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Karneval

Keine kölsche Kopie

12.02.2012 | 16:04 Uhr
Keine kölsche Kopie

Heiligenhaus.   „Jeck und Keck“: Die Narren in Isenbügel feiern hausgemachten Karneval. Band „Die Notenlosen“ sorgt für Stimmung.

Ein schallendes Gelächter dringt durch die eisige Nacht. Über den Parkplatz der Adolf-Clarenbach-Grundschule stehlen sich merkwürdige Gestalten. Oben herum sind die Isenbügler Jecken nämlich dick eingepackt, aber das Beinkleid lässt bei vielen schon erahnen, was sie närrisches unter ihrem Mantel verstecken. Ob knackige Lederhosen oder schwarz-weiß gestreifte Sträflingsuniform, die Isenbügler sind auch in diesem Jahr wieder „Jeck und Keck“.

Karneval ist die mit Abstand skurrilste Zeit im Jahr. Wann sonst diskutieren ein weiß gewandeter Scheich und wahrlich ein raubeiniger Freibeuter darüber, ob nun Pils oder Alt das wahre Getränk im Glas ist. Letztendlich entscheiden sich beide dazu, erstmal einen Testschluck zu nehmen, bevor eine endgültige Entscheidung gefällt wird.

Nebenan schwingen ein mit Blumenketten behangener Hippie und ein Bayer zu den kölschen Klängen der Notenlosen ihre Hüften. Die Aula der Adolf-Clarenbach-Grundschule ist proppenvoll. „Wenn man die Isenbügeler ruft, dann kommen sie auch“, sagt Franz-Josef Artz, erster Vorsitzender des Bürgervereins, mit einem Lächeln.

Mittlerweile sei die Karnevalsveranstaltung zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Angefangen hatte das närrische Treiben allerdings im Jahre 1980 in einem kleinen Kreis: mit der privaten Feier von befreundeten Familien. „Bald wechselte der Veranstaltungsort in die die alte Dorfkirche und dann in die Aula der Grundschule“, so Artz. Im Jahre 1994 übernahm der Bürgerverein dann die Organisation der Narretei. „Wir wollen die Gemeinschaft in Isenbügel stärken und Traditionen pflegen“, erklärt der erste Vorsitzende des Bürgervereins. Das ist ihnen gelungen. Bei „Jeck und Keck“ geht die Karnevalssession in die 32. Runde.

Der „Schmied vom Berg“ in der Bütt

Das Programm der Narren ist „keine kölsche Kopie, sondern hausgemacht in Isenbügel. Und auch die Musik kommt dieses Mal von den Notenlosen aus Heiligenhaus“, sagt Franz-Josef Artz merklich stolz. Für die närrischen Sketche sorgen wieder einmal die „Namenlosen“ aus Isenbügel.

Ein alter Bekannter in der Bütt ist auch Dr. Gerd Strickmann, besser bekannt als „der Schmied vom Berg“. Nach einer kleinen Pause schwingt Strickmann 2012 wieder den Hammer und setzt zum Radikalschlag in der Politik an. Einer darf da natürlich nicht fehlen. In seiner Paraderolle als „Plagiator“ nimmt der Schmied vom Berg Karl-Theodor zu Guttenberg mächtig in die Zange. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, diesen Spruch kannte der Karl-Theodor wohl nicht“, stichelt Strickmann. Doch der ehemalige Verteidigungsminister ist nicht der Einzige, der die Pappnase aufgesetzt bekommt. „Auch Wagenknecht, Trittin und Henkel, gehen mir ganz einfach auf den Senkel“, reimt der Isenbügeler Büttenredner.

Ausflug in den Supermarkt

Zu einem Ausflug in den Supermarkt lädt „Real-istin“ Daniela Köller ein. Die Isenbügelerin gibt Flirttipps am Teeregal. Zwischen „purer Lust“ und „heißer Liebe“ bleibe einem gar nichts anderes mehr Übrig. „Aber die Supermärkte unterliegen nun mal dem Trend des Emotionings, oder wie meine Oma sagt, der Gefühlsduselei“, so Köller. Werbetechnisch sollen die Werbegesichter auf den Verpackungen zum Kauf anregen. „Käpt’n Iglo ist aber bestimmt nie zur See gefahren und Doktor Best ist kein Zahnarzt“, meckert die Real-istin und trifft damit voll den Lachnerv der Isenbügeler. Die Stimmung im Saal verrät, dass es nicht immer die großen Prunksitzungen in Köln oder Düsseldorf sein müssen, wenn es darum geht, ein gelungenes Karnevalsprogramm auf die Beine zu stellen.

Kirsten Gnoth

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