Herr der kleinen Ringe
27.07.2012 | 16:36 Uhr 2012-07-27T16:36:00+0200
Heiligenhaus. Die Olympischen Spiele beginnen heute in London. Alexander Klein war als Trainer beim Pendant für kleine Länder dabei: als Trainer der Tischtennis-Mannschaft von Liechtenstein.
In die Seite seiner Kappe ist „Liechtenstein“ eingestickt, daneben ein Bild der Olympischen Ringe. Das Geheimnis dahinter: Alexander Klein war Trainer der Liechtensteiner Tischtennismannschaft und nahm an den „Spielen der kleinen Staaten von Europa“ teil. Im Interview mit WAZ-Mitarbeiterin Kirsten Gnoth lässt er die Spiele Revue passieren.
Beginn aller Olympischen Spiele, ob klein oder groß, ist die Eröffnungsfeier. Wie fühlt sich so ein Einmarsch an?
Eigentlich ist er cool ohne Ende. Aber für mich bedeutete so ein Einmarsch immer puren Stress. Ich musste alles koordinieren und strukturieren. Die Spieler konnten das mehr genießen. Sie hatten auch während der Spiele mehr Freizeit in der Freizeit. Ich musste ständig gucken, wann wir dran sind, und die Trainingszeiten koordinieren.
Nur die Wenigsten haben schon an Olympischen Spielen teilgenommen. Wie sind Sie an den Posten gekommen?
Das war Zufall. Ich war Trainer einer Bochumer Zweitliga-Mannschaft, und die Liechtensteiner hatten das gleiche Trainingslager wie wir. Die Leistungsunterschiede waren riesig – wir waren deutlich besser als Liechtenstein. Das sind alles nur Hobbyspieler. Ich wurde gebeten, mich um sie zu kümmern, und das fanden die Spieler gut. So bin ich Trainer geworden.
Auch bei den „kleinen Spielen“.
Liechtenstein war immer dabei, wir haben dann noch eine Tischtennismannschaft angemeldet. Qualifizieren braucht man sich bei den Spielen der kleinen Staaten Europas nicht. Sie sind extra dafür gemacht, damit kleine Länder mit weniger als einer Million Einwohner auch eine Chance haben. Bei den großen Spielen würden sie untergehen. Liechtenstein hat so viele Einwohner wie Heiligenhaus.
Klingt, als wäre es eine sehr familiäre Veranstaltung.
Das ist ja das Schöne daran. Wir sind immer geschlossen mit den ganzen Liechtensteiner Teams aus allen Disziplinen hingefahren. Man kennt sich einfach. Die Sportler besuchen öfter die Wettkämpfe der anderen. Ich denke nicht, dass das bei den großen Olympischen Spielen auch so ist. Das Verhältnis zu den Gegnern war auch immer super. Klar hat man sich im Wettkampf ordentlich beharkt, abends saßen wir dann aber wieder bei einem Bier zusammen.
Wie bereiteten Sie die Spieler vor?
Die Leistungsunterschiede sind groß. Einige haben Profis für ihr Land eingekauft. Aber jede Mannschaft kämpft, auch wenn es bei einigen einfach um das Dabeisein geht. Weil es so überschaubar ist, kannte ich die Gegner meistens und konnte entsprechende Spieler mitnehmen. Haben wir gegen einen sehr defensiven Gegner gespielt, habe ich mit einem Defensiven gekontert. Coachen am Tisch war verboten. Aber Dinge wie „Das war gut“ durfte ich sagen, dann wusste der Spieler, dass er so weitermachen soll. Es gab Trainer, die mit Gesten wie Sonnenbrille auf- und absetzen gearbeitet habe: Sonnenbrille ab, und vom Gegner kam ein langer Aufschlag. Blöd nur, wenn man die Taktik durchschaut.
Sie haben dreimal teilgenommen. Was waren Ihre schönsten Spiele?
Monaco 2007 war sehr interessant. Nehmen Sie ganz Heiligenhaus und packen es auf die Fläche der Heide – so ist Monaco. Es gab nicht genug Hotels für alle, deswegen lag ein Luxusliner im Hafen, da waren die Spieler untergebracht. Der Einmarsch fand auf der Formel 1 Grand Prix Strecke statt.
Aus London könnten Sportler die eigens designte Bettwäsche mitnehmen. Haben Sie ein Souvenir behalten? Medaillen gab es für Sie ja leider nicht.
Einmal sind wie ganz knapp an einer Medaille vorbei geschrappt. Aber die Erinnerungen bedeuten viel mehr als solche Mitbringsel. Wir wurden mit einem Satz extra Sportkleidung ausgestattet, die durften wir behalten. Auf der Jacht in Monaco waren Fähnchen auf jedem Deck angebracht, und nach zwei Tagen waren alle weg. Das fand ich schade, das hat das Flair irgendwie kaputtgemacht.
Kam mit der der Abschlussfeier die Entspannung?
Ja, da war alles vorbei und ich hatte den Kopf frei. Den Abschluss habe ich richtig genossen, konnte endlich sehen, was um mich herum passiert. Ich vermisse das schon, aber im Moment bleibt einfach keine Zeit für dieses Hobby.
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