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Führerschein mit 17

Keine Kindsköpfe

19.02.2010 | 15:33 Uhr
Keine Kindsköpfe

Heiligenhaus.Seit dem Herbst 2005 haben Jugendliche ab 17 Jahren in Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit, an dem Projekt „Führerschein mit 17” teilzunehmen. Mehr als 300 000 Fahranfänger haben seitdem ihre Führerscheinprüfung abgelegt. Nun fordert Landesverkehrsminister Lutz Lienenkämper die Einführung des Führerscheins ab 17 auch bundesweit.

„Ich appelliere an alle jungen Leute, die eine Fahrerlaubnis erwerben wollen, vom Angebot des ‘Begleiteten Fahrens’ Gebrauch zu machen”, so der NRW-Verkehrsminister. Denn in Begleitung der Eltern zu fahren, biete den Jugendlichen mehr Sicherheit und Vorsicht im Straßenverkehr.

Dies findet auch Bernd Recker, Leiter der Fahrschule Recker/Schrödler am Südring. Die Nachfrage nach dem Führerschein ab 17 sei in seinem Betrieb mittlerweile größer als jene nach dem Führerschein ab 18, schildert der selbstständige Fahrlehrer seine Erfahrungen. Positiv sieht er das NRW-Projekt „Führerschein mit 17“.

Auch in der Fahrschule Rüsing an der Hauptstraße ist die Nachfrage nach dem Führerschein ab 17 groß: Schätzungsweise die Hälfte aller Fahranfänger möchte ihren Führerschein bereits vor der Volljährigkeit erwerben und damit ein Jahr in Begleitung ihrer Eltern fahren, bevor der Führerschein mit ihrem 18. Lebensjahr in den normalen umgetauscht wird. „Man denkt immer, 17-Jährige wären Kindsköpfe. Aber die Arbeit mit ihnen läuft genauso gut wie mit den 18-Jährigen“, bemerkt Michael Rüsing, Leiter der Fahrschule. Auch er war anfangs skeptisch, was das „Begleitete Fahren“ angeht, doch mittlerweile ist er von dem System überzeugt und steht hinter der Meinung Lienenkämpers.

Klaus Ringl von der Fahrschule Ringl zeigt sich ebenso den 17-Jährigen Möchtegern-Brummern aufgeschlossen: „Ich finde, die 17-Jährigen gehen mit einer viel größeren Motivation an die Sache Führerschein ran. Wahrscheinlich haben sie den größeren Ehrgeiz, dass sie den ‘Lappen’ schon mit 17 haben können – dann wollen sie keinen Monat verschwenden“, hat der Fahrlehrer festgestellt. Doch nicht nur die Motivation ist eine andere, auch die Risiko- und Fehlerbereitschaft macht offensichtlich bei Volljährig- und Nichtvolljährigsein den Unterschied. „Die jüngeren Kandidaten suchen mehr Hilfestellung während der Fahrstunde. Sie fragen häufiger, was zu tun ist, und versuchen um Fehler einen riesen Bogen zu machen. Die etwas Älteren möchten nicht so sehr geführt werden“, findet Ringl.

Und auch der Profi-Fahrer weiß: Die Statistiken zeigen, dass die Unfallrate bei den 17-Jährigen Führerscheininhabern und dem damit verbundenen begleiteten Fahren durchaus geringer ist. Nach nun drei Jahren, in denen die Minderjährigen die Fahrschule besuchen, sei der Ansturm aber bei ihm zurückgegangen. „Mittlerweile sind es noch ungefähr 30 Prozent der 17-Jährigen bei uns in der Schule”, sagt der Fahrschulinhaber.

Die Bilanz von Ringl ist aber nicht vollkommen positiv den jungen Fahrern gegenüber. Was nicht an den Fahrschülern liege, sondern an den Begleitumständen. Bedenklich sei, dass die Jugendlichen zwar schon früher berechtigt seien, ein Auto zu fahren, aber nicht in der Lage, eine Versicherung oder ähnlich formelle Dinge abzuschließen. „Bleibt also zu prüfen, ob das rechtlich alles so einwandfrei ist, wenn nicht geschäftsfähige Jugendliche Auto fahren dürfen”, räumt Ringl ein. Wirklich große Zweifel habe er bei den 17-Jährigen auf Deutschlands Straßen aber dennoch nicht.

Ob sich der Plan des Landesverkehrsministers durchsetzt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Fahrschulen in Heiligenhaus sind von dem Modellversuch, der dieses Jahr auslaufen wird, jedenfalls überzeugt.

Julia Roloff

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