Heiligenhauserinnen sind Freunde fürs Leben

Ellen Fromm und Gertrud Schmidt haben sich nach all den Jahren noch immer eine Menge zu erzählen.
Ellen Fromm und Gertrud Schmidt haben sich nach all den Jahren noch immer eine Menge zu erzählen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ellen Fromm und Gertrud Schmidt saßen in der Grundschule nebeneinander, studierten gemeinsam in Münster und treffen sich noch immer regelmäßig.

Heiligenhaus..  Wer erinnert sich nicht an den ersten Schultag? Bei Gertrud Schmidt (60) und Ellen Fromm (57) ist es eine ganz besondere Situation. „1969 war das. Die Lehrerin hat froh und munter die Sitzplätze verteilt“, weiß Gertrud noch ganz genau. „Von Anfang bis Ende haben wir immer nebeneinander gesessen“, ergänzt Ellen mit einem Lächeln auf den Lippen, denn heute sind sie immer noch befreundet.

Der Klassenverband auf dem Gymnasium sei damals ausgezeichnet gewesen, aber die beiden hatten auch darüber hinaus noch so einiges gemeinsam und verstanden sich von Anfang an gut. Vor allem musste man sich in der neuen Schulform erst mal zurecht finden.

Zusammen haben sich Gertrud und Ellen „ganz gut durch die Schulzeit geschlagen“ und die Aufgaben beim Lernen aufgeteilt: Gertrud hat im Unterricht fleißig mitgeschrieben, während Ellen die Nachbereitung übernahm. Ein perfektes Team. Wenn man Ellen näher kennt, hört man oft Geschichten wie diese: „Gertrud konnte quatschen, stricken und zuhören gleichzeitig, aber ich wurde sofort ermahnt, wenn ich nur einen Mucks gemacht habe!“

Nach dem Abitur sollte es direkt ins Studium gehen. „Öffne du den Brief zuerst.“ – „Nein, du öffnest ihn zuerst.“ Es sei ein Wunder, dass beide in Münster angenommen wurden, sagen sie nachdenklich. Durch getrennte Wege wäre das Leben sonst sicher anders verlaufen.

Auch in der gemeinsamen Wohnung wurden die Aufgaben aufgeteilt. „Ellen hat es gehasst, Fenster zu putzen. Also hat sie die Küche gemacht“, erzählt Gertrud. „Man sollte meinen, dass es mal eine Krise gab, aber aufgrund zweier verschiedener Zimmer gab es keine richtigen Streits“, berichtet Gertrud von dem aufregenden Studentenleben. Außerdem arbeitete Ellen immer morgens und Gertrud ist ein Nachtmensch. Die Freundinnen kamen sich also nicht in die Quere. Es hat nicht immer nur eine nachgegeben. Beide sind der Meinung, in einer Freundschaft müsse man auch Kompromisse machen.

In den Semesterferien nutzten die Studentinnen die Zeit, um Geld zu verdienen. Das Arbeiten auf Fehmarn war aber auch gleichzeitig Entspannung, weil man am Ende des Tages an den Strand ging.

„Weißt du noch? Der Pflaumenkuchen in der Backhaube von deiner Oma?“ – „Genau, da standen dann einige Surfer an unserer Tür und haben sich selbst eingeladen“, erinnert sich Ellen lachend.

Fast wie ein altes Ehepaar

Auf Fehmarn hat Gertrud ihren Mann kennengelernt, weswegen sie später nach San Francisco zog. Weil Ellen zu dieser Zeit Flugbegleiterin war, konnte sie ihre Freundin am anderen Ende der Welt öfter besuchen als dann später in der Zeit, als sie nur zwei Stunden voneinander entfernt wohnten. Das macht ihre Freundschaft aus, glauben sie. Heute gibt es zwar kein jährliches Ritual, aber die Lehrerin und die Ganztagskoordinatorin treffen sich regelmäßig zum gemütlichen Quatschen am bunt gedeckten Frühstückstisch. Dann reden sie über alte Zeiten oder handarbeiten zusammen.

Bevor Ellen ihren Satz beenden kann, brechen alle in Gelächter aus: „Wir sind schon so lange verhei…“ Die beiden Vertrauten sind also wie ein Ehepaar, zumindest wie Schwestern. Wenn sie sich Ratschläge geben, dann kennt der andere die Antwort oft schon. Sie sind sich in dem Punkt einig, was sie an der Freundschaft am meisten schätzen: das gemeinsam Erlebte, Toleranz und Zuverlässigkeit.