Heiligenhauser springen gern früh ins Schwimmbecken

Frühschwimmerin Hanna Dimkic (rechts) plaudert gerne morgens mit anderen Sportlichen im Becken.
Frühschwimmerin Hanna Dimkic (rechts) plaudert gerne morgens mit anderen Sportlichen im Becken.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hanna Dimkic geht seit 28 Jahren zu Zeiten, wo viele noch im Bett oder am Frühstückstisch sitzen, ins Heljens Bad. Hier zieht sie fleißig ihre Runden.

Heiligenhaus..  Sechs Uhr in der Früh. Ich mache die Augen auf und realisiere, dass ein langer Tag vor mir liegt. Er fängt an mit etwas Ungewöhnlichem. Eigentlich kein toller Grund um aufzustehen. Ich habe einen Termin mit einer Frühschwimmerin im Heljens Bad – ob sie sich auch gerade quält, aus dem Bett zu kommen? Wer weiß. Das Ungewöhnliche ist aber auch etwas Besonderes, das mich dann doch aus den Federn lockt. Ich werfe mich jedenfalls in meinen Badeanzug und fahre ins Schwimmbad.

Die Dusche ist warm, das ist doch schon mal was, denke ich mir. Ob das Wasser eine ähnliche Temperatur hat? Um herauszufinden, wie es ist, morgens vor der Schule schon zu schwimmen, muss ich wohl reinspringen. Gesittet nehme ich aber stattdessen die Leiter und treffe auch direkt meine Interviewpartnerin an: Hanna Dimkic, fast 80 und noch ziemlich fit.

Es stellt sich heraus: Das Frühschwimmen ist gar nicht so schlimm, sogar sehr unterhaltsam, denn man ist ja nicht der Einzige in dem großen Becken. Doch was treibt einen Menschen an, fast jeden Morgen aufs Neue in das nasse Becken zu hüpfen?

Seit 28 Jahren macht Hanna Dimkic schon ihr Sportprogramm vor allem anderen. Damals, als ihr Mann verstorben war, brauchte sie Ablenkung; weil dann auch noch alle vier Kinder aus dem Haus waren, wollte sie etwas Neues starten und entschied sich für den Wassersport. Sie fühlt sich auch sehr wohl, denn Bewegung braucht jeder. „Das Schönste ist aber, wenn man hier morgens so freundlich begrüßt wird. Die Atmosphäre ist toll“, verrät mir die 79-Jährige.

Während ich mich zugegebenermaßen konzentrieren muss, gleichzeitig zu schwimmen und zu reden, denkt die erfahrene Schwimmerin „nur an schöne Sachen“, zum Beispiel an den Rest des Tages, wenn sie nämlich Freunde und Bekannte im Altenheim besucht oder gute Freundinnen zum Einkaufsladen bringt, die nicht mehr Auto fahren. Ansonsten engagiert sich Dimkic auch in der evangelischen Kirchengemeinde und betreut Senioren. Ihr gefällt es, zuzuhören und anderen zu helfen.

Motivation und Fröhlichkeit hat die Dame also genügend – diese Motivation auf andere zu übertragen, ist zwar ein wenig schwierig, aber das stört sie nicht, denn beim Schwimmen hat sie eine gute Bekannte kennengelernt: Monika Hohkamp.

Sie schätzt sich selbst als spontaner Mensch ein und findet es schade, dass im Vergleich zu früher morgens so wenige Leute im Schwimmbad anzutreffen sind. „Das Bad muss erhalten bleiben“, appelliert sie an die Jungen, die das Schwimmen lernen sollen.

Zum 50. Geburtstag des Bades erinnert sich Hanna Dimkic noch freudig an die ersten Jahre, als ihr Mann den Kindern die Armbewegungen im Wasser beibrachte. Nach einem angeregten Gespräch mache ich mich fertig für die Schule und kann mir durchaus vorstellen, öfter früh am Morgen in der Selbecker Straße aufzukreuzen. Das Schwimmen macht den Kopf frei. Und vielleicht stellt sich dann bei mir auch der innere Wecker ganz von selbst – wie bei einer Schwimmerin, die das schon 28 Jahre lang eisern durchzieht. Eine Inspiration war die reizende alte Dame in jedem Fall.