Heiligenhauser Schüler und Räder auf dem Prüfstand

Fahrradtraining in Hetterscheidt mit den Grundschulklassen: Nur wenn alle Räder in Ordnung sind, geht’s zur Fahrpraxis auf die Straße.Foto:Heinz-Werner Rieck
Fahrradtraining in Hetterscheidt mit den Grundschulklassen: Nur wenn alle Räder in Ordnung sind, geht’s zur Fahrpraxis auf die Straße.Foto:Heinz-Werner Rieck
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Was wir bereits wissen
Verkehrserziehung und Fahrradprüfung stehen für alle Viertklässler auf dem Lehrplan. Die Kinder lernen im Training mit Polizei und Lehrern.

Heiligenhaus..  Große Aufregung herrscht auf dem Schulhof der Gerhard-Tersteegen-Schule, als um kurz vor Acht die Viertklässler auf ihren Fahrrädern heran rollen. Ein Junge richtet seinen Helm, ein Mädchen befreit sein Fahrrad von einem großen Schloss, und im Hintergrund schallt eine freudige Geräuschkulisse aus erwartungsvollem Getuschel und einem Orchester angeschlagener Fahrrad-Klingeln. Kein Wunder, dass die Schüler sich auf diesen Tag freuen. Immerhin beginnt gleich ein Fahrradtraining, bei dem es auch auf die Straße geht.

Alle Tricks und Kniffe zum sicheren Fahrradfahren erlernen die Kinder der Grundschule bereits seit der ersten Klasse. Schon die Kleinsten trainieren regelmäßig auf dem Schulhof, um mit dem Zweirad immer vertrauter zu werden. „Von Beginn an werden in diesem Rahmen Dinge wie der Schulterblick oder das Handzeichen geübt“, weiß Angelika Bisek. Die Lehrerin der Gerhard-Tersteegen-Schule unterrichtet eine der beiden vierten Klassen und ist sich sicher: „Auf der Strecke müsste das dann jeder können.“

Bevor es allerdings auf die Straße geht, überprüft Polizeioberkommissarin Susanne Wulf noch einmal jedes Rad. Immerhin haben die 44 Schüler ihre Drahtesel alle selbst mitgebracht. „Wohin möchtest du denn leuchten?“, fragt Susanne Wulf einen Schüler, dessen vordere Lampe in Richtung des Fahrradrahmens zeigt. Schulterzucken als Antwort – aber dieses Problem lässt sich glücklicherweise zügig lösen.

Die Polizistin legt ihr Augenmerk neben solchen Fällen vor allem auf die Bremsen. „Auch wenn die Kinder bereits einen Aufkleber haben, der die Fahrtüchtigkeit des Rades bestätigt, prüfe ich vor jeder Fahrt nochmals die Bremsen“, erzählt die Verkehrssicherheitsberaterin für die Stadt Heiligenhaus. In Hetterscheidt erscheint dieser Schritt besonders wichtig, führt die Strecke doch bergauf und bergab, vorbei an parkenden Autos und darüber hinaus in Kontakt mit allen echten Verkehrsteilnehmern, vom Fahrzeug bis zum Fußgänger.

Ein Fahrrad, das nicht verkehrstüchtig ist, darf auf der Strecke nicht zum Einsatz kommen. Die Viertklässler allerdings sind gut vorbereitet, ihre Räder sind vollzählig bereit zum Einsatz. „Ja!“, freut sich der zehnjährige Felix nach der Begutachtung seines Rades. „Meins ist schon zum dritten Mal gut.“

Also kann es schnellstens auf die Straße gehen. Bis zum Startpunkt hin schieben die Kinder ihre Fahrräder, danach geht es der Reihe nach in den laufenden Verkehr. An markanten Punkten stehen Streckenposten in grell orangefarbenen Westen, damit die Kinder sich orientieren können. Die Eltern, die an diesem Vormittag die Aufgabe der Posten übernehmen, helfen gerne.

„Es ist schön zu sehen, wie die Kinder sich entwickeln“, sagt Kerstin Mann. Ihr Sohn reiht sich unter die Fahrradprüflinge und fährt auch in seiner Freizeit häufig mit dem Rad. Kerstin Mann, die an einer Stelle steht, an der die Kinder sich einordnen und links abbiegen müssen, unterstützt das Training, „damit die Kinder lernen, richtig auf der Straße zu fahren“.

„Also ich bin eh lieber draußen und nicht drinnen am Computer“, sagt Joēl. Der Zehnjährige radelt gerne mit Freunden. Joy fährt hingegen meistens zusammen mit ihren Eltern: „Oft mit Papa, manchmal nehmen wir auch Mama mit“, so die Neunjährige. Vor der Prüfung Anfang Juni ist Joy nicht aufgeregt. „Bestimmt erst ganz kurz davor“, vermutet die Schülerin. Nervös braucht niemand zu sein, schließlich haben die Schüler insgesamt drei Mal auf der Straße geübt und sind die Strecke somit schon einige Runden lang gefahren.

Susanne Wulf, die alle Trainingseinheiten begleitet hat, weiß dennoch: „Verkehrserziehung ist in erster Linie Elternaufgabe. Der Lerneffekt kommt nur durch das ständige Wiederholen zustande.“ So sind die Kinder mit der Übung zuhause und dem Training in der Schule am Ende bestens für das Fahren mit dem Fahrrad auf der Straße vorbereitet.