Heiligenhauser leben an Schlaglochstraße

Dörte Mosch kreidet an, dass die Gebrüder-Grimm-Straße voller Schlaglöcher ist. Ihr Vater Kurt, hier mit Ehefrau Ursula, ist kürzlich beim Einsteigen ins Auto gestürzt.
Dörte Mosch kreidet an, dass die Gebrüder-Grimm-Straße voller Schlaglöcher ist. Ihr Vater Kurt, hier mit Ehefrau Ursula, ist kürzlich beim Einsteigen ins Auto gestürzt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Keine märchenhaften Zustände herrschen an der Gebrüder-Grimm-Straße, kreiden die WAZ-Leser Kurt und Ursula Wolter an.

Heiligenhaus..  „Ich habe schon so viele Steuern bezahlt, eigentlich müsste die Straße vergoldet sein“, findet Kurt Wolter. Doch die Gebrüder-Grimm-Straße sieht eher aus wie ‘einer, der auszog, das Fürchten zu lernen’. Eine durchgängige Fahrbahndecke gibt es nicht, dafür ist die Straße übersäht mit Schotter, Splitt und Kieseln. Selbst der einseitige Bürgersteig gleicht eher einem Flickenteppich als einem sicheren Gehweg. Die kleine Sackgasse im Wohngebiet Dümgesweg trotzt seit über 50 Jahren Wind und Wetter – mit sichtbaren Folgen.

So große Schritte wie der gestiefelte Kater kann das Ehepaar Wolter mit über 80 Jahren nicht mehr machen. Selbst der Weg zum Auto von Tochter Dörte Mosch gleicht, angesichts der Straßenbeschaffenheit, einem Abenteuer. Einen Fehltritt dürfen sich die Rentner nicht erlauben. „Ich passe jedes Mal höllisch auf wo ich hin trete. Doch mein Mann ist vor einiger Zeit sogar vor unserem Haus hingefallen und hat sich das Knie böse aufgeschlagen“, erzählt Ursula Wolter wütend.

Wenig später klingelte bei Michael Krahl im Rathaus das Telefon. Gute Neuigkeiten hatte der Leiter des Fachbereichs Straßenbau aber nicht für Familie Wolter: „Wir haben die Straße im Blick. Aber da die Verkehrssicherheit nicht gefährdet ist, liegen die baulichen Prioritäten in nächster Zeit bei Straßen mit mehr verkehrlicher Bedeutung und weitaus mehr Nutzern, zum Beispiel bei der Herzog-, Kettwiger oder Stettiner Straße.“

Beim Blick in die enge Sackgasse drängt sich dem Beobachter jedoch die Frage auf, ab welchem Punkt die Verkehrssicherheit gefährdet ist? „Die Straße ist gut einsehbar. Wenn die Gefahren zum Beispiel unerwartet hinter einer Kurve liegen würden und man sich als normal aufmerksamer Verkehrsteilnehmer nicht darauf einstellen könnte, dann wäre die Verkehrssicherheit gefährdet“, erklärt der Fachbereichsleiter.

Straße ist noch gar nicht erschlossen

Würde Michael Krahl nun trotzdem dem Wunsch der Anwohner nachkommen, müssten die Hausbesitzer 90 Prozent der Baukosten übernehmen. Denn die Gebrüder-Grimm-Straße sei baurechtlich noch gar nicht erstmalig hergestellt und abgerechnet worden, teilt er mit. Wäre bereits ein Erschließungsbeitrag von den Anwohnern entrichtet worden, dann müssten sie laut Kommunalabgabengesetz noch 70 Prozent übernehmen, wenn die Straße im Vollausbau erneuert wird.

Baukosten, die ein tiefes Loch in die knappe Rentenkasse der Wolters reißen würden. Nur gestopft und nicht komplett ausgebessert würden die Löcher erst, wenn eines von ihnen zur Gefahr wird. Solange muss Ursula Wolter weiterhin mit dem Kehrblech bewaffnet den Zaun entlang wandern. „Die ganzen Autos schleudern Kies gegen meinen Zaun. Den muss ich ständig wegfegen. Außerdem hat man das Zeug immer im Haus“, prangert Wolter an.

1964 zog sie mit der Familie in die Gebrüder-Grimm-Straße. Gespielt haben ihre Kinder nur selten vor dem Haus. „Wir hatten ständig aufgeschürfte Knie. Fahrrad fahren lernen ging hier gar nicht. Doch nun wird die Straße von Winter zu Winter noch schlimmer“, findet Dörte Mosch. Damals sei die Straße noch in einem besseren Zustand gewesen. Nicht so märchenhaft. Und bis das Märchen von einer Kraterfreien Gebrüder-Grimm-Straße ein Happy End findet, wird es wohl einige Zeit dauern.