Klingende Last

Menschenmassen an der Hauptstraße: Beinahe die ganze Stadt wollte einen Blick auf die neuen Glocken erhaschen. Foto: Rieck
Menschenmassen an der Hauptstraße: Beinahe die ganze Stadt wollte einen Blick auf die neuen Glocken erhaschen. Foto: Rieck
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ansichtskarten erzählen Ortsgeschichte. Neue Glocken für die Stadt.

Heiligenhaus..  Menschenmassen umringen einen Pferdewagen. Was hier nach einem Spektakel aussieht, ist die Anlieferung der neuen Stahlglocken für die reformierte und die katholische Kirche. Diese Postkarte aus dem Jahr 1923 zeigt den Blick auf das Geschehen von Höhe des Hauses Hauptstraße 145. Die Pferdefuhrwerke schleppen ihre schwere Last Richtung Rathausplatz.

Im ersten Weltkrieg müssen die Gemeinden ihre Bronzeglocken abgeben. „Sie wurden eingeschmolzen, weil man das Metall für Rüstungszwecke benötigte“, erklärt Stadtarchivar Hartmut Nolte. Da die neuen Stahlglocken für die beiden Heiligenhauser Kirchen bei der gleichen Gießerei bestellt werden, erfolgt die Lieferung im Doppelpack – oder besser Fünferpack. Denn die reformierte Kirche ordert drei neuen Glocken, die katholische zwei. Mit dem Zug geht es von der Gießerei im Weimarer Land nach Wuppertal-Elberfeld. Dort warten bereits die Fuhrwerke, die die klingende Last nach Heiligenhaus bringen. Dort ertönen die neuen Glocken in der katholischen Kirche erstmals am Pfingstsonntag des Jahres 1923.

Wer anhand dieser und anderer Ansichtskarten eine kleine Reise in die Heiligenhauser Geschichte machen möchte, kann dem Stadtarchiv einen Besuch abstatten.