Kein Platz mehr für die Malschule Heiligenhaus

Petra Dreier und Michael Hanousek haben die Kündigung bekommen für ihre Malschule im Unterilper Schulgebäude
Petra Dreier und Michael Hanousek haben die Kündigung bekommen für ihre Malschule im Unterilper Schulgebäude
Foto: FUNKE Foto Services
Ende August beginnen die Bauarbeiten im Unterilper Schulgebäude. Künstlerpaar Dreier/Hanousek sucht dringend ein neues Atelier. Stadt hat keine Angebote.

Heiligenhaus..  In den großen Plastikboxen geht es kunterbunt zu: Tuben in allen Regenbogenfarben liegen darin kreuz und quer. Pinsel, Leinwände, Zeichenblöcke – sie sind gut in den Regalen verstaut. In einem Nebenraum lagern fertige und unfertige Produkte kreativer Menschen. Im Raum verteilt: Schultische und Stühle. Nachmittags scheint die Sonne herein. Und schaut man aus dem Fenster hinaus, liegt der Schulhof der ehemaligen Unterilper Grundschule unter einem. „Das ist unsere Malschule“, sagt Michael Hanousek stolz – und setzt traurig hinzu: „Für nicht mehr sehr lange Zeit.“

Denn bekanntermaßen wird das Gebäude wieder reaktiviert – die Oberilper Regenbogenschule bekommt in der Unterilp ein neues Zuhause. Die bisherigen Nutzer, u.a. die Erziehungsberatungsstelle, der ADFC und eben die Malschule Heiligenhaus müssen weichen.

Seit Februar 2010 gibt es einen Nutzungsvertrag mit der Stadt Heiligenhaus. „Es war klar, wenn irgendwann die Räume von der Stadt gebraucht werden, ist das hier zu Ende“, erklärt Petra Dreier. Allerdings rechnete das Künstlerpaar aus Düsseldorf eher mit einem Verkauf der Immobilie. Als sich nichts tat und die vierwöchige Kündigungsfrist bald in eine dreimonatige umgewandelt wurde, richteten sich die beiden auf einen längeren Aufenthalt ein.

Fünfeinhalb Jahre sind es geworden. Doch am 31. August soll nun Schluss sein. Während die anderen Nutzer alternativ vermutlich in das demnächst leer stehende Schulgebäude in der Oberilp umziehen können, finden Dreier/Hanousek zu ihrem Leidwesen dort kein Unterkommen. Der Platz sei anderweitig verplant, haben sie von der Stadt erfahren. Das möchte Michael Beck in seiner Funktion als Schuldezernent nicht bestätigen. In punkto Schulumzug sagt er aber: „Nach der Stadtranderholung wollen wir mit Hochdruck mit den notwendigen Sanierungen in der Unterilp beginnen.“ Deshalb müssten die Räume frei sein.

80 Quadratmeter Klassenraum plus gut 25 Quadratmeter Keller stehen der Malschule derzeit zur Verfügung. „Wir möchten eigentlich in Heiligenhaus bleiben. Und der Bürgerverein Unterilp hat vom Bürgermeister die Zusage bekommen, dass alle wieder in der Oberilp ihren Platz finden“, sagt Petra Dreier. Davon sei mittlerweile keine Rede mehr. Die Stadt hat ihnen stattdessen den Bahnwaggon an den Silos offeriert plus 18 Quadratmeter in einem der Silo-Räume. „Das kann es nicht sein“, sagt Michael Hanousek, der gebürtige Tscheche, der seit 1987 mit seiner Frau künstlerisch tätig ist.

Die Malschule hat Kunden aus Ratingen, Wülfrath, Düsseldorf, Velbert, Mettmann. In Duisburg betreuen sie ein Sozialprojekt. Ein Umzug wäre da nur die zweitbeste Lösung, „denn in Heiligenhaus fühlen wir uns wohl“.

Deutschland unter der Haube

Aktuell beteiligen sich die Künstler Petra Dreier und Michael Hanousek an einem nationalen Kunstprojekt, das am 3. Oktober am einstigen DDR-Grenzkontrollpunkt Helmstedt / Marienborn gezeigt werden soll: 60 Autohauben von 60 Künstlern sollen symbolisch für die Teilung bzw. die Einheit Deutschlands stehen und „unter die Haube“ gebracht werden.

Der „Tag der Deutschen Einheit“ erinnert jedes Jahr an die historischen Ereignisse Anfang der 1990er Jahre in Deutschland. Seit Mauerfall und Wiedervereinigung hat sich in unserem Land in Sachen Einheit viel Positives getan, und vielerorts sind Fortschritte sichtbar. Dennoch gibt es noch eine Reihe gesellschaftlicher, mentaler sowie wirtschaftlicher Unterschiede.

Das äußerst vielschichtige Thema „Deutsche Einheit“ greift das Projekt „Deutschland unter die Haube“ eben jetzt mit künstlerischen Mitteln und mit Hilfe des „liebsten Kindes“ der Deutschen auf. 60 Künstlerinnen und Künstler werden bis zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit insgesamt 60 Autohauben individuell gestalten. Jeweils 20 Hauben stammen von der ehemaligen DDR-Marke „Trabant“ und werden von westdeutschen Künstlern bearbeitet, vom in der Wendezeit im Westen weit verbreiteten „Golf II“ und werden von den Ostdeutschen bearbeitet, sowie vom „VW Käfer“, der weltweit als das Symbol des so genannten „Wirtschaftswunders“ in der BRD gilt und von den Kreativen der Nachbarstaaten bearbeitet werden. Dreier/Hanousek haben eine Käfer-Haube bekommen, weil Hanousek gebürtiger Tscheche ist. Eine Seite ist schon mit Farbe versehen, die andere Seite muss noch warten – wegen der Ateliersuche.