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Musikalische Wissensreise

05.02.2012 | 17:26 Uhr
Musikalische Wissensreise
Die Gruppe „Spillÿck“ bot nicht nur Musik aus alter Zeit, sondern auch Wissenswertes rund um den Dudelsack. Bild: Detlev Kreimeier WAZ FotoPool

Heiligenhaus.Spielleute begeisterten in der Zeit der Herzogtümer die Menschen mit ihrer Musik. Ein Instrument durfte dabei nicht fehlen: der Dudelsack. Doch im Laufe der Geschichte starb das ungewöhnliche Instrument in Deutschland fast aus. Das Quartett „Spillÿck“ erweckte die Lieder aus längst vergangenen Zeiten im Museum Abtsküche wieder zum Leben.

Schnell wird klar, dass dies kein Konzert ist, bei dem sich das Publikum seicht von der Musik berieseln lassen kann. Die vier „Spillÿck“ (bergisch für Spielleute) möchten den Heiligenhausern auch die Geschichte des Dudelsacks näher bringen und so wird aus einem Konzert eine interessante musikalische Reise durch die bergischen Herzogtümer.

Mit Luft gefüllt

„Es gibt 17 Darstellungen von Dudelsackspielern im Kölner Dom, allerdings muss man ein wenig nach ihnen suchen“, erklärt Christian Starke, der ebenfalls eines dieser mit Luft gefüllten Instrumente spielt. Geschickt stricken die vier Musiker das Konzert um die kleinen Fresken, Statuen, Glasfenster und Mosaike des Doms herum. Wer allerdings mit der Erwartung, zwei Stunden musikalisch dauerbeschallt zu werden, ins Museum kam, wird enttäuscht. Alle anderen können die kulturhistorischen Anekdoten genießen und interessante Fakten mit nach Hause nehmen.

Auch um das berühmte Kinderlied „Oh du lieber Augustin“ ranken sich viele Geschichten. Eine davon sollten die Zuhörer im Museum Abtsküche ihren Kindern vielleicht lieber nicht erzählen, wenn sie das nächste Mal das Gesangbuch aufschlagen. „Augustin gab es wirklich. Er war Bänkelsänger in Wien und dem Alkohol sehr zugetan“, sagt Dudelsackspieler Rafael Daun. Sturzbetrunken wurde Augustin für tot gehalten und in ein Massengrab für Pestopfer geworfen. „Als der Musiker wieder zu sich kam, machte er mit dem Dudelsack auf sich aufmerksam und wurde gerettet“, erklärt Daun weiter. Das passende Stück dazu liefern die „Spillÿck“ gleich mit.

Feurige Musik

Ebenso interessant ist die Geschichte über den Weißwal „Moby Dick“, der 1966 den Rhein unsicher machte. Doch das experimentell sehr gewagte Musikstück stellt die Geschichte in den Schatten. Thóralff Schuh begeistert mit Fingerspitzengefühl an der großen iranischen Rahmentrommel. Diese klingt, mit angefeuchteten Fingern gespielt, wie tiefe sonore Walgesänge, die den Zuhörern wohlig die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Unterstützt wird Starke von Ruthilde Holzenkamp am Akkordeon.

Die musikalische Reise führt die vier Musiker auch nach Italien. Im „Stiefel“ werden die Dudelsackspieler Zampogneros genannt, und ähnlich feurig klingt auch deren Musik. Die Monferrina (ein italienischer Volkstanz) bringt die Endorphine im Blut zum Tanzen und vermittelt südeuropäische Lebensfreunde. Die Freude an der Musik merkt man den vier Musikern aus dem Bergischen Land bei jedem Stück an. Und mit musikalischer Unterstützung lernt man den geschichtlichen Part hinter dem Dudelsack gleich auch viel intensiver kennen. Alles in allem ein rundum gelungener Abend mit vielen interessanten Überraschungen.

Kirsten Gnoth

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