Leise rieselt der Schnee. . .
10.08.2010 | 14:51 Uhr 2010-08-10T14:51:00+0200
Heiligenhaus. Zugegeben: Im August an Schnee zu denken, fällt schwer. Schneekugeln allerdings haben immer Saison, erst recht in der Ferienzeit. Denn die farbigen Halbkugel-Welten mit rieselndem Kunstschnee sind beliebte Mitbringsel von Urlaubsorten in aller Welt. Als Erinnerungsstück, als Spielzeug oder immer öfter auch als Sammelobjekt. Im Museum Abtsküche soll die bunte Welt unter (Plastik-)Glas in der diesjährigen Winterausstellung präsentiert werden. Geplanter Start ist im November.
Auf die Idee einer Sonderschau mit den Traumkugeln, wie die kleinen Mitbringsel auch genannt werden, kam Museumskustos Reinhard Schneider bei einem Heiligenhauser Bekannten. „Da stand eine ganze Reihe solcher Schneekugeln in einer Vitrine. . .“ 60 Stück sind es insgesamt, wie Reinhard Schneider inzwischen weiß, und die sollen die Basis der diesjährigen Winterausstellung im Museum Abtsküche bilden.
Auch wenn Reinhard Schneider nicht glaubt, selbst zu einem leidenschaftlichen Sammler von Schneekugeln zu werden: Das eine oder andere Stück hat er sich mit Blick auf die bevorstehende Sonderausstellung inzwischen doch auch selbst gekauft. „Gerade erst in Düsseldorf“, bekennt er. Was darin zu sehen ist? „Die Altstadt natürlich!“ Immerhin auf sechs eigene Exemplare bringt es der Kustos. Ein künstliches Schneetreiben aus Zwönitz nennt er sogar schon seit zwei, drei Jahren sein Eigen – ein Geschenk aus der erzgebirgischen Partnerstadt.
Weitere Exponate für die Ausstellung sind natürlich höchst willkommen (siehe Kasten unten).Dass er dabei auch diesmal auf weitere Unterstützung der Bürger setzen kann, hat Reinhard Schneider erst kürzlich beim Sommertrödel erfahren. Auf der Suche nach seltenen Exemplaren kam er mit einer Frau ins Gespräch, die sich zu erinnern glaubte, dass sie irgendwo auch noch solche Schneekugeln haben müsse. . . „wenn ich sie finde, können sie die haben“, versprach sie. Offenbar war die Suche bisher nicht erfolgreich: „Abgegeben hat sie sie bei mir nicht“, sagt Reinhard Schneider. Allerdings bleiben ja bis zum Aufbau der Ausstellung im November auch noch ein paar Wochen Zeit.
„Mit dem aufkommenden Massentourismus Ende der 1950er Jahre und der Erfindung des Kunstschnees aus Polystyrol wurde die Schneekugel als Souvenir populär“, weiß Museumskustos Reinhard Schneider. Der Schnee umrieselt Gebäude, Orte und Landschaften. Die Motive der Kugeln sind heute vielfältig. Es gibt Tiere und Pflanzen, Schneemänner und maritime Motive, häufig auch Wahrzeichen bekannter Städte. Hinzu kommen Märchen- und Comicfiguren, religiöse und neuerdings auch politische und kommerzielle Themen.
Wie die Motive auch sein mögen: So gut wie immer überblenden sich bei den bunten Kugeln Urlaubserinnerungen mit solchen aus der Kindheit. Sie sind ein Medium der Reiseerinnerung, das seit mehr als 100 Jahren die Menschen begleitet. Und viele der oft als Kitschobjekte belächelten, verstaubten Schneekugeln auf Omas Vertiko sind längst zu beliebten Sammelobjekten geworden.
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