einen von den Schülern, dass wir dieses Thema intensiver behandeln“, erläutert Schulleiterin Sonia Cohen zur Premiere des „Tages der Zivilcourage“ am Montag. Zum anderen stellten auch die Lehrkräfte immer wieder fest, dass gerade in den Pausen Konflikte schnell handgreiflich ausgetragen würden. Anlässe seien Nichtigkeiten: Die „falsche Kleidung“ spiele dabei immer wieder eine Rolle, „oder jemandem wird etwas weggenommen, und dann ist schnell ein Punkt erreicht, wo das kein Spaß mehr ist.“

Ergänzung zu Coolness-Training und Streitschlichter-Projekt

Auch Konflikte unter Mi­grantenkindern oder mit deutschen Mitschülern kämen vor, sagt Sonia Cohen. 19 Prozent ist der Ausländeranteil an der Realschule – auf dem Papier. Die Zahl derjenigen mit Mi­grationshintergrund sei höher, sagt die Schulleiterin. „Leider übernehmen die Jugendlichen häufig die Haltung, die sie aus dem Elternhaus mitbekommen. Das trifft auf beide Seiten zu.“

Cohen: „Dieses Mut-Projekt ergänzt unsere bisherigen Aktionen auf dem Weg zur gewaltfreien Schule: Streitschlichter und Coolness-Training“. Die Schüler zeigen sich engagiert. Kleine Grüppchen haben sich in den Werkraum, in verschiedene Klassenzimmer oder auf den Schulhof zurückgezogen, um an Konzepten zu arbeiten. „Wir drehen einen Film darüber, wie man sich verhält, wenn man eine Prügelei mitbekommt“, erklärt Marco Schild aus der Jahrgangsstufe 10. Er ist Schülersprecher und findet es sehr gut, dass die Jugendlichen Toleranz und Solidarität verstärkt üben. „Es ist wichtig, dass wir das den jüngeren Klassen mit auf den Weg geben.“ Denn Mobbing sei schon ein Thema an deutschen Schulen, erklärt der 17-Jährige, der zwei Jahre in Italien zur Schule ging und dort eine ganz andere, nämlich entspanntere Atmosphäre erlebte.

Nachhaltigkeit

Der „Tag der Zivilcourage“ soll natürlich nachhaltig wirken, betont Schulsozialarbeiter Dennis Siever. „Das Einüben sozialer Kompetenzen ist wichtig.“ So sollen die Gruppenarbeiten auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden, die Themen Opferhilfe, Diskriminierung, Konfliktlösung beispielsweise später in den Politikunterricht einfließen. Und, so Siever: „Viele Schüler wünschen sich eine Wiederholung des Projekttages.“

Petra Treiber

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2012-01-25 07:13
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