Heiligenhauser Redaktion gibt Lektüre-Tipps für den Sommer

Was wir bereits wissen
Ob Krimi-Spannung oder Naturerlebnisse: Für jeden ist etwas dabei.

Heiligenhaus..  Endlich! Die Ferien haben begonnen. Egal, wo und wie man die schönsten Wochen des Jahres verbringt – mindestens ein gutes Buch sollte da nicht fehlen (vorzugsweise in Papierform, aber auch das E-Book sei erlaubt). Die Mitarbeiter der WAZ-Redaktion Heiligenhaus haben auch in diesem Jahr wieder daheim in ihre Regale geschaut und empfehlen ihre Lieblingslektüre.

Ob Krimi-Spannung, selbst erlebte oder erdachte Abenteuer, Kinderklassiker oder Reisen in die Natur und Romane mit politischen Hintergrund: Für jeden ist etwas dabei.

„Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler

Zwischen diesen Buchdeckeln steckt für mich ein Stück Kindheit. Und das wortwörtlich. Schlage ich ein neues Kapitel in Otfried Preußlers „Das kleine Gespenst“ auf, wird für mich ein Stück Vergangenheit wieder lebendig. Denn das Exemplar, aus dem ich meinen Kleinen heute vorlese, stammt noch aus der Kinderbuchsammlung meiner Eltern. Und genauso wie ich einst, liebt mein sechsjähriger Sohn die amüsanten Geschichten um das liebenswerte Gespenst, das unbedingt den Tag zur Nacht machen möchte. Und wie der Zufall es will, macht die Reparatur der Rathausuhr möglich, wovon das kleine Nachtgespenst bisher nur zu träumen wagte. Plötzlich treibt es als „schwarzer Unbekannter“ sein Unwesen im Städtchen Eulenberg. Und das nicht ganz freiwillig . . . Die Abenteuer der witzigen Gestalt sind nicht nur für kleine Zuhörer ein Ohrenschmaus. Mit dem kleinen Gespenst macht auch das Vorlesen richtig Laune. Der Kinderbuchklassiker macht der ganzen Familie Spaß – Kindheitserinnerungen inklusive. (Hannah Blazejewski)

„Märzgefallene“ von Volker Kutscher

„Märzgefallene“, der neueste Fall um Kommissar Gereon Rath, von Autor Volker Kutscher ist ein starkes Stück Krimi für faule Urlaubstage. Als echten Kölscher Jung verschlägt es Gereon Rath nach unschönen Vorfällen beruflich an die Spree. Der Ermittler tut sich anfangs schwer mit Berlin, wird immer wieder von seiner Vergangenheit im Rheinland eingeholt und löst trotz oft widriger Umstände so manchen kniffligen Kriminalfall. Besonderen Charme verleiht den bisher fünf Büchern Kutschers das Flair Berlins der 1920er und ‘30er Jahre. Im neuesten Fall des eigenwilligen Kommissars dreht es sich um einen ermordeten Obdachlosen. Dessen Geschichte führte Rath ins Jahr 1917 zurück. Als deutsche Soldaten während der „Operation Alberich“ in Frankreich verbrannte Erde hinterließen. Dabei stößt der Ermittler auf ungesühnte Morde, heimtückische Sprengfallen und beiseite geschaffte Goldbarren. Mehr darf an dieser Stelle aber nicht verraten werden, sonst macht das Lesen von „Märzgefallene“ nur halb so viel Vergnügen. (Hannah Blazejewski)

„Die wilde Ballade vom lauten Leben“ von Joseph O’Connor

Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug – das ist immer noch die Zauberformel. Aber es gibt nur wenige gelungene Beispiele „lesbarer“ Rockmusik. Vor 16 Jahren schrieb Salman Rushdie „Der Boden unter ihren Füßen“. Seine Heldin war eher eine Bollywood-Göttin: überlebensgroß. Der zweite großartige Versuch heißt „Die wilde Ballade vom lauten Leben“ und stammt von Joseph O’Connor (Sineads älterem Bruder). Mit ausgeprägt irischem Witz erzählt der 52-Jährige von den „Ships in the Night“, einer fiktiven 1980er- Jahre-Band, die man einfach gernhaben muss. Da ist Gitarrist Robbie, der Erzähler dieser „Ballade“, gesegnet mit einem allerliebst cholerischen Vater. Da sind Trez und Sean, die Zwillinge an Bass (eigentlich Cello) und Drums. Und da ist vor allem der schrille Fran, der mit seinem vollendet designten Außenseitertum eine üble Kindheit als vietnamesische Waise überspielt. Klischees? Ja, ganz viele. Aber Joseph O’Connor lässt sie tanzen bis zum super-sentimentalen Schluss. Dieser Roman rockt – und das ist selten. (Ralph Wilms)

