Heiligenhauser Rückenfit-Experte beim Profiwindsurfer

Hier am Norderneyer Nordstrand ist einer der Lieblingsspot des Profisurfers. Alexander Fräcke traf Bernd Flessner hier im Surfcafé, um mit ihm über den Windsurfsport zu reden.
Hier am Norderneyer Nordstrand ist einer der Lieblingsspot des Profisurfers. Alexander Fräcke traf Bernd Flessner hier im Surfcafé, um mit ihm über den Windsurfsport zu reden.
Auf Norderney traf Alexander Fräcke den vielfachen Deutschen Meister Bernd Flessner. Ein Paradebeispiel, was man zur Rückenprävention machen kann.

Heiligenhaus..  Wind, Wasser, Wellen – für Bernd Flessner gibt es keine bessere Kombination. 16 Mal war der Norderneyer deutscher Windsurfmeister, surfte über Jahrzehnte auf international höchstem Niveau. Wie man da fit bleibt und was Surfen für den Rücken tun kann, darüber hat er mit dem WAZ-Rückenfit-Experten Alexander Fräcke auf der Insel gesprochen.

Das Leben, das Bernd Flessner führt, das ist sicher für viele ein Traum: Surfen, Strand, Meer – den ganzen Tag, das ganze Jahr über. Ob Nordsee, Kapstadt, Barbados oder Hawaii – gesehen hat Flessner fast jeden surfbaren Ort der Welt. „Das Herumreisen, was das Profileben mit sich bringt, ist natürlich unbezahlbar. Das bringt keine andere Sportart mit sich“, schwärmt Flessner.

Mit sechs Jahren hat der heute 46-Jährige mit dem Windsurfen angefangen. Sein Elternhaus ist nur wenige Meter vom Meer entfernt.Doch dieser Traumjob ist auch harte Realität, denn als Profisportler muss Flessner nicht nur top-fit sein, sondern in seinem Bereich war er auch für alles selber verantwortlich: für das Anmelden bei Cups, für die Anreise, für alles drum herum. Flessner: „Windsurfen war in den 80er und 90er Jahren extrem groß, aber nie hatten wir eine Rundumbetreuung, sondern mussten alles selber managen.“

Talent, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit sind für den Insulaner das Erfolgsrezept: „Ich hatte den Traum, mein Hobby zum Beruf zu machen, und dafür musst du dann hart arbeiten. Denn dein Körper ist dein Kapital, du bist darauf angewiesen, dass er funktioniert.“

Denn er trainiert nicht nur das Windsurfen, sondern den ganze Körper. „Rücken, Arme, Beine, Bauch und Schultern müssen trainiert werden, denn beim Windsurfen gibt es ein Wechselspiel zwischen statischen und flexiblen Muskelanspannungen“, erklärt der Heiligenhauser Physiotherapeut Alexander Fräcke. „Es ist eine vergessene, aber hoch anspruchsvolle Sportart. Viele haben schon Muskelkater, wenn sie nur das Segel aus dem Wasser ziehen. Für den Rücken ist es ein toller Sport. “

Für seine Fitness rackerte Flessner in seiner aktiven Sportlerzeit extrem viel, sechs bis sieben Mal in der Woche, drei Mal täglich. Heute versucht er mindestens zwei Mal die Woche zu trainieren. „Wenn du als Profisportler nicht strukturiert bist, dann kannst du es vergessen“, berichtet Flessner. Um auf dem Wasser erfolgreich zu sein, muss viel auf dem Land für Kraft und Ausdauer getan werden. „Wenn du mehrere Regatten hintereinander surfst und dir nach der ersten bereits die Puste ausgeht, kannst du auf Dauer nicht erfolgreich sein“, berichtet der international aktive Surfer.

Für Alexander Fräcke zeigt das Gespräch mit Bernd Flessner vor allem: „Hier sieht man mal den krassen Unterschied zwischen einem Freizeit- und einem Profisportler. Denn der Profisportler kann sich keine Verletzung leisten und hat einen strengen Trainingsplan.“ Begeistert ist Fräcke auch darüber, „dass ich endlich mal nicht erklären muss, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Ausdauer, Kraft, Koordination und Dehnung ist. Wenn Bernd ein Problem hat, dann weiß er genau, was zu tun ist. Er kann sich mittlerweile selbst therapieren.“

Immer was zur Therapie dabei

Das hat der Profisportler mit den Jahren gelernt. „Wenn es mal zwickt, dann dehne ich vor allem. Außerdem benutze ich Black Roles zur Faszientherapie und ich habe immer eine Yogamatte und einen Tennisball für die Wirbelsäule dabei.“ So konnte Flessner mit vielen Übungen sogar mal mit Hexenschuss eine Regatta surfen. „Ich war nach einem Sprung doof aufgekommen und hatte dadurch eine Stauchung. Nachdem ich mich gedehnt hatte, konnte ich aber tatsächlich an dem Rennen teilnehmen.“

Alexander Fräcke sieht in Bernd Flessner einen Paradesportler: „Das ist Balsam für die Physiotherapeutenseele. Es ist mal schön, zu hören, dass das, was ich meinen Patienten ständig predige, auch wirkt, wenn es dann konsequent umgesetzt wird“, mahnt er an alle Rückenpatienten zu mehr Training und Selbstdisziplin. Denn wer sich selbst zu helfen weiß, kann auch mit seinen Rückenproblemen besser umgehen. Das findet auch Bernd Flessner: „Es müsste viel mehr präventiv gemacht werden. Mein bester Tipp: Immer viel dehnen, um geschmeidig zu bleiben und damit die Muskulatur nicht verkürzt.“