Krachmacher ziehen durch Hetterscheidt

Schulleiterin Christa Markus führt den Krachmacherumzug mit einer knapp hundertjährigen Schulglocke an.
Schulleiterin Christa Markus führt den Krachmacherumzug mit einer knapp hundertjährigen Schulglocke an.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit Vuvuzelas (die größer sind als ihre Träger), Rasseln und Trillerpfeifen bewaffnet, ziehen rund 300 Schüler durch Hetterscheidt.

Heiligenhaus..  „Meine Ohren werden es bereuen“, schießt es mir durch den Kopf, als sich der Karnevalsumzug langsam in Bewegung setzt. Die Krachmacher der Gerhard-Tersteegen-Grundschule machen ihrem Namen nämlich alle Ehre. Mit Vuvuzelas (die größer sind als einige ihrer Träger), Rasseln und Trillerpfeifen bewaffnet, ziehen rund 300 Schüler durch Hetterscheidt – und WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth steckt mitten drin.

Direkt in der ersten Kurve erwartet ein kleines Grüppchen die kunterbunte Kinderschar. Doch die Damen sind nicht nur zum Zugucken verdammt, sie sind ebenfalls Akteure dieses einmaligen Spektakels. Denn plötzlich regnet es händeweise Kamelle vom Himmel. Kaum haben die ersten bunten Bonbons den Boden berührt, stürzen auch schon die Kinder hinterher. Zugegeben, im ersten Moment fühlt sich dieser umgekehrte Brauch merkwürdig fremd an. Doch nach der dritten Fruchtgummidusche stellt sich auch bei mir diese kindliche Freude an Karneval wieder ein.

Anwohner werfen mit Kamelle

„Bei den ersten Umzügen haben die Leute nur aus dem Fenster hinter der Gardine hervor geguckt. Mittlerweile beteiligen sich immer mehr Anwohner. Sie haben ganz von allein angefangen, Süßigkeiten für die Kinder zu werfen“, weiß Schulleiterin Christa Markus – und betont: „Es ist schön, die Kinder strahlen zu sehen.“

Dass es nicht nur den Kindern der Grundschule Spaß macht, zeigt sich in der Lessingstraße. Hier stehen verkleidete Anwohner mit randvoll gefüllten Stofftaschen Spalier. Nach zehn Sekunden ist klar: Wenn man größer ist als 1,40 Meter, dann heißt es ducken, denn die Kamelle fliegen tief. In diesem Moment erweist sich meine Kostümwahl als außerordentlich praktisch. Schon nach kurzer Zeit sammeln sich in der Kapuze von Rotkäppchens Cape nämlich allerlei sündig-süße Dinge. Natürlich habe ich Gummibärchen, Sahnetoffees und Co an die fleißigen Sammler weiterverschenkt, die mich umkreisten wie wilde Indianer einen Marterpfahl.

Zwischenstopp in der Lessingstraße

In der Lessingstraße werden nicht nur die Kinder mit offenen Armen empfangen. Die Lehrerinnen können sich ebenfalls über den Zwischenstopp freuen. In einer Garage halten Anwohner heißen Kaffee und Kakao bereit.

Wieder an der Schule angekommen wartet Kathrin Schuster darauf, ihr Kind vorbei ziehen zu sehen: „Das ist eine tolle Tradition und es ist überhaupt nicht gefährlich für die Kinder. Hier kommt niemand unter die Räder.“ Jeder Autofahrer tritt auf die Bremse und zückt sein Handy, um das Treiben zu fotografieren. An Karneval ist eben immer Ausnahmezustand.