Mehr als nur ein Ehrenamt

Die Freiwillige Feuerwehr sucht derzeit verstärkt nach neuen Mitgliedern. Dies zeigt sie auf Plakaten, die nun im Stadtgebiet aufgehangen werden.
Die Freiwillige Feuerwehr sucht derzeit verstärkt nach neuen Mitgliedern. Dies zeigt sie auf Plakaten, die nun im Stadtgebiet aufgehangen werden.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
542 Einsätze gab es im vergangenen Jahr für die Heiligenhauser Feuerwehr. Doch nicht nur für Brände müssen die Kameraden ausrücken.

Heiligenhaus..  Die Feuerwehr – der Helfer und Retter in der Not. Ertönen die Sirenen, ist man alarmiert: Irgendwo ist was passiert. Doch es muss nicht immer ein Brand sein. Von der Tierrettung bis zum Ölunfall zeigt die Einsatzbilanz der Heiligenhauser Feuerwehr, wie vielfältig ihre Arbeit ist. Und das alles ehrenamtlich. 542 mal musste sie im Einsatzzeitraum 1. November 2013 bis 30. Oktober 2014 ausrücken. Die WAZ-Mitarbeiter Katrin Schmidt und Simon Klaus haben mit Feuerwehr-Pressesprecher Nils Vollmar über die Jahresbilanz und die neue Mitgliederwerbung gesprochen.

Was waren in Heiligenhaus die größten Ereignisse 2014?

Das Größte war mit Abstand das Sturmtief Ela. Um 21.15 Uhr wurden wir alarmiert, um 15.30 Uhr am nächsten Tag wurden wir mit der gleichen Mannschaft erst ausgelöst von Feuerwehren aus anderen Städten wie Duisburg oder Xanten. Es war fast jeder von uns im Einsatz, und das 18 Stunden am Stück. Man muss dazu sagen: Wir sind alle Ehrenamtler.

Wie schafft man so einen Einsatz?

Der Einsatzleiter hatte die komplette Feuerwehr alarmiert. Von den insgesamt 96 Frauen und Männern der Freiwilligen Feuerwehr waren zwischen 50 und 60 im Dienst. Wir haben dann unsere Einsatzzentrale eingerichtet, die Fahrzeuge eingeteilt und Einsätze selbst koordiniert. Aber auch Mitglieder der Ehrenabteilung und der Jugendfeuerwehr hatten im Laufe des Einsatzes ihre Hilfe angeboten, das war schon ein super Zusammenhalt.

Wie behält man bei so vielen Meldungen den Überblick?

Vor gehen immer Einsätze, bei denen die Sicherheit von Personen gefährdet ist und zur unmittelbaren Schadenabwehr. Danach werden Schäden im öffentlichen Raum beseitigt. Ein Baum, der eine wichtige Straße versperrt, wird dann natürlich eher beseitigt als dass der Panoramaradweg geräumt wird. Den hatten wir aber aus Sicherheitsgründen natürlich dann abgesperrt.

542 ist eine hohe Zahl. Gibt es Einsätze, die zugenommen haben?

Nein, das ist von Jahr zu Jahr verschieden. Natürlich haben wir viele Einsätze durch Ela gehabt, aber davor waren wir auch schon bei knapp 300. Für eine Freiwillige Feuerwehr ist das schon eine Menge mit durchschnittlich eineinhalb Einsätzen am Tag. Belastend waren da Anfang 2014 die Brände an und in der Notunterkunft, das schlaucht dann schon.

Es kommt ja leider auch bei Einsätzen vor, dass man Menschen nicht mehr retten kann. Wie geht man damit um?

Früher gab es das Bild von den harten Kerlen der Feuerwehr, die das schon abkönnen müssen. Mittlerweile werden Einsatzkräfte präventiv geschult, man bietet heute psychosomatische Hilfe an. Jeder kann dann entscheiden, ob er diese in Anspruch nehmen möchte oder nicht.

Wie sieht es personell insgesamt bei der Feuerwehr aus?

Neben den 96 Einsatzkräften bei der Freiwilligen Feuerwehr haben wir 35 Jungen und Mädchen, die sich bei der Jugendfeuerwehr engagieren. Außerdem haben wir noch viele Mitglieder in der Ehrenabteilung, es engagieren sich einige davon im Feuerwehrmuseum und im Förderverein.

Wird es schwieriger, Leute zu finden?

Ja, auch wir merken das, vor allem seit dem Wegfall der Wehrpflicht und somit der Ersatzdienstleistenden. Bei der Jugendfeuerwehr haben wir zwar noch keine Nachwuchssorgen. Aber schwierig wird es, wenn man mit dem Beruf anfängt, Familien gründet, dann fallen einige weg. Deswegen haben wir uns entschlossen, verstärkt Mitgliederwerbung zu betreiben. Gestartet haben wir mit drei Bannern, die wir im Stadtgebiet aufstellen.

Wer kann denn mitmachen, was muss man mitbringen?

Jeder, von 18 bis 63, kann sich engagieren. Für jeden kann eine passende Aufgabe gefunden werden, wir freuen uns über alle, die mitmachen wollen. Die Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr ist sehr vielseitig, und je mehr Köpfe man hat, auf desto mehr Schultern kann man die Arbeit verteilen. Bei uns gibt es ein aktives Vereinsleben, wir sind wie eine große Familie. Jeder, der Zeit und Lust hat, ist herzlich willkommen. Wer auch im Einsatz löschen möchte, der muss auch über eine gewisse körperliche Fitness verfügen.

Wie kann ich mich bewerben?

Am besten einfach vorbei kommen. Wir haben ja regelmäßige Übungsabende. Wir sind auf Facebook, hier kann man uns auch kontaktieren und sich über Termine informieren. Hier berichten wir aktuell über Vorkommnisse, um unsere Arbeit der Öffentlichkeit transparent zu machen und die Bürger schnell über Einsätze zu informieren.