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Kunstaktion

Kreis vereint Zeichen der Religionen

23.04.2015 | 21:53 Uhr
Kreis vereint Zeichen der Religionen
Der Künstler und sein Werk: Gregor Merten neben dem Engels-Reifen.Foto: Heinz-Werner Rieck

  „Engel der Kulturen“ rollte am Donnerstag durch die Innenstadt. Es bleibt eine Intarsie am Rathausplatz, die gemeinsame Werte der Religionen beschwört.

Gekommen, um zu bleiben: Am Donnerstag durchquerte ein stählerner Reifen die Innenstadt, um am Rathausplatz langfristig Quartier zu beziehen. An die 200 Schüler und Amtsträger rollten den sogenannten „Engel der Kulturen“ von der Realschule zur Ditib-Moschee, weiter nach St. Suitbertus, zum Gedenk-Stolperstein für die von den Nazis ermordete Jüdin Adele Jacobs, zur Alten Kirche und schließlich zum Rathausplatz.

Das Engelsbild, das entsteht, wenn man ein Kreuz, einen Halbmond und einen Davidstern jeweils angeschnitten in eine Kreisform hineinragen lässt, soll ein positives Symbol sein: „In die angespannte Situation zwischen Islam, Juden- und Christentum bringen wir als bildende Künstler den Engel der Kulturen als vermittelndes Symbol ein“, erklären die Burscheider Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten auf der Webseite ihrer Aktion.

„Durch Einbeziehung von Bürgern, Vertretern der Öffentlichkeit und der Religionen in die dazu dienenden Kunstaktionen formt sich eine soziale Skulptur, die den Wunsch vieler nach Zusammenleben in Gleichberechtigung und friedlicher Verbundenheit zum Ausdruck bringt und so entschieden rechtsextremen, fremdenfeindlichen, antisemitischen und islamophoben Tendenzen entgegenwirkt.“

Der Engel war seit Beginn ihrer gemeinsamen Aktion 2007 schon an rund 70 Orten, etwa in Hamburg, Brüssel, Sarajevo oder Istanbul. Jede Stadt behält als Andenken und Mahnung das Engelsbild als Beton-und-Stahl-Intarsie auf einem öffentlichen Platz.

Dabei wird die Form immer unter den Augen der Öffentlichkeit für den nächsten Ort hergestellt. Die Intarsie, die jetzt vor dem Rathaus eingelassen ist, entstand am 14. März in Herten. Die in Heiligenhaus gefertigte soll am 17. Mai in Duisburg vor dem Lehmbruck-Museum eingelassen werden.

Hintergrund
Wie die Künstler auf den Engel kamen

„Wir wissen, dass die Religionsvertreter miteinander reden“, sagen Carmen Dietrich und Gregor Merten. „Aber dieser interreligiöse Dialog spielt sich hinter verschlossener Tür ab.“

Der Engel und die Aktionen sollen den Worten des viel beschworenen interreligiösen Dialogs „ein klares Bild an die Seite stellen“. Infos online unter www.engel-der-kulturen.de

Doch es geht den Künstlern nicht bloß um das hergestellte Artefakt. Sie wollen, dass die ganze Vorbereitung vor Ort und die Verkettung der Städte miteinander eine sogenannte „soziale Skulptur“ ergeben, also im Sinne von Joseph Beuys Verständnis einer auf die Gesellschaft einwirkenden Kunst: die gesamte Situation und das Verhalten aller Beteiligten werden als Kunstwerk begriffen.

Eine der Dimensionen des Kunstwerks beschreibt Sonia Cohen, die im 50. Jahr des Bestehens „ihrer“ Realschule „für die Stadt ein Zeichen setzen“ wollte und die Aktion nach Heiligenhaus holte. Das Einzigartige sei die Wertegemeinschaft, zu der sich die beiden christlichen und die beiden muslimischen Geistlichen am Ort auf einer gemeinsamen Veranstaltung bekannt haben: „Alle vier haben sich zusammengetan und haben die gleichen Ziele erklärt.“

So sagte Mehmet Yildirim, der Gründers der hiesigen Ditib-Gemeinde: Sich auf gemeinsame Werte zu besinnen, sei der beste Weg, und nannte als Beispiele den Glauben an denselben Gott, Gastfreundschaft und Ehrlichkeit.

Fabian May

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2015-04-23 21:53
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