„Multikulti“ rückt in den Hintergrund

Adnan Maral liest am morgigen Donnerstag in der Stadtbücherei Heiligenhaus.Foto:Wartenberger/Blanvalet
Adnan Maral liest am morgigen Donnerstag in der Stadtbücherei Heiligenhaus.Foto:Wartenberger/Blanvalet
Was wir bereits wissen
Menschen mit anderen Wurzeln gehören einfach dazu, meint Adnan Maral. In der Stadtbücherei liest der Schauspieler und Autor aus „Adnan für Anfänger“.

Heiligenhaus..  Bekannt ist er durch die Serie „Türkisch für Anfänger“: Adnan Maral. Dass der Schauspieler auch gerne schreibt, beweist er in seinem Buch „Adnan für Anfänger – mein Deutschland heißt Almanya“. Am Donnerstag liest Adnan Maral im Lesecafé der Stadtbücherei. Ein paar Fragen beantwortete der Schauspieler und Autor jetzt schon der WAZ-Mitarbeiterin Verena Sarnoch.

Herr Maral, wie kommt ein bekannter Schauspieler mit einem abwechslungsreichen Arbeitsalltag dazu, nebenher auch noch ein Buch zu schreiben?

Ich erzähle gerne Geschichten, das ist das eine. Und zum anderen kamen immer wieder Leute, die mich gefragt haben, wie das denn ist

mit der Integration. Ich fand es dann auch hochinteressant, für mich selbst zu definieren und zu reflektieren, was Identität, was Deutschland für mich bedeutet.

Wann schreiben Sie?

In Drehpausen. Die Arbeit eines Schauspielers ist ja relativ unregelmäßig – außerdem gibt mir das Schreiben die Möglichkeit, zuhause bei meiner Familie zu arbeiten, das ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Und was wollen Sie gerne bei Ihren Lesern erreichen?

Ich bekomme viele Rückmeldungen von Lesern, die sagen: „So hab ich das noch nie gesehen, das Buch hat mich zum Nachdenken angeregt, und unterhaltsam war es noch dazu.“ Damit bin ich vollauf zufrieden.

Machen Sie sich keine Gedanken um Ihre Privatsphäre, vieles ist ja sehr persönlich?

Wenn das, was ich schreibe, glaubhaft sein soll, dann muss ich mich ein Stück weit herauslehnen. Es bleiben ja Freiheiten, Geschichten weiterzuspinnen, reale Menschen so zu umschreiben, dass man nicht mehr erkennt, um wen es sich handelt – das ist das Spannende am Schreiben! Aber wer autobiografisch schreibt, muss eben bereit sein, auch etwas von sich preiszugeben.

Sie sind seit neun Jahren als Kulturbotschafter tätig – hat sich in dieser Zeit viel verändert?

Ja, auf jeden Fall. Der Begriff „Multikulti“ rückt immer mehr in den Hintergrund, weil viele Leute merken, dass Menschen mit anderen Wurzeln einfach dazugehören in unserer Gesellschaft. Das wird selbstverständlicher. Ich bin Optimist und froh über jeden, der versteht, dass alle Menschen sich gegenseitig viel geben können, sich neue Wege zeigen, inspirieren.

Welche Bedeutung hat denn dann noch der Begriff der Integration?

Menschen sind immer erstmal Menschen, ob sie jetzt andere Religionen haben oder anders aussehen. Wie führen wir Beziehungen zu anderen? Das muss sich jeder zuerst fragen.