Heiligenhauser Möhnen stürmen das Rathaus

Da ist der Schlüssel: Uschi Klützke hat ihn Jan Heinisch „geklaut“.
Da ist der Schlüssel: Uschi Klützke hat ihn Jan Heinisch „geklaut“.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Um 11.11 Uhr ist für die jecken Weiber kein Halten mehr. Dann wird dem Bürgermeister der Schlüssel zum Rathaus geklaut. Aus dem Ratssaal wird ein Tanzlokal.

„Summ Summ Summ Bienchen komm herum“, trällert Frauen Unionsvorsitzende Uschi Klützke aus vollem Hals. Pünktlich zur Karnevalssaison hat die Obermöhne ihre fleißigen Bienchen um sich gescharrt. Als närrischer Schwarm wollen sie das Rathaus im Sturm erobern. Vorbei müssen sie dafür allerdings an den städtischen Panzerknackern. Mit schwarzer Augenbinde und Gefängniskennung auf der Brust verteidigt Bürgermeister Jan Heinisch den goldenen Schlüssel der Stadt. Trotz allem Gezeter des ersten Bürgers schunkeln sich die Möhnen ihren Weg hinauf in den Ratssaal.

Vor dem Rathaus hat sich eine Traube gebildet. Aus den Boxen dröhnt „Rot, rot, rot, rot sind die Roooosen“. Im Takt des Karnevalklassikers schunkeln sich die leicht bekleideten Heiligenhauserinnen warm. „So langsam wird es frostig unten herum“, beschwert sich eine der feierlustigen Damen. Der Feierlaune geschuldet ist Uschi Klützke in diesem Jahr ein bisschen spät dran. Der große Zeiger rutscht gerade auf 11.20 Uhr, als Bürgermeister Heinisch kapituliert und sich die Türen zum Ratssaal öffnen.

Oben angekommen geht die Party weiter. Das Team des Kulturbüros schenkt fleißig ein Alt nach dem anderen aus, während der DJ im Saal die Regler aufdreht. Was natürlich bei keiner Karnevalsveranstaltungen fehlen darf, ist eine Polonaise. Mit den Händen an den Schultern des Fordermannes schlängelt sich die bunt gemischte Runde zwischen Stehtischen und Jeckengrüppchen hindurch. Diesen Umzug im Miniformat würde sich Uschi Klützke im nächsten Jahr als Großveranstaltung wünschen: „Ich habe vor Jahren schon mal mit dem Gedanken gespielt, einen Karnevalsumzug ins Leben zu rufen. Aber das ließ sich damals nicht umsetzen.“

Nun sind die Pläne wieder aktuell, denn Klützke hat einen potenziellen Partner gefunden. „Mit einiger Willenkraft ist es möglich, so etwas auf die Beine zu stellen. Woooozy hatte Interesse gezeigt und das wäre eine große Hilfe“, erklärt die Obermöhne. Zwar müsste es erst einen richtigen Karnevalsverein in Heiligenhaus geben, doch dieser Hürde sieht Klützke zuversichtlich entgegen. Genug Fußgruppen für den Umzug würden sich schnell finden lassen. Denn auch Schulen und Kindergärten würden sich über einen großen Umzug freuen.

Bis zur nächsten Session sollen aber auch die Stadtkassen wieder gefüllt sein. Die Panzerknackerbande rund um Bürgermeister Jan Heinisch hat sich schon als Langfinger versucht – vergeblich: „Wir haben es erst in Velbert versucht, aber da sah es auch nicht besser als. Ratingen erschien interessant, aber da hatte sich das Land mit dem Solidarpakt schon einiges geholt.“

Gebracht hat ihm der närrische Raubzug nichts, denn nun ist ihm Polizeihauptkommissar Andreas Piorek auf den Fersen. Mit einem Augenzwinkern erlaubt der Polizist den Langfingern aber noch eine letzte Party. In der närrischen fünften Jahreszeit ist eben alles erlaubt.