Heiligenhauser helfen Flüchtlingen

Michael Noack (re., im Gespräch mit Miodrag Vasic) organisiert Spenden für die Flüchtlinge in der Ludgerusstraße.
Michael Noack (re., im Gespräch mit Miodrag Vasic) organisiert Spenden für die Flüchtlinge in der Ludgerusstraße.
Foto: WAZ FotoPool
Ein Facebook-Eintrag löst spontane Spendenaktion aus. Die WAZ sprach mit Michael Noack und mit Thomas Brüßel, wie Hilfen zu handhaben sind.

Heiligenhaus..  In diesen Zeiten, in denen in Deutschland Fremdenangst und Ressentiment sich zu öffentlichen Kundgebungen erdreisten, ist man für solche Meldungen besonders dankbar: Eine spontane Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge ist gestern durch Heiligenhaus geschwappt.

Alles begann mit einem Facebook-Post von Michael Noack (47). In der lokalen Tauschbörsen-Gruppe „Heiligenhaus: Helfen, Schenken, Ratsuche“, in der sonst etwa Schenk- und Kaufangebote von privat an privat oder Bolzplatz-Mitspielergesuche gepostet werden, schrieb der Neu-Heiligenhauser aus Hessen vorgestern abend: „Hallo Gruppe, ich bin eben von einem Besuch im Asylheim hier in Heiligenhaus zurück gekommen. Diese Menschen dort waren sehr nett und trotz ihrer schrecklichen Lage sehr gastfreundlich. Wir haben Kaffee getrunken und uns lange unterhalten. Morgen gehe ich wieder hin. Diesmal mit Puppen, Jacken und Lebensmitteln. Will jemand mit?“

Das Telefon steht nicht still

Wenig später meldet er: „Ich werde hier gerade vor Hilfsbereitschaft fast erschlagen. Wir brauchen dringend jemanden mit Auto“ und: „Helfen macht so viel Spaß“. Noch bis Mitternacht hielt er die Leute per Facebook auf dem Laufenden, was die Asylbewerber brauchen und wie es am nächsten Tag am besten übergeben werden soll. Donnerstag fuhr er dann mit einer ersten Ladung in das Wohnheim. „Nach und nach kamen die Leute runter und dann habe ich verteilt. Einer bekam eine Reebok-Jacke, ein anderer neue Schuhe“, berichtet Noack.

Bis Donnerstagmittag hatten sich schon gut zwei Dutzend potenzielle Sachspender bei Noack gemeldet, berichtet er. „Das Telefon steht gar nicht mehr still.“ Zwischendurch habe er es sogar ausgeschaltet.

Doch auch Misstrauen habe es auf Facebook gegeben, erzählt Noack. Deshalb hat er dort öffentlich gepostet, dass er nur Sachspenden für die Flüchtlinge sammelt und was ihn dazu antreibt: „Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schnell man bei Null ankommt“, schreibt er da, „weil ich durch schwere Krankheit und die damit verbundene Trennung meiner Frau auch alles verloren habe. Ich hatte außer meiner Unterhose und einem T-shirt nichts mehr. Ich bekam damals in Hessen, wo ich dann hin zog, so viel Hilfe, die ich nun an bedürftige Menschen zurückgebe.“

Auch soziale Kontakte angestrebt

Es geht aber um mehr als materielle Hilfen, sagte Noack der WAZ: „Soziale Kontakte sind auch angestrebt.“ Im Eintrag zur Spendenübergabe betonte er extra: „Dort kann man die Leute auch persönlich kennen lernen“. So kurzfristig kam zwar keiner außer Noack; wie es weitergeht, wird sich zeigen.

Jedenfalls haben viele Anrufer Noack versichert, er habe da einen Stein ins Rollen gebracht, sagt er. Es wurde spontan privater Deutschunterricht angeboten. Eine Dame von einer vergleichbaren Bürger-Aktion in Ratingen hat sich gemeldet. Und sogar ein Freund Noacks aus Serbien hat über Facebook von der Aktion erfahren und für morgen seine Anreise und Mithilfe angekündigt. Für einige Asylbewerber könne er dolmetschen.

So soll nach Michael Noacks Wunsch der Kontakt mit den Flüchtlingen mit der gestrigen Spenden-Aktion erst anfangen. Kommenden Sonntag möchte er mit anderen Bürgern ein offenes Zusammentreffen von hiesigen und Flüchtlingseltern organisieren, „um soziale Kontakte zwischen den Kindern zu fördern“. Bei schönem Wetter geht es auf den Spielplatz, bei schlechtem ins Wohnheim.