Mit bunten Punkten zum Trickfilm

Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Club und „Kulturrucksack“ zeigten jungen Streetart-Künstlern von 10 bis 14, wie mit Smartphone und Computer ein besonderer Stadt-Film entstehen kann.

Heiligenhaus..  Die meisten Jugendlichen haben Zugang zu einem Smartphone und zu einem Computer. Dass man diese allerdings nicht nur für Spiele oder zum Schreiben benutzen kann, zeigen Thomas Pischke und Nina Stark in ihrem Kurs im Club für Zehn- bis 14-Jährige im Rahmen des „Kulturrucksacks“.

Doch „Streetart meets Stopmotion“, was heißt das eigentlich? Streetart ist allgemein eine sehr vielseitige Kunst, die sich im öffentlichen Raum und nicht in Museen oder Galerien präsentiert. Schauplatz für Streetart kann alles sein: eine Mauer, ein Schaufenster oder aber auch eine Bushaltestelle.

Für dieses Projekt heißt das konkret, dass die beiden Kursleiter mit den vier Teilnehmern mehrere Stunden durch Heiligenhaus gegangen sind, immer auf der Suche nach Plätzen für ihre Kunst. Letztendlich fanden sie sieben Locations, an denen sie kleine farbige Punkte installierten. Die Punkte wurden in kleinen Abständen weiter bewegt, von jeder Installation wurde ein Foto geschossen. Mit den Punkten wurden einfache Bewegungen wie Hüpfen, aber auch anspruchsvollere Dinge wie Wettrennen oder das Herunterfließen einer Treppe dargestellt.

Bei dem ersten Termin ging es also darum, zunächst das Bildmaterial für die Bearbeitung am Computer zu erschaffen. Nachdem dies nach einem spaßigen Nachmittag geschafft war, traf sich die Gruppe eine Woche später wieder. Hier kam es dann zum zweiten Teil des Kurses, der sogenannten „Stopmotion“-Technik. Diese beinhaltet das Zusammensetzen der geschossenen Bilder zu einer flüssigen Bewegung. Dank einfacher, kostenloser Programme war es für die Teilnehmer möglich, selber direkt Hand anzulegen und ihre eigenen Ideen in den Film einzubringen.

Das Ergebnis dieses Kurses soll ein circa dreiminütiger Film sein, der die sieben Sequenzen an den verschiedenen Orten in Heiligenhaus verbindet. Dieser Film wird auf Facebook in den entsprechenden Gruppen zu sehen sein.

Für Thomas Pischke, den künstlerischen Leiter des Kurses, steht jedoch noch eine ganz andere Sache im Vordergrund: „Für mich ist es besonders wichtig, mit diesem Projekt ein Zeichen an die Bürger der Stadt Heiligenhaus zu setzten. Kunst gehört nicht nur ins Museum, auch auf offener Straße ist Kunst relevant. Wir wurden bei der Installation unserer Punkte von einigen Leuten angesprochen, und genau dafür ist das ja da, um das Interesse der Leute zu wecken“, so der freie Künstler und Grafiker.

Für Nina Stark war der Kurs auch aus einem anderen Gesichtspunkt ein Erfolg: „Wir wollten den Kindern zeigen, was man mit Computer, Smartphone und zwei kostenlosen Programmen alles erreichen kann. Ich denke das ist uns aufgrund der schnellen, zufriedenstellenden Ergebnisse sehr gut gelungen. Die Teilnehmer waren unglaublich fleißig und haben sich selber mit einem schönen Film belohnt,“ , so die Organisatorin vom Landes-Projekt Kulturrucksack.

Streng genommen war’s illegal

Ein wenig sei es auch eine Mutprobe für die Kinder und Jugendlichen, „wenn sie einfach Punkte an öffentlichen Plätzen hinkleben, egal ob die Leute kritisch schauen oder nicht“, meint Nina Stark.

Bei all den positiven Aspekten von Streetart weist Thomas Pischke aber auch auf eine große Gefahr hin: „Es ist ein schmaler Grad zwischen Verschönerung und Sachbeschädigung. Streng genommen ist Streetart illegal.“ Dies sei aus seiner Sicht dann kein Problem, „wenn man alle Installationen reversibel anbringt“ – also in diesem Fall alle Kleber auch wieder abknibbelt.

Insgesamt war der Kurs also trotz der für die Veranstalter enttäuschenden Teilnehmerzahl ein großer Erfolg, dank sehr guter Ergebnisse. Die beiden vom Club hoffen, bei der nächsten Auflage durch die Verbreitung des Streetart-Videos mit mehr Teilnehmern arbeiten zu können.