Heiligenhauser Gesamtschüler haben eigene Haltestelle

Projektkurs Kunst der Gesamtschule am Hülsbecker Weg gestaltete die Bushaltestelle an der Bergischen Straße unter dem Motto "Kann Warten schön sein?" mit Künstler Christian Deckert und Kunstlehrerin Heike Kensy-Rinas
Projektkurs Kunst der Gesamtschule am Hülsbecker Weg gestaltete die Bushaltestelle an der Bergischen Straße unter dem Motto "Kann Warten schön sein?" mit Künstler Christian Deckert und Kunstlehrerin Heike Kensy-Rinas
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
14 Gesamtschüler des Projektkurses Kunst entwarfen schrille bis verwegene Wartehäuschen für die Bürgerbus-Haltestelle. Gebaut wurde ein Kompromiss.

Heiligenhaus..  Leider ist es selbst mit dem Kunstunterricht schon ein bisschen wie mit der großen Architektur: Die witzigsten, die spektakulärsten Ideen schaffen es zwar bis zum Tisch-Modell. Aber gebaut wird dann eben doch der konventioneller Entwurf. Für die anderen schönen Gestaltungen gilt dann dasselbe, was auch für besondere Gebäude-Entwürfe gilt: zu extravagant, zu teuer, zu „spinnert“, wie Heiligenhaus’ Technischer Beigeordneter schon mal, durchaus wohlwollend, freie Studenten-Entwürfe beurteilt.

Das inoffizielle Wartehäuschen an der offiziellen Bürgerbus-Halte­stelle vor der Gesamtschule musste Harald Flügge ja nicht abnehmen. Das kleine, aber umso buntere „Bauwerk“ steht schließlich unter Kunstverdacht. Und wie gesagt – die ganz schrägen Entwürfe durften an dieser viel besuchten Stelle ja nicht Aufstellung nehmen.

„Heute hat’s schon gut geholfen“, meint Benedikt Vogel, einer der Zwölftklässler, die sich ein Jahr lang der Kunst des gepflegteren Wartens widmen durften. Motto: „Schnell mal vorbei warten – kann warten schön sein?“ Das Landesprogramm Kultur und Schule machte es möglich, dass sich Heike Kensy-Rinas als Kursleiterin und Didaktische Leiterin der Gesamtschule einige Verstärkung für den Kunstraum verpflichten konnte: nämlich den Künstler Christian Deckert und den Architekten Manuel Ruf.

Die filmische Dokumentation – und eine DVD für jeden der 14 Teilnehmer – war so gleich mit gesichert. Und man kann den kleinen Ausstattungs-Wundern durchaus nachtrauern, die leider nie über die verwegene Idee hinauskamen. „Macht Warten klein und hässlich?“, fragte Yasemin Gündogdu, die mit Benedikt Vogel das Projekt-Resümee vorstellte. „Manche brauchen eine Stunde bis zur Schule und haben dann noch 20 Minuten Umsteigezeit.“

Über die Feuerleiter zum Haltepunkt

Schöner warten also – zum Beispiel mit einem Bücherregal im Wartehäuschen. Mädchenhafter chillt es sich in der Kreation (leider nur in Modellgröße) aus Teppich, Couch und üppigen Sitzkissen unter einem Baldachin mit roten Bändern. „Es soll gemütlich aussehen,“ meinten Ceyda Topdemir, Zeinab El-Jarbi und Marigona Sylemani. In der Tat.

Mädchen chillen, Jungs grillen? Tatsächlich war auch eine Warte- als Grill-Station unter den gewagteren Entwürfen. Aber die ist wohl ebenso wenig als Ganzjahres-Produkt tauglich wie jene Super-de-luxe-Halte­stelle, der Leonidas Topalidis’ einleitende Frage galt: „Was gibt’s Besseres als Sommer?“ Gemeint war natürlich ein sonniger Sommer und das dazu passende Wartehäuschen bot unter seinem Strohdach loungigen Lattenboden, tiefe Polster – „breit genug zum Sitzen und zum Liegen“ – und einen Tisch samt Shisha (Wasserpfeife sagen Ältere).

Einen Hauch der flippigen Frank Gehry-Bauten bot die ungemein coole Stahl-Haltestelle mit dem besonders hohen Giebeldach. „Man kann die Feuerleiter runter rutschen“, verkündete Gökhan Erol. Zweck-Architektur als Abenteuer.

Und die schließlich gemeinsam gezimmerte und poppig bunt gestrichene Bürgerbus-Haltestelle nur wenige Schritte vor dem Kunstraum? Die sei „ein Kompromiss aus mehreren Entwürfen“, erklärt Heike Kensy-Rinas, „etwas Vernünftiges und Haltbares“. Eben ganz so wie in der großen Architektur.