Kein Platzverweis für Schnorrer
26.09.2012 | 17:31 Uhr 2012-09-26T17:31:00+0200
Heiligenhaus. Die WAZ hört nach: Fühlen sich Geschäftsleute und Passanten in der Innenstadt von Bettlern belästigt?
Deutsch spricht er nicht. Stumm sitzt der dunkelhäutige Mann mit dem schwarzen Vollbart an der Hauswand und hält Passanten seine umgedrehte Mütze entgegen. Noch liegen keine Münzen darin, Passanten eilen achtlos vorüber. WAZ-Leserbeirat Udo Weber ist der Bettler dennoch ein Dorn im Auge. „Auch wenn das jetzt vielleicht politisch nicht unbedingt korrekt ist.“
Verboten jedenfalls ist das Betteln laut Ortsrecht der Stadt Heiligenhaus nicht – so lange dadurch niemand belästigt wird (siehe Info). Ähnlich sehen es auch Passanten und Geschäftsleute. Vadim Achziger, Filialleiter des dm-Marktes, ist noch nicht einmal aufgefallen, dass da jemand unweit seines Ladenlokals den Hut hinhält und schaut erst einmal nach draußen. „Naja“, sagt er dann, „so lange niemand direkt vor unserem Eingang sitzt . . . er sitzt ja ein Stück abseits, das ist schon okay.“
Dem Filialleiter ist das Betteln an der Einkaufsstraße „relativ egal, so lange die Bettler nicht aufdringlich sind oder Kunden belästigen“. Eine Handhabe gebe es in diesem Fall ohnehin nicht: „Natürlich könnte ich rausgehen und den Mann bitten wegzugehen, aber ob er dann darauf reagiert, das steht ja auf einem anderen Blatt“.
„Mir macht das weniger aus, solange es nicht direkt vor der Ladentür ist oder Kunden belästigt werden“, sagt auch Heike Stinder vom Rewe-Markt nebenan. „Im Allgemeinen haben wir nichts dagegen – wenn die Bettler nicht gerade aufdringlich sind.“
Zwischen Mitleid und Bedenken
Das scheint aber nicht der Fall zu sein: Weder Heike Stinder noch Vadim Achziger können sich daran erinnern, aggressives Betteln vor ihrer Ladentür jemals erlebt zu haben oder von Kunden darauf angesprochen worden zu sein.
Auch die Passanten scheinen sich durch Bettler nicht sonderlich gestört zu fühlen. „So lange sie nicht aufdringlich werden“, sagt ein junger Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will – und fügt hinzu: „Geben würde ich denen aber nichts.“ Eine Seniorin ist anderer Meinung: „Das sind doch arme Menschen! Da kann man doch ruhig helfen!“ Dennoch befürchtet sie insgeheim: „Am Ende geben die das Geld vielleicht für Schnaps aus.“ Genau das befürchtet auch Leserbeirat Udo Weber: „Das habe ich selbst schon beobachtet, dass das Geld für Genussmittel ausgegeben wird.“ Weber ist der Meinung: „Wir sind nach wie vor ein Sozialstaat, wo man zum Amt gehen kann. Betteln hat in Deutschland niemand nötig!“
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