Mit „Klong“ ans unbekannte Dümpel-Objekt

Die „Hermann Helms“ legt los zur Forschungsfahrt auf dem Abtskücher Stauteich. Mit einer Kamera, am Bug befestigt und im Plastikgehäuse gegen Spritzwasser geschützt, geht’s in die Mitte des Ausflugs-Gewässers.
Die „Hermann Helms“ legt los zur Forschungsfahrt auf dem Abtskücher Stauteich. Mit einer Kamera, am Bug befestigt und im Plastikgehäuse gegen Spritzwasser geschützt, geht’s in die Mitte des Ausflugs-Gewässers.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seltsame Technik ruht an der Wasseroberfläche des Abtskücher Stauteiches. ModellschifferPeter Janutta unternimmt einen kleinen Törn zur Aufklärung.

Heiligenhaus..  Peter Janutta spricht amüsiert von „UDOs“: Vom Ufer des Abtskücher Stauteichs aus ist tatsächlich nur schwer zu erkennen, was es mit diesen Unbekannten Dümpel-Objekten auf sich hat. Aber der Sprecher der 45 Mitglieder starken Modellbaugemeinschaft Stauteich verfügt nicht umsonst über eine eindrucksvolle Flotte von 25 Schiffen: Auf Anregung der WAZ lässt der bekennende „Hardcore-Modellbauer“ ein schmuckes Forschungsschiff zu Wasser.

Gestaltet ist die „Hermann Helms“ als Seenotrettungskreuzer – selbstverständlich mit fahrbereitem Beiboot. Doch die zweite Fernsteuerung braucht’s heute nicht, denn Peter Janutta hat am Bug einen weiteren „Mast“ auf dem Deck installiert: Eigentlich ist’s ein handelsübliches Mini-Stativ und jetzt trägt es die winzige „GoPro“-Kamera unseres Kollegen Heinz-Werner Rieck, gut verpackt in einem wasserdichten Gehäuse.

Mit 15 Kilo und maximal acht Knoten

Doch der Skipper der 15 Kilo schweren „Hermann Helms“ beruhigt: Sein Kreuzer schafft zwar bis zu acht Knoten, das entspreche auf dem Stauteich dem „Fahrbild“ des Original-Schiffes auf hoher See. „Aber ich fahre jetzt nicht full speed.“ Die Optik der Kamera soll unbespritzt bleiben. Trotzdem ist der Laie bass erstaunt, mit welchem Zug das stolze Schiffchen sein fernes Ziel erreicht. Ein Blesshuhn gleitet etwas erschrocken davon; eine weiße Gans schnattert halb neugierig, halb echauffiert neben der „Hermann Helms“ her.

„Eigentlich haben wir ja unser Terrain innerhalb der Bojen abgesteckt“, erklärt der Sprecher der Modellbaugemeinschaft. Die kurze Forschungsfahrt verlässt also für wenige Minuten die erlaubte Fahrtrinne. Das gilt hoffentlich noch nicht als Akt der Piraterie. Schließlich leistet die „Hermann Helms“ ja wertvolle Aufklärung.

Der Blick aus ihrer Bugmast-Perspektive offenbart: Die „UDOs“ sind keine vor Anker liegenden Modell-Fahrzeuge. Zu erkennen sind vielmehr Metall-ummantelte Schlauchleitungen aus der Tiefe des Sees sowie Filter und Siebe. Mit einem leichten „Klong“ hatte der schnittige Kreuzer die eher uneleganten Plattformen im See berührt: Für Peter Janutta legt dieser Ton „die Vermutung nahe, dass das UDO aus Glasfaser-verstärktem Kunststoff besteht“. Was so ein „Klong“ dem Kenner alles verraten kann: erstaunlich.

Aber schließlich ist der Modellbauer auch Klang-Designer: Sein Rettungskreuzer verfügt über ein digitalisiertes Geräuschmodell, das den sonoren Motor-Ton der großen „Hermann Helms“ verblüffend echt nachahmt – und sich natürlich der Geschwindigkeit im Klang anpasst. Dazu klingt (nicht klongt) die Schiffsglocke.

Der kleine Törn zur UDO-Aufklärung war jedenfalls eine überzeugendes Plädoyer für das seemännische Können der engagierten Modellschiffer – deren Vereinstafel am Ufer daran erinnert: „Erst Frequenz belegen, dann einschalten“.

Man geht der Sache auf den Grund

Das Bemühen, den „unbekannten Dümpel-Objekten“ per telefonischer Recherche nachzuspüren, erweist sich als genauso geheimnisvoll und teils schräg-amüsant wie die kleine Expedition per Kamera und Modellschiff. Die Stadtwerke sind zwar mit ihrem historischen Domizil ein direkter Nachbar des Abtskücher Stauteichs – aber leider nicht zuständig: „Der gehört doch dem BRW.“

Also lässt man’s in Haan klingeln, beim Bergisch Rheinischen Wasserverband – leider ebenfalls vergebens: „Fragen Sie mal beim Ruhrverband“, ist dort die erschöpfendste Auskunft. Fast müßig zu erwähnen, dass auch der Pressesprecher des Ruhrverbandes – nach Rücksprache mit einem Ingenieur seines Hauses – den Fragenden weiter verweisen möchte: zurück zum BRW.

Etwa ein herrenloses Gewässer?

Moment mal, da waren wir doch schon, jedenfalls telefonisch. Fast könnte der Verdacht aufkommen, der Abtskücher Stauteich wäre ein herrenloses Gewässer, auf dem sich Schwäne, Enten und Blesshühner in vogelfreier Anarchie tummeln. Doch Markus Rüdel, der Ruhrverbands-Pressesprecher, hat ein Einsehen: „Wir klären das!“ Wahrscheinlich ist jetzt auch seine journalistische Neugier geweckt.

Der Rückruf lässt denn auch nicht lange auf sich warten – mit überraschendem Ergebnis: „Wir gucken uns das Morgen früh an.“ Man wolle – jetzt wieder beim BRW – der Sache auf den Grund gehen. Auflösung folgt also – hoffentlich.