„Das Haus des Windes“ von Louise Erdrich

Louise Erdrich vom indianischen Volk der Chippewa hätte ich als Leser schon viel früher entdecken sollen: Die heute 61-Jährige ist eine begnadete Erzählerin. Und in „Das Haus des Windes“ (Aufbau Verlag) trifft sie ganz großartig den trotzig-coolen Ton ihres Helden, des 13-jährigen Joe Coutts. Seine Mutter ist von einem Unbekannten vergewaltigt worden. Sein Vater, selbst Stammesrichter im Reservat an der kanadischen Grenze, muss untätig bleiben, weil der Täter offensichtlich „von außerhalb“ kam. Also macht sich Joe mit seinen Freunden auf, um Rache zu nehmen. Trotz des brutalen Verbrechens (und weiterer vertuschter Taten) liest sich dieser Ermittlungs-Kriegspfad über weite Strecken so hinreißend komisch, als wäre es eines der Jungens-Abenteuer von Mark Twain. Für ganze junge Leser möchte ich „Das Haus des Windes“ dennoch nicht empfehlen: Denn bei aller süffigen Erzählkunst Erdrichs hat man an der Auflösung eine ganze Weile zu knacken: Kann Selbstjustiz wirklich die Lösung sein? (Ralph Wilms)

„Die Wahrheit und andere Lügen“ von Sascha Arango

Bei der Glauser-Preisverleihung habe ich ihm ganz fest die Daumen gedrückt: Und tatsächlich hat Sascha Arango (von Hause aus Drehbuchautor) mit seinem Debütroman einen der begehrten „Oscars“ der deutschen Krimiszene gewonnen. „Die Wahrheit und andere Lügen“ ist eine genial konstruierte und herrlich lakonisch erzählte Geschichte. Es ist die Geschichte von Henry Hayden, dem Bestsellerautor, der ein Luxusleben führt und das Glück hat, dass seine Frau Martha über die Eskapaden hinwegsieht. Doch als seine Lektorin von ihm schwanger wird und ein gemeinsames Leben einfordert, muss er sich entscheiden. Arango lässt den Leser nicht lange im Unklaren darüber, wen er mit Henry vor sich hat. Einer, der auf galante Art taktiert, der lieber schweigt und der weiß, wie man sich im richtigen Moment unsichtbar macht. Eigentlich ist Henry ein durchtriebener Egoist und doch findet der Leser Gefallen an ihm. Ein Buch, das verfilmt gehört. Das sei, verrät Arango bei der Preisverleihung, in der Tat geplant. Darauf bin ich gespannt. (Petra Treiber)

„Am Anfang war der Lärm“ von Philipp Oehmke

„Eisgekühlter Bommerlunder“ ist der erste Song, der mir von den Toten Hosen untergekommen ist – der Hit auf den Oberstufen-Partys. Sänger Campino heißt eigentlich Andreas Frege und hat im Erscheinungsjahr der Single mit seinem Kumpel Michael Breitkopf das Abi am Humboldt-Gymnasium in Düsseldorf gebaut. Dass unsere Wege sich ab und zu auf dem Schulhof gekreuzt hatten, war mir damals nicht bewusst; auf Punks stand ich nicht wirklich. Mehr als 30 Jahre später sind die Toten Hosen/Roten Rosen längst gesellschaftsfähig und „Tage wie diese“ ist zur Fußball-Hymne geworden. Nichtsdestotrotz sind die Bandmitglieder alles andere als stromlinienförmig, haben sich eine erfrischende Offenheit bewahrt. In „Die Toten Hosen – Am Anfang war der Lärm“ erzählen sie frei von der Leber weg, was sie zusammenhält. Auch ehemalige Mitstreiter kommen zu Wort. Philipp Oehmke hat’s aufgeschrieben, nicht chronologisch, mehr so queer Beet. Eben Hosen-typisch. Lektüre für zwischendurch – kommt gut mit den passenden Songs. (Petra Treiber)

„Der Junge, der Träume schenkte“ von Luca di Fulvio

Ein junges Mädchen kommt aus Italien nach New York: Auf der Suche nach dem großen Glück, wie es so viele Anfang des 20. Jahrhunderts tun. Natale heißt ihr Baby, das kein Kind der Liebe war, aber dem sie ihre ganze Liebe und ihr Leben aufopferungsvoll widmet. Christmas wird er in den USA genannt. Er wächst auf in einer Welt voller Gewalt und Gangs in der Lower East Side. Es ist eine faszinierende, ergreifende Geschichte, wie sich ein kleiner Junge in so einer Welt zurecht findet: Er überlebt mit seiner sonnig gutmütigen Art durch das Erzählen von Geschichten. Das kann er richtig gut, an seinen Lippen hängen sogar die Gangsterbosse. In Luca di Fulvios Bestselller „Der Junge, der Träume schenkte“ kommt nichts zu kurz: Dramatik, Witz und auch die Liebe. Denn immer dreht es sich in seinem Leben um Ruth, das junge Mädchen, das aus einer ganz anderen Welt kommt. Eine mitreißende, aufwühlende Geschichte, die zeigt: Träume sind wunderbar, und noch schöner, wenn sie in Erfüllung gehen, wenn man sie hartnäckig verfolgt. (Katrin Schmidt)

„Während die Welt schlief“ von Susan Abulhawa

In meinem Politikwissenschaftsstudium habe ich viel über Konflikte gelesen. Doch wirklich verstehen konnte ich den Konflikt zwischen Israel und Palästina nie. Bis mir im Norderney-Urlaub Susan Abulhawas Roman „Während die Welt schlief“ empfohlen wurde. Eine Geschichte, die auf wahren Tatsachen beruht. Auf geschichtlichen Dokumenten und Zeitungsberichten. Die Menschen zu Wort kommen lässt, die wirklich Schlimmes erfahren haben. Die die palästinensische Seele, das arabische Leben in Ein Hod wunderbar erklärt und näher bringt. All das eingepackt in eine wundervolle Geschichte. Beinahe kann man die Düfte der Olivenbäume, der Rosen und der Gewürze der Dörfer des Karmelgebirges riechen. Die liebevolle, palästinensische Art fühlen. Und ihren unfassbaren Schmerz erahnen. Wie können Menschen das schlimme Leid aushalten, wie kann man noch Freude empfinden nach all dem, was diesen passierte. Das man ein solch ein hartes Thema so mitfühlend in einen Roman verpacken kann — Hut ab. (Katrin Schmidt)

„Bullau“ von Andreas Maier und Christine Büchner

Die ersten Seiten von „Bullau“ waren wie die ersten Schritte auf einem völlig unbekannten Weg. Über Stock und Stein, um Kurven und durch tiefe Wälder. Das Ziel: Es gibt keines. Andreas Maiers und Christine Büchners „Versuch über die Natur“ ist eines der skurrilsten Bücher, das mir in diesem Jahr unter die Nase gekommen ist. Seite für Seite beschreiben zwei Protagonisten, was sie auf ihren zahlreichen Spaziergängen erleben. Mal listen sie mit nüchterner Akribie jeden Vogel und jede Pflanze auf – mal schwingt ein die Naturverliebtheit großer Lyriker in ihren Worten mit. Deshalb ließt man „Bullau“ nicht einfach, man erlebt es. Das Buch schafft etwas, was wir oft aus den Augen verlieren. Es lebt im Hier und Jetzt. Zudem sensibilisieren Maier und Büchner den Leser für die Abenteuer, die direkt vor Haustür beginnen. Und manchmal braucht es eben einen kleinen Schubser über die Schwelle, um wieder mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und neugierig auf das zu sein, was sie für einen selbst parat hält. (Kirsten Gnoth)

„Das große Los“ von Meike Winnemuth

Aus dem verregneten deutschen Sommer heraus bin ich an einem Nachmittag um die ganze Welt gereist. Ohne „Jetlag“, ohne Visa, ohne Koffer packen – nur mit diesem Buch auf dem Schoß. Journalistin Meike Winnemuth gewinnt bei „Wer wird Millionär“ eine halbe Million Euro. „Das große Los“, heißt denn auch ihr Buch, untertitelt „Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“. Sie beschließt, sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen und lässt ihr altes Leben für ein Jahr liegen. Jeweils einen Monat lang lebt sie in zwölf Städten auf der ganzen Welt. Mit viel Witz berichtet sie davon, wie sie in Honolulu Ukulele spielt, in Shanghai fast verloren geht oder in Sydney die Harbour Bridge erklimmt. Es geht um Begegnungen, um die Freiheit, das zu tun, was man wirklich möchte – und um die persönliche Entwicklung einer Weltenbummlerin. Eine Lektüre, die Lust auf Reisen und fremde Kulturen macht und zeigt, dass man manchmal ans andere Ende der Welt reisen muss, um sich selber zu finden. (Mara Bartling)

Und Redaktionshund Ben empfiehlt: die Grill-Bibel

Würstchen, damit kann man mich, Redaktionshund Ben, glücklich machen. Nicht zu viele natürlich, sonst meckert Frauchen. Denn Gewürze sind für unsere Hundemägen und zuviel Fett für die Taille nicht gut. Aber wenn Herrchen am Grill steht, dann bin ich nicht weit. Fällt auch meistens was ab, meinem Blick kann halt keiner widerstehen. Praktische Tipps zur Vorbereitung und Ideen rund um Fleisch, Fisch und Gemüse holt sich Herrchen in der Grill Bibel von Weber. Find ich gut!