Mama Leone geht nach Italien

Ilse und Stefano Perzia gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge aus ihrer Futterkrippe nach über 30 Geschäftsjahren heraus.
Ilse und Stefano Perzia gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge aus ihrer Futterkrippe nach über 30 Geschäftsjahren heraus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Futterkrippe an der Hauptstraße wird in den nächsten Tagen ihre Pforten schließen. Über 30 Jahren stand das Ehepaar Perzia an Grill und Fritteuse.

Heiligenhaus..  „Es waren tolle Jahre, wir gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Ilse Perzia. Nach über 30 Jahren, die sie und ihr Mann Stefano Inhaber der Futterkrippe an der Hauptstraße sind, werden sie diese zum 12. Januar schließen.

Halbes Hähnchen mit Pommes und Salat, Jägerschnitzel oder Hühnersuppe – wer die gute Hausmannskost mag, der war in der Futterkrippe immer richtig. „Und alles haben wir immer frisch gemacht, keine Fertigprodukte. Das Schnitzel wird geklopft und paniert, das Gemüse für die Soße geschnitten“, berichtet Ilse Perzia. Frikadellen, täglich wechselnder Mittagstisch, Salate oder auch Torten gibt es genauso wie Pommes Currywurst.

Das kam gut an bei den Stammkunden. Vor allem bei Älteren, denn das Essverhalten habe sich deutlich verändert, findet das Ehepaar. „Die jungen Leute wollen heute nur noch Fastfood, alles muss schnell gehen. Pizza oder Döner, das isst man heute. Das sieht man auch, wenn man in die Einkaufswagen der jungen Leute guckt: viele kochen nicht mehr frisch und wollen keine frische, deftige Hausmannskost mehr.“

Arbeiter kamen zuhauf

Diese aber kam bei ihrer Kundschaft immer gut an. „Früher, als hier noch mehr Firmen waren, da haben die Arbeiter Schlange gestanden“, erzählt Stefano Perzia. Da haben ganze Abteilungen Massen bestellt, für eine bestimmte Uhrzeit, wenn sie kamen, dann musste alles Essen auf dem Tisch stehen. Perzia: „Manch einer musste hungrig wieder gehen, weil er einfach nicht dran kam.“

Das ist heute nicht mehr so. Einen Platz findet man hier in der Futterkrippe oder nebenan in den Räumlichkeiten immer. „Wir haben mal nebenan ein Restaurant gehabt, aber leider schlechte Erfahrung mit dem Personal gemacht. Deswegen haben wir das wieder gelassen“, berichtet Stefano Perzia.

Deswegen standen die beiden selber tagein tagaus in ihrem Imbiss. „Wir hatten zwei langjährige Küchenmitarbeiterinnen, in Notsituationen helfen auch mal die Kinder mit. Aber wenn man in der Gastronomie arbeitet, dann muss man das mit Leib und Seele tun, denn man verbringt sein ganzes Leben damit“, erzählt Ilse Perzia. Das Privat- und Berufsleben wird dann eins, „und wenn man als Ehepaar das 30 Jahre schafft, dann kriegt einen auch nichts mehr auseinander“, lacht Ilse Perzia.

Ihre Familie, drei Kinder, sieben Enkel und zwei Urenkel, kommt auch regelmäßig vorbei, aber auch Kunden sind Freunde geworden. Ilse Perzia: „Da sind wir dann auch schon mal in einigen Fällen Kummerkasten.“ Denn wenn man die Perzias kennenlernt, merkt man schnell, wie herzlich sie sind. Kein Wunder, dass ihnen Kunden Postkarten aus dem Urlaub schickten.

Einiges erlebt mit ihren Gästen haben die Perzias auch. Ein Ehepaar hat sich hier kennen- und lieben gelernt, einen Heiratsantrag gab es. Ein Gast habe die Pommes vom Teller auf den Tisch geschmissen und die Knochen des Hähnchens auf den Boden geworfen. „Was der zuhause macht, ist uns ein Rätsel, wir haben mit offenem Mund gestaunt“, lacht Ilse Perzia.

Ihrem Mann Stefano fällt noch die Geschichte eines Mannes ein, „breit und groß, eine richtige Kante. Nachdem er Pommes, halbes Hähnchen, Salat und eine Flasche Bier hatte, wollte er das Gleiche noch einmal. Und anschließend ein Kotelett mit Pommes und einer Flasche Bier, und danach Schaschlik mit Pommes und Bier. Zwei Stunden später stand er wieder in der Tür und wollte Krabbensalat.“

Meistens schöne Dinge erlebt

Sie haben viel erlebt, sehr viel schönes, wenig nicht schönes. Jetzt haben die 64-Jährige und der 71-Jährige beschlossen, dass sie den Laden schließen. Die Stammgäste sind traurig, aber haben Verständnis: „Ich kann das nachvollziehen, beide haben ein Alter, in dem man seinen Ruhestand genießen sollte“, findet ein Kunde.

Mama Leone, wie Ilse Perzia im Stammkundenkreis auch genannt wird, und ihr Mann werden nun nach Sizilien gehen, da, wo ihr Mann auch herkommt. Nicht für das ganze Jahr, aber die meiste Zeit. Zu tun gibt es auch hier eine Menge, ein großer Garten wartet auf Pflege. Ihr Ruhestand wird für die beiden Ruhelosen wahrscheinlich genauso unruhig wie ihr bisheriges Leben.