Heiligenhauser Partnerstadt kämpft mit Industriewandel

Foto: Duncan
Was wir bereits wissen
Heiligenhaus’ älteste Partnerstadt Mansfield kämpft gegen die Tristesse. Von der Industrie blieben Brachen – und von Robin Hood eine pompöse Feder.

Mansfield / Heiligenhaus..  Man könnte sich Mansfield als mittelalterliches Bilderbuch-Städtchen vorstellen, mit jahrhundertealten Pubs und Inns im typisch englischen Tudor-Fachwerk, vom Stadtmarketing geschickt beworben mit Robin Hood und Maid Marian, mit Bruder Tuck und einem fotogen-schurkischen Sheriff. Leider ist das nicht so. Das Fachwerk-Idyll gab’s wirklich, es überdauerte sogar etliche Jahrhunderte – aber nicht die Altstadt-Sanierung von 1929.

In „Lady Chatterleys Liebhaber“, dem einstigen Skandal-Roman, beschreibt David Herbert Lawrence 1928 die spätere Partnerstadt von Heiligenhaus als „einen einstmals romantischen Ort“, der sich an die Tristesse einer Zechenstadt verloren habe. Dabei ging es Mansfield gut in Zeiten des Bergbaus: Die besonders ertragreichen Pütts in Nottinghamshire zahlten ihren Bergleuten die besten Gehälter im Königreich. Sie nahmen in den 1960er Jahren noch viele schottische Kumpel auf, als im hohen Norden schon die Zechen geschlossen wurden.

Doch heute kämpft Mansfield wie so viele Städte im „schwarzen Land“ mit den Folgen der De-Industrialisierung unter Margaret Thatcher. Hinzu kommt noch eine nicht selten unglückliche Hand der langjährigen Stadtspitze beim Bemühen der Fast-Großstadt von 99 000 Einwohnern, den Anschluss nicht zu verlieren.

Dabei zählt Mansfield zu den nur 16 britischen Städten, deren Bevölkerung ihren Bürgermeister direkt wählt. Tony Egginton amtierte bis zu den jüngsten Wahlen am 7. Mai also als Verwaltungschef, nicht nur als für ein Jahr gewählter Repräsentant mit überwiegend zeremoniellen Aufgaben. 2002 beendete der damals 51-jährige Inhaber eines Zeitungs-Kiosks für das Mansfield Independent Forum eine 30-jährige Labour-Regentschaft, nach zwölf Jahren nun abgelöst durch seine Partei-Kollegin Kate Allsop.

In der Ära Egginton wagte Mansfield große Investitionen – die nicht immer trugen. So kaufte die klamme Stadt das alte Krankenhaus, finanzierte den Abriss, fand aber noch keine neue Nutzung für die Brache. Ähnlich erging es der bereits 2007 abgerissenen Brauerei, von der nur das schmucke viktorianische Verwaltungs-Gebäude stehen blieb: Die abgeräumte Fläche blieb Industrie-Brache.

Leerstände auch in der Innenstadt: Im Juni vorigen Jahres öffnete Tony Egginton den neuen Büro-Komplex „Queen’s Place“. Das als Konzept für lokale Entwicklung preisgekrönte Ensemble findet nur mühsam Mieter. Bei den Geschäften der Altstadt-Straßen allerdings kann Mansfield mit zwei Pluspunkten auftrumpfen – jedenfalls im Vergleich mit ähnlich großen Städten der Midlands. Mit rund zehn Prozent gilt der Anteil der Leerstände als gering. Und es gibt neben den üblichen Ketten-Läden noch Inhaber-geführte Geschäfte in der „Hauptstraße“ (die in Mansfield West Gate heißt).

Die Politik der Abrissbirne machte weder Halt vor den schlichten Reihenhäusern der Bergarbeiter-Siedlungen noch vor jener Eiche, die einst mit einer Plakette den geografischen Mittelpunkt des Sherwood Forest markierte. Den alten Baum ersetzt nun eine überdimensionale Edelstahl-Feder: viel zu groß und pompös, um sie Robin Hood ans Hütchen zu stecken.