Heiligenhauser Gesamtschüler diskutieren über Zukunft der Welt

Die Gesamtschule beteiligt sich an der bundesweitem Unesco-Umweltbildungskampagne "Fair Future – der ökologische Fußabdruck": Die multimediale Präsentation im Forum moderierten im Wechsel
Die Gesamtschule beteiligt sich an der bundesweitem Unesco-Umweltbildungskampagne "Fair Future – der ökologische Fußabdruck": Die multimediale Präsentation im Forum moderierten im Wechsel
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dabei bräuchten Europäer sogar eine dritte Erde: In der Gesamtschule informiert ein Multivision-Trio über den viel zu großen „ökologischen Fußabdruck“.

Aufstehen! Setzen! Nein, an der Gesamtschule ist keineswegs die alte Befehls-Pädagogik wilhelminischer Zeiten ausgebrochen. Björn Wiele machte – nachdem er erst mal sein jugendliches Publikum sortiert hatte – deutlich: „Ihr steht hier für das reiche Viertel der Weltbevölkerung.“ Jenes Viertel, dass drei Viertel der Ressourcen des Planeten Erde für sich beansprucht. „Für alle, die jetzt sitzen“ – also die große Mehrheit – „bleibt nur ein Viertel übrig.“

Es ging gestern um das ganz große Thema, um den „Ökologischen Fußabdruck“. Die Gesamtschule hatte ein Team in Diensten der Unesco-Umweltbildungskampagne „Fair Future“ eingeladen. In vier Einheiten zeichneten sie ein ernstes Bild vom Zustand des Planeten – aber wohl kein hoffnungsloses: Denn „Fair Future“ soll das Gegenteil sein von „No Future“.

Mit Björn Wiele moderiert ein diplomierter Politikwissenschaftler die ökologische Multivision im Wechsel mit Holger Krohn, einem langjährigen Umweltaktivisten – einst auch für Greenpeace. Dritte der Unesco-Crew ist Anke Gregersen, eigentlich Theater-Regisseurin. Sie sagt: „Wir haben hier keinen Pädagogen. Wir machen ja auch keinen Unterricht.“

Das heißt ja nicht, dass sie ihr Anliegen nicht anschaulich rüberbringen. In einer gerechten Welt würde jeder der sieben Milliarden Menschen 1,4 „globale“ Hektar an Ressourcen nutzen können. „Das sind zwei Fußballfelder“, erklärt Björn Wiele. „Die reichen aus für ein gutes Leben für jeden Menschen.“ Jeder Durchschnitts-Deutsche allerdings verbraucht für sich sechs Fußballfelder. „Wenn alle so leben würden wie wir, bräuchten wir drei Planeten.“

Die große Frage der Kampagne – „Wie können wir unseren Lebensstil korrigieren?“ – soll keineswegs hoffnungslos klingen. Es gibt tausende mögliche Stellschrauben – angefangen beim Essen. „Hier wird toll frisch gekocht“, sagt Anke Gregersen, voll des Lobes über die Gesamtschul-Mensa. „Und die Mensa-Kids sind so aufmerksam!“

Da ist man schnell beim Thema eines vegetarischen Tages: Heike Kensy-Rinas, die als pädagogische Leiterin der Schule die Unesco-Gäste begleitet, will es aufgreifen. Sie berichtet von den — auf Schülerbeschluss – wieder abgeschafften Milch-Tetrapaks, die sich zwischenzeitlich zu Müllbergen aufhäuften: „Jetzt gibt’s die Milch im Keramikbecher.“

Kleinigkeiten? Nicht für die Drei der „Multivision“-Crew. „Wenn wir Schüler fragen, was braucht Ihr zu Eurem Glück, dann geht es nicht um Handys und Konsum“, sagt Holger Krohn. „Dann geht es um Gesundheit, um Freunde.“