Heiligenhauser Gesamtschüler lernen Leben retten

Lehrrettungsassistent Michael Poppe zeigt der 10. Klasse und Schülerin Anna Cheyenne, wie man im Notfall handeln sollte.
Lehrrettungsassistent Michael Poppe zeigt der 10. Klasse und Schülerin Anna Cheyenne, wie man im Notfall handeln sollte.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wie handelt man in einem Notfall richtig, wollte die 16-jährige Schülerin Anna Cheyenne Kahle wissen. Rettungsassistent Michael Poppe zeigte es der ganzen Klasse.

Heiligenhaus..  „Ich hatte Angst vor einer Notfallsituation, besonders vor einem Herzinfarkt. Ich wusste zwar, dass man irgendwie auf dem Brustkorb rumdrücken muss, hätte mich das aber im Ernstfall nicht getraut, was zu machen.“ Gesamtschülerin Anna Cheyenne Kahle machte sich diese Gedanken, sprach ihren Lehrer darauf an – und dieser organisierte spontan einen Ersthelferkurs für die Wahlpflichtklasse.

Lehrrettungsassistent Michael Poppe von der Heiligenhauser Feuerwehr zögerte nicht lange, als ihm Naturwissenschaftslehrer Jens Bullmann von der die Idee der Zehntklässlerin berichtete. Poppe besuchte nun die zehnte Klasse, Veranstaltungen wie diese macht er im Rahmen seines selbstständigen Schulungsunternehmens „Team Impuls“.

Zu Beginn berichtete Poppe, der seit 25 Jahren bei der Feuerwehr tätig ist, die wichtigsten Fakten über Herzinfarkte: „Es gibt jedes Jahr 140 000 plötzliche Herztode in Deutschland. Diese sind bedingt durch einen Herzinfarkt, lateinisch Myokardinfarkt, der wiederum aus einem Blutgerinnsel irgendwo im Körper entsteht“, erklärt Poppe. „Dieses Gerinnsel wandert bei Anstrengung durch den Körper und setzt sich in manchen, unglücklichen Fällen im Herzen ab. Dies führt dann zu einer Gefäßverstopfung, was den Blutkreislauf im schlechtesten Fall zum Stehen bringt.“

Im weiteren Verlauf des Vortrages erklärt der Lebensrettungsexperte die wichtigsten Maßnahmen zur Ersthilfe, wie zum Beispiel die Grundlagen der Herzdruckmassage sowie der Beatmung oder die korrekte Benutzung eines Defibrillators. All diese Sachen durfte Anna Cheyenne an einer Puppe austesten und war davon begeistert: „Das erfüllt absolut meine Erwartungen von der Veranstaltung. Ich fühle mich praktisch sehr gut vorbereitet und sehr gut informiert. Ich weiß genau, wo man wie drücken und beatmen muss und auch einen Defibrillator habe ich jetzt mal ausgetestet. Jetzt fühl’ ich mich vor einem Notfall gewappnet.“

Mehr Leute sollten Ersthilfe können

Geht es nach Michael Poppe, sollten viel mehr Leute Interesse an Lebensrettung haben: „In den USA hat jedes Dorf einen eigenen Defi, deswegen liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Herzinfarkten dort bei über 50 Prozent. In Deutschland sterben 90 Prozent der Notfälle.“ Aus diesem Grund bemüht sich der Feuerwehrmann, die Maßnahmen möglichst einfach und für jeden zugänglich darzustellen.

Es wirkt für die Schüler plötzlich selbstverständlich, Verantwortung zu übernehmen und mit der Herzdruckmassage anzufangen. Dies ist laut Poppe auch notwendig: „Wenn du einen Notfall mitkriegst, musst du handeln. Du musst Ruhe bewahren, dem Patienten möglichst viel Stress nehmen und dann mit der Herzdruckmassage und der Beatmung anfangen“, berichtet Poppe. „Das Verhältnis sollte hier bei 30 Impulsen auf die Brust zu zwei Beatmungszügen liegen. Aber diese Details sind auch nicht so wichtig, das Entscheidende ist, dass du überhaupt etwas machst.“

„Der Vortrag war sehr informativ, ich konnte auch für mich noch einiges mitnehmen. Herr Poppe hat das als Experte sehr gut gemacht, mit der nötigen Portion Humor dabei, und hat sich so den Respekt der Schüler verdient“, zieht Lehrer Bullmann Fazit.