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Quadrokopter kreisen

Inspektion aus der Luft

14.04.2010 | 16:59 Uhr
Inspektion aus der Luft

Heiligenhaus.Ein weißes Fluggerät mit vier Armen und kleinen Rotoren kreiste am Mittwochmorgen über der Pfarrkirche St. Ludgerus. Kein Modellflugzeug und kein Ufo surrte da durch die Luft, sondern ein Quadrokopter. Mit einer Kamera ausgerüstet suchte der das Kirchendach nach Schäden ab.

„Ich find’ das super scharf!“, sagt Michael Nix und verfolgt den akkubetriebenen Flieger mit den Augen. Der Verwaltungsreferent der katholischen Pfarrgemeinde hat den Kontakt zu Peter Loef hergestellt. Das ist der Mann an der Fernsteuerung, über die der Quadrokopter gelenkt wird. Der Mintarder ist gelernter Vermesser und Geschäftsführer der Cenalo GmbH, die auf der Suche nach neuen Einsatzmöglichkeiten für die Quadrokopter ist und diese als Dienstleistung anbietet. Eine Win-Win-Situation: Die noch junge Herner Firma testet die Geräte bei der Dokumentation von Gebäudeschäden, die Heiligenhauser Gemeinde erhält kostenlos einen Überblick über den Stand der Dinge.

Das Angebot kam der katholischen Pfarrgemeinde wie gerufen: „Wir wissen, dass die Kirchendächer sanierungsbedürftig sind“, sagt Rolf Hitzbleck vom Kirchenvorstand, „und so können wir uns die Schäden jetzt sehr genau anschauen.“ Auch dafür war ein Fachmann vor Ort: Dachdecker Andreas Lilienthal. „Absolut spannend“, findet er diese Art der Inspektion. Wie alle Zuschauer am Boden beobachtet er fasziniert den kleinen Flieger neben dem Kirchturm. So mancher würde da gern mal die Fernsteuerung übernehmen. „Da kommt sofort das Kind im Manne raus“, weiß Doris Kolem.

Anmeldung beim Ordnungsamt notwendig

Der Einsatz der fliegenden Kameras ist indes nicht ganz billig. Ein halber Flugtag mit dem kleinen Quadrokopter, der dank des Materials Carbon nicht mal ein Kilo wiegt, kostet Auftraggeber normalerweise etwa 510 Euro. „Darin ist dann auch die ganze Abwicklung enthalten“, sagt Mitarbeiterin Doris Kolem, „inklusive Genehmigung.“ Jeder Einsatz müsse zum Beispiel vom örtlichen Ordnungsamt abgesegnet werden. Geregelt ist auch die maximale Flughöhe des Geräts: 100 Meter – mehr sei in Deutschland nicht zulässig.

Dass man mit der Technik aus dem Modellflug auch Geld verdienen kann, will das Unternehmen Cenalo unter Beweis stellen. In Herne hat die 2009 gegründete Firma ihren Sitz. Kein Wunder also, dass die Quadrokopter auf der Cranger Kirmes einen ihrer ersten Einsätze hatten: Aus der Luft lieferten sie Bilder vom Jahrmarkttrubel. Für Geschäftsführer Peter Loef und seine beiden Mitarbeiter sind allerdings noch ganz andere Einsatzmöglichkeiten denkbar wie die Inspektion von Schäden in luftiger Höhe, die Dokumentation von Großbaustellen oder Streckenverläufen. Ein Gebiet, auf dem sich Cenalo ebenfalls umtut, ist der Einsatz im Dienste der Wissenschaft.

Die Technik
Aus dem Modellbau

Quadrokopter werden aus Carbon von Hand gefertigt. Hersteller ist die Siegener Microdrones GmbH. Ferngesteuert werden die Fluggeräte mit einem tragbaren Pult, wie man es aus dem Modellbau kennt. In einer Halterung können Kamera, Videogerät oder Messgerät befestigt werden werden. Die aufgenommenen Bilder oder Daten werden auf ein Laptop übertragen, können aber auch auf eine Videobrille gespielt werden.

„Wir sind bei der Innovations-Allianz der NRW-Hochschulen dabei“, sagt Mitarbeiterin Doris Ko­lem und verweist auf die Möglichkeiten im Umweltschutz. Bilder aus der Luft zu liefern, sei da nur der erste Schritt. „Mit einer Umweltsensorik sind auch Spektralaufnahmen möglich.“ Diese könnten etwa bei der Gewässerüberwachung wichtige Erkenntnisse liefern. Mit den Quadrokoptern will man „die Lücke zwischen Boden und Himmel füllen“, zwischen herkömmlichen Fotos und Luftbildern.

Dass solche Quadrokopter alles andere als ein Spielzeug sind, lässt sich nicht zuletzt am Preis ablesen: Knapp 30 000 Euro kostet die kleine Version, rund 50 000 die große – dafür fliegt die aber auch bis zu 80 km/h schnell und ist weniger windanfällig.

Sabine Kreimeier

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