Menschen mit Behinderung ins normale Leben helfen
25.01.2012 | 17:14 Uhr 2012-01-25T17:14:00+0100
Heiligenhaus. Die VHS Velbert/Heiligenhaus bietet erstmals in NRW eine Weiterbildung zum Integrationshelfer an Kitas und Schulen an.
Ohne entsprechende Ausbildung dürfen Arbeitnehmer in Deutschland putzen, Automaten befüllen – und als Integrationshelfer arbeiten. Macht die Putzfrau oder der Befüller etwas falsch, kann das Parkett einen Wasserschaden bekommen oder die Gummibärchen-Reihe leer bleiben. Unter den Fehlern eines Integrationshelfers leidet das behinderte Kind, das er betreut.
Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen sind die Labore, in denen das Experiment Integrationshelfer täglich durchgeführt wird. Die Frage, was ein Mensch eigentlich können muss, der behinderten Menschen das Leben an einer normalen Schule ermöglichen soll, hat noch niemand beantwortet. Nicht die Sozialämter, nicht die Behindertenverbände und nicht die Politik. Die VHS Velbert/Heiligenhaus hat ihre Antwort in das Programm fürs Frühjahrssemester 2012 aufgenommen: Am 24. Februar startet die landesweit erste Weiterbildung, die Interessierte zum Integrationshelfer qualifizieren soll.
„Diese Menschen übernehmen Verantwortung für das geistige, seelische und körperliche Wohl das Kindes“, betont VHS-Leiter Rüdiger Henseling. „Das erfordert zumindest eine Grundqualifikation.“ Die will die VHS nun anbieten. Dazu hat sie sich mit Sozialhilfeträgern und Sozialämtern in Heiligenhaus, Velbert und im Kreis Mettmann besprochen und den Rat eines Universitätsprofessors für Heilpädagogik eingeholt.
Das Resultat: 78 Unterrichtsstunden, in denen die Teilnehmer unter der Anleitung von Sozialpädagogin Kornelia Schlaaf-Kirschner Behinderungsbilder und Methoden der Heilpädagogik zunächst theoretisch behandeln, um sie später anhand von Fallbeispielen ins praktische Rollenspiel umzusetzen.
78 Unterrichtsstunden
Bevor es allerdings soweit kommt, werden die Interessenten während eines Kennenlern-Treffens handverlesen. Fachliches Wissen kann ihnen die Weiterbildung zwar vermitteln. Etwas anderes aber müssen sie bereits mitbringen: Menschliches und Motivation müssen stimmen. „Ich habe keine Scheu, jemandem zu sagen: ‘Das ist hier nicht das Richtige für Sie’“, stellt Schlaaf-Kirschner klar.
Andere würden das Konzept gerne kopieren
„Integrationshelfer werden oft sehr kritisch gesehen, weil sie keine oder eine mangelnde Ausbildung haben“, weiß die Sozialpädagogin aus ihrer Berufserfahrung. Dieser Kritik können die Absolventen des VHS-Kurses ihr Zertifikat entgegenhalten. VHS-Leiter Henseling ist sicher, dass es Anerkennung finden wird: „Das VHS-Zertifikat ist bekannt, da weiß ich: Der kann das.“ Damit sich Kitas und Schulen darauf verlassen können, gibt es das Zertifikat erst nach bestandener Abschlussprüfung.
Das Konzept der VHS Velbert/Heiligenhaus könnte über die Grenzen des Zweckverbandes hinaus (Volkshoch-)Schule machen. Mit einem Anflug an Stolz erzählt Henseling: „Es kamen Vertreter großer VHS aus großen Ruhrgebietsstädten auf mich zu und wollten das Konzept haben.“ Bekommen haben sie es allerdings nicht – die örtliche VHS überlegt vielmehr, sich die Idee schützen zu lassen. Das wäre eine Möglichkeit, doch noch mit der Weiterbildung zum Integrationshelfer Geld zu verdienen. Bisher deckt der Kurs zwar seine Kosten, bringt aber keinen Gewinn ein. Rechnen soll er sich trotzdem – für die Gesellschaft.
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