Marmor, Stein und Eisen

Heiligenhaus..  Der in den Jahren 1922/23 gestaltete Sitzungssaal entsprach nicht den Vorstellungen der Nationalsozialisten. Also wurde er grundlegend umgebaut. In der Velberter Zeitung konnte man am 4. Januar 1942 lesen, welche Elemente des Raums in den Fokus der Umgestaltung gerieten. An die Stelle der alten Fugenbretter trat ein „spiegelglatter Parkettfußboden aus Reichseiche“. Einen wirkungsvollen Kontrast bildeten das Schwarz der eingezogenen Deckenbalken und das Weiß der „Rabitzdecke“. Schmiedeeiserne Bänder zieren die einzelnen Balken, die nach beiden Kopfseiten in eine Kassettenformdecke enden. Als „eine außergewöhnliche, handwerkliche Meisterleistung“ wird die große, zweiflügelige Eingangstür bezeichnet. Sie wurde eigens von einem Heiligenhauser Handwerksmeister angefertigt. Die passende, ebenfalls sehr imposante Umrahmung der Tür wurde aus deutschem Jura-Marmor angefertigt. „Alleine die Marmor-Umrandung hat ein Gewicht von 5000 Kilogramm“, schrieb die Velberter Zeitung. Und weiter: „Verpflichtend und ahnend stehen über der Tür die Worte: Gemeinnutz vor Eigennutz“.

Als weitere Elemente setzten die damaligen Gestalter zwei gewaltige Kronleuchter aus Kunstschmiedeeisen mit je 16 Flammen sowie acht zweiflammige Wandarmleuchter ein. Um das nationalsozialistische Bild des Saals abzurunden, durften die Symbole der Nazis nicht fehlen.

Platz für ein Wandgemälde

Nahezu die gesamte rechte Stirnwand nahm ein „aus Feuerstein hergestelltes Hoheitszeichen“ ein, dessen 4,20 Meter breite Schwingen sich majestätisch über den Raum erheben sollten. Die linke Stirnseite wollte man vorläufig frei lassen, um dort später ein Wandgemälde zu platzieren.

Nach der Absetzung der Nazis wurden Hakenkreuz und Hoheitsadler entfernt. An gleicher Stelle brachte ein örtlicher Maler das Stadtwappen an. An der Architektur des Saals änderte sich nach dem Krieg zunächst nicht viel. Und das aus einem naheliegenden Grund: „Es war einfach kein Geld da“, sagt Stadtarchivar Hartmut Nolte.