Kurze Leitung bei Krisenfällen

Sorgt für sichere Telefon-Verbindungen, falls das Festnetz ausfällt:  Marcel Hembrock, Student am Campus am Höseler Platz.
Sorgt für sichere Telefon-Verbindungen, falls das Festnetz ausfällt: Marcel Hembrock, Student am Campus am Höseler Platz.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Marcel Hembrock, Bachelor-Student am Campus, entwickelt für den Kreis Mettmann eine blitzschnelle und störungsfreie Umleitung vom Fest- ins Mobilnetz.

Heiligenhaus..  Bei schlimmen Ereignissen wie Groß- oder Giftunfällen dürfen Krisenstäbe nicht auf der Leitung stehen. Greifen sie zum Hörer, um Hilfsmaßnahmen zu koordinieren, muss vielmehr die Leitung stehen – und zwar reibungslos und ohne jede noch so kurze Verzögerung. Daran arbeitet Marcel Hembrock: Der Student des örtlichen Campus’ absolviert den praktischen Teil seines Dualen Studiums beim Kreis Mettmann. Im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit bringt er die Telekommunikationsanlage des Kreises auf Vordermann.

Ein Szenario: Im Kreis Mettmann hat sich ein Giftunfall ereignet. Der Krisenstab tritt zusammen; Hilfe muss organisiert, Gebäude müssen evakuiert werden. Die ausgetretenen Stoffe könnten lebensgefährlich sein, die Helfer müssen schnell schalten. Doch das Festnetz ist ausgefallen. Hunderte von Telefonen beim Kreis Mettmann stehen plötzlich ohne Anschluss da.

Günstiger als herkömmliche Anlagen

Kein Anschluss unter dieser Nummer – das gilt so auch heute nicht. Denn im Fall des Ausfalls können die Kreis-Mitarbeiter ihre Apparate fürs Mobilnetz freischalten. Das aber kostet Zeit und damit im schlimmsten Falle Menschenleben. Übernimmt der Kreis das von Marcel Hembrock entwickelte System, entfällt die Freischaltung künftig: Nimmt ein Mitarbeiter den Hörer auf, erkennt die Anlage selbstständig, dass das Festnetz tot ist, und wählt sich automatisch über das Mobilnetz ein.

Der Anrufende merkt nichts von den trickreichen Umwegen der Technik; sein Ruf geht durch. Keine Zeitverzögerung.

Anlagen, die eine solche Umschaltung beherrschen, sind zwar keine neue Erfindung. Neu ist aber der Preis, zu dem der Student das System anbieten kann: Während herkömmliche Anlagen den Arbeitgeber einen vierstelligen Betrag kosten, arbeitet Marcel Hembrock mit Materialkosten von wenigen hundert Euro.

Kein Wunder, denn seine heutige Bachelor-Arbeit nahm ihren Anfang als eine Studentenarbeit im anderen Sinn: „Ich wollte eigentlich, dass mein Bruder im Studentenwohnheim günstig über die Flatrate meiner Eltern telefonieren kann“, erinnert Hembrock sich an die Anfänge seiner Tüftelei.

Günstig kommt den Kreis Mettmann nun nicht nur die Anlage, sondern auch das Telefonieren selbst: Denn nicht nur ein totes Festnetz erkennt Hembrocks Schaltung. Wählt ein Mitarbeiter eine Handy-Nummer, klingelt es bei ihr ebenfalls in den Schaltkreisen, und sie wählt sich ins Mobilnetz sein. Eine Preisersparnis: „Günstiger wird’s dadurch, dass das Telefonieren vom Mobilnetz ins Mobilnetz günstiger ist“, erklärt der Student.

Ob der Kreis Mettmann das Projekt des Studenten tatsächlich umsetzt, entscheidet sich demnächst. Vorher muss die Umsetzung noch auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden.