In Schulen bleibt das Handy aus

Vor dem Eintritt ins Schulgebäude ist das Handy in der Hand selbstverständlich – doch schon beim Handy auf dem Schulhof gibt’s Unterschiede.
Vor dem Eintritt ins Schulgebäude ist das Handy in der Hand selbstverständlich – doch schon beim Handy auf dem Schulhof gibt’s Unterschiede.
Foto: Essen
Das Gymnasium soll ein Ort „persönlicher Kommunikation“ sein. Die Realschule wählte die „Mittel-Lösung“: drinnen nein, auf dem Schulhof ja.

Heiligenhaus..  In Bus oder Bahn kann man neben Schülern schon mal grübeln: Kommen sie wohl gleich lebend über die Straße? Den Blick fixiert auf kleine oder kleinste Displays, die Finger in fliegender Bewegung. Ist die Schule doch noch sicher erreicht, sollte damit aber Schluss sein – oder? Gelten Handys und Smartphones dort womöglich als nützliches Instrument im Unterricht? Eine Umfrage bei den Leiterinnen der weiterführenden Schulen in Heiligenhaus.

Spielen und sich bewegen

Ihre Schule, das Immanuel-Kant-Gymnasium, definiert Rektorin Britta Berschick als „Ort der persönlichen Kommunikation“. Die Konsequenz: Mobiltelefone bleiben aus. „Insbesondere auf dem Schulhof ist es wichtig, dass sich die Schüler austauschen – und nicht nur aufs Handy starren“, so die Schulleiterin und Lehrerin für Biologie, Deutsch und katholische Religion. „Die Kleinen sollen spielen und sich bewegen.“ Deshalb gilt auch draußen das Handy-Verbot, wie von der Schulkonferenz beschlossen.

Für Notfall-Nachrichten gebe es im Gymnasium das Sekretariat. „Ausgeschaltet in der Tasche“, so Britta Berschick, dürfe das Handy aber schon in die Schule. „Wir haben ja genügend Fahrschüler, die es nach dem Unterricht brauchen.“

Eine Sonderregelung gilt für die Gymnasiasten der Oberstufe: Sie dürfen „elektronische Abspielmedien“, wie die Schulleiterin sagt, in der Mensa und im Selbstlernzentrum nutzen. „Aber nicht in den Gängen und auf dem Schulhof“. Die Abiturienten in spe sollten Vorbild sein für die Jüngeren, betont die Rektorin.

An der Realschule verständigten sich Schüler, Eltern und Lehrer auf eine „Mittel-Lösung“, wie Sonia Cohen sagt. Im Gebäude gilt das Handy-Verbot; auf dem Schulhof sind die Mobiltelefone erlaubt. „Durch diesen Freiraum“, erklärt die Realschul-Leiterin, „hat die Spannung abgenommen“.

Im Einsatz gegen Mobbing

Sonia Cohen ist das Janus-Gesicht der neuen Technik sehr bewusst: Einerseits seien Smartphones und ihre Weiterentwicklungen „Instrumente der Zukunft“. Andererseits fürchten Schüler – und Lehrer – virtuelle Beleidigungen und demütigende Bilder. Ja, schlechte Erfahrungen dieser Art hatte die Realschule bereits hinter sich.

„Wir konnten es zum Glück mit unserem Sozialpädagogen schnell bearbeiten“, sagt Sonia Cohen. Er sei „nah dran an den Schülern“. Und die Schulleiterin ist jenen Realschülern dankbar, die anonym auf Mobbing-Tendenzen aufmerksam machten.

„Schwarze Pädagogik“, wie die Lehrerin für Mathematik, Musik und evangelische Religion sagt, helfe dagegen aber nicht: „Wir versuchen, die Technik nicht zu verteufeln.“ Sind schicke Smartphones denn nach wie vor Statussymbole? Sonia Cohen kennt den minderjährigen Besitzer eines 800 Euro teuren iPhones. Und sie erzählt von einem Zehntklässler, „der weinend zusammenbrach“, als sie sein kleines Technikwunder konzipierte. Der Jammer des 16-Jährigen: „Ohne mein Smartphone kann ich nicht leben.“

Gesamtschule folgt dem SV-Vorschlag

Über die jungen Handy-Sünder an der Gesamtschule hat Gabriele Arnsmann den besten Überblick: Denn wer im Unterricht simst oder surft und sich dabei erwischen lässt – der erhält sein handliches Statussymbol erst nach einem Gespräch mit der Schulleiterin zurück.

Klingt streng? Dabei praktiziert die Gesamtschule im Vergleich der drei weiterführenden Schulen das liberalste Handy-Regime – inklusive WLAN für die Schüler. Das gültige Regelwerk hatte die Schülervertretung (SV) selbst erarbeitet: In den Unterrichtsräumen und in der Mensa sind Handys verboten, erläutert Gabriele Arnsmann, „aber in den Fluren und auf dem Schulhof erlaubt“. Einen Aspekt dieser Lockerung sieht die Lehrerin für Biologie, Chemie, Deutsch und Geografie kritisch: Gerade die Jüngsten seien von ihrem ersten Handy oft derart fasziniert, dass sie in den Pausen nichts anderes mehr wahrnehmen: „Die Aufsicht sollte dann die Kinder anregen: Spielt eine Runde, bewegt Euch!“

Ansonsten sei „der Missbrauch stark zurück gegangen“, weiß Gabriele Arnsmann. Auch Mobbing mit dem Mobiltelefon war noch kein Thema an der Gesamtschule. Sie habe „außerhalb des Schultages“ davon gehört, so Schulleiterin. Ein Krisenteam um den Sozialpädagogen konnte es richten.