„Katz und Maus“-Spiel am Himmel

Zum ersten mal schlugen die Messgeräte des „Naxburg“-Empfängers in der Nacht vom 21. auf den 22. September 1943 aus. Die Lauscher des Maibaums konnten den Flugweg eines Mosquitos in 150 Kilometern Entfernung auf ein Grad genau verfolgen. Als andere Funkmeß-Beobachtungsstellen (kurz FuMB) im Frequenzbereich bei 240 MHz die Morsezeichen A, B, C, D und ST mit jeweils zwei Minuten Abstand zueinander entdeckten, stand kurz darauf auch im Maibaum ein Empfänger für diesen Frequenzbereich.

Nun konnte der Verdacht der Funkführung für Mosquito-Bomber bestätigt werden. Vergleiche mit Aufzeichnungen über Bombenabwürfe im Ruhgebiet ließen Parallelen zu den Morsezeichen erkennen. Nachdem alle Puzzleteile zusammengesetzt wurden, war klar: ST war das von England aus gesendete Signal für den Bombenabwurf über dem Ziel. Die Zeichen A, B, C und D gaben dem Piloten die Zeit bis zum Abwurf an. Damit legte die Heiligenhauser Funkmeß-Beobachtungsstellung den Grundstein dafür, dass die Flugrouten der Bomber schneller erkannt und die Menschen im Gefahrenbereich rechtzeitig gewarnt werden konnten

Jetzt wo das sogenannte „Oboe“ beziehungsweise von der Wehrmacht als „Bumerang“ bezeichnete Navigationssystem geknackt war, mussten die Deutschen sich etwas überlegen, um die Mosquitos erblinden zu lassen. „Die Angriffssignale wurden von den Nachrichtenhelferinnen an den Stördienst weitergeleitet. Außerdem halfen sie den Störstellen dabei, die richtige Sendefrequenz der Störsender einzustellen“, weiß Jürgen Stecher. Lange unentdeckt blieb das bei den Briten allerdings nicht. Wie bei einem „Katz und Maus“-Spiel erhöhten sie im Gegenzug immer wieder die Sendefrequenzen um den großen Ohren des Maibaums zu entgehen